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Kettner Edelmetalle
28.08.2026
07:47 Uhr
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Cannabis-Republik: Deutschland ist jetzt Europas größter Kiffer-Markt

Cannabis-Republik: Deutschland ist jetzt Europas größter Kiffer-Markt
Symbolbild: KI-generiert

Zwei Jahre nach der Teillegalisierung ist Deutschland zum größten regulierten Cannabis-Markt Europas aufgestiegen. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf offizielle Zahlen. Die legalen Importe haben sich seit 2024 versechsfacht – und der Koalitionsstreit darüber eskaliert.

Von 8143 auf 50.539 Kilogramm

Die nackten Zahlen sind spektakulär: Nach Angaben des zuständigen Bundesinstituts kletterte allein die Einfuhr von medizinischem Cannabis vom ersten Quartal 2024 bis zum ersten Quartal 2026 von 8143 auf 50.539 Kilogramm. Das ist mehr als eine Versechsfachung binnen zwei Jahren.

Eine Studie der Universität Hamburg beziffert die 2025 in Deutschland verfügbare Cannabis-Menge auf über 200 Tonnen. Davon stammten lediglich 2,6 Tonnen aus heimischer Produktion. Der Rest kommt aus dem Ausland – ein Markt, den das Analysehaus Prohibition Partners auf rund 997 Millionen Dollar taxiert.

Ein deutscher Milliardenmarkt also, dessen Wertschöpfung fast vollständig an ausländischen Produzenten hängt. Wer über Industriepolitik spricht, sollte diese Fußnote im Hinterkopf behalten.

Der Innenminister wird deutlich

Die Reform stammt noch aus der Regierungszeit von Olaf Scholz. Erwachsene dürfen Cannabis besitzen und privat anbauen, parallel wurde der Zugang zu medizinischem Cannabis massiv erleichtert. In der heutigen Koalition aus Union und SPD sorgt genau das für Zündstoff.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat das Cannabisgesetz Medienberichten zufolge als "a real piece of shit law" bezeichnet und ihm vorgeworfen, Prävention und Strafverfolgung geschwächt zu haben. Familienministerin Karin Prien (CDU) fordert mehr Suchtprävention für Kinder und Jugendliche.

Das Bundesgesundheitsministerium unter Nina Warken (CDU) hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Zugang zu medizinischem Cannabis erschweren und den Freizeitkonsum eindämmen soll. Medienberichten zufolge sollen dabei auch Onlineverschreibung und Versandhandel mit Cannabisblüten fallen. Die SPD lehnt die Verschärfungen ab. Im Herbst soll der Bundestag entscheiden.

Was die Zahlen wirklich sagen

Die Hamburger Forscher liefern einen zwiespältigen Befund. Cannabisbezogene Straftaten gingen laut den ausgewerteten Daten um zwei Drittel zurück, der Konsum blieb aber weitgehend stabil. Studienleiter Jakob Manthey fasst es so zusammen:

"the illegal market is shrinking although overall consumption has barely changed"

Zugleich registrierten die Wissenschaftler mehr Krankenhausaufenthalte im Zusammenhang mit Cannabis – unter anderem, so ihre Erklärung, wegen höherer THC-Konzentrationen. Und mehr als die Hälfte der Konsumenten bezieht den Stoff weiterhin ohne ärztliches Rezept.

Die Ökonomin Anna Bindler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hält Prävention und Aufklärung deshalb für wirksamer als eine Rückkehr zum Verbot.

Ein Lehrstück über Politik ohne Plan

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein bekanntes Muster: Ein Gesetz wird gegen erhebliche Warnungen durchgedrückt, die Folgen zeigen sich Jahre später – und dann streitet die nächste Koalition über die Reparatur der Reparatur.

Für viele Bürger dürfte die entscheidende Frage weder ideologisch noch symbolisch sein, sondern schlicht praktisch: Schützt dieser Staat Kinder und Jugendliche wirksam vor Sucht? Der Herbst im Bundestag wird zeigen, ob die Große Koalition darauf eine gemeinsame Antwort findet – oder ob sie sich, wie so oft, im Kompromiss verliert.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechts- oder Gesundheitsberatung dar.

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