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19.04.2026
17:47 Uhr

Bulgarien vor politischem Erdbeben: Russlandfreundlicher Ex-General auf dem Weg zur Macht

Bulgarien vor politischem Erdbeben: Russlandfreundlicher Ex-General auf dem Weg zur Macht

Die politische Landkarte Europas könnte sich erneut verschieben – und diesmal ist es das ärmste EU-Mitglied, das für Unruhe sorgt. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich nach ersten Prognosen ein erdrutschartiger Sieg für das Bündnis „Progressives Bulgarien" des ehemaligen Staatspräsidenten Rumen Radew ab. Der 61-jährige Ex-General, dem enge Verbindungen nach Moskau nachgesagt werden, könnte mit rund 39 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft im Parlament werden.

Ein Land im Dauerkrisenmodus

Die Neuwahl war notwendig geworden, nachdem die prowestliche Koalitionsregierung unter Führung des konservativen Bündnisses Gerb-SDS im Dezember 2025 nach Massenprotesten zurückgetreten war. Ausgerechnet die proeuropäische liberal-konservative Partei PP-DB hatte damals zu den Demonstrationen aufgerufen, die letztlich den Sturz der Regierung herbeiführten. Ein Treppenwitz der Geschichte: Denn nun droht ausgerechnet jene Kraft an die Macht zu kommen, die der EU-Linie am fernsten steht.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während Radews Bündnis bei knapp 39 Prozent liegt, kommt die bisherige Regierungspartei Gerb-SDS auf bestenfalls 16,2 Prozent. Die proeuropäische PP-DB erreicht maximal 14,3 Prozent. Ob es für eine absolute Mehrheit reicht, blieb zunächst offen – doch allein die Dimension des Vorsprungs dürfte in Brüssel für nervöses Räuspern sorgen.

Korruption als Dauerbrenner

Man muss fairerweise anerkennen: Radew hat im Wahlkampf nicht primär mit außenpolitischer Provokation gepunktet, sondern mit einem Thema, das die Bulgaren seit Jahrzehnten umtreibt – der allgegenwärtigen Korruption. Bulgarien teilt sich mit Ungarn den unrühmlichen letzten Platz unter den EU-Staaten im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International 2025, auf Rang 84 weltweit. Dass ein Politiker verspricht, diesem Sumpf endlich den Kampf anzusagen, verfängt bei einer Bevölkerung, die seit dem EU-Beitritt 2007 auf den versprochenen Wohlstand wartet.

Vor allem junge Bulgaren gingen in den vergangenen Monaten immer wieder auf die Straße. Sie sind es leid, in einem Land zu leben, das trotz EU-Mitgliedschaft von Vetternwirtschaft und Oligarchenstrukturen durchzogen ist. Dass ausgerechnet ein ehemaliger General und Staatspräsident als Heilsbringer gilt, mag paradox erscheinen – doch es zeigt vor allem, wie tief das Misstrauen gegenüber dem bisherigen politischen Establishment sitzt.

Der Euro-Streit als Katalysator

Besondere Aufmerksamkeit hatte Radew zuletzt auf sich gezogen, als er versuchte, den Euro-Beitritt Bulgariens zu torpedieren. Mit einer geschickt orchestrierten Kampagne schürte er die Angst vor Preissteigerungen und forderte ein Referendum über den Währungswechsel – das Verfassungsgericht lehnte dies ab. Laut Umfragen waren im Dezember 2025 mehr als die Hälfte der Bulgaren gegen die Euro-Einführung. Inzwischen habe sich die Stimmung zwar gedreht, und eine knappe Mehrheit befürworte mittlerweile den Beitritt zur Eurozone, nachdem sich die befürchteten Teuerungseffekte als marginal erwiesen hätten.

Doch wer glaubt, dass diese Entspannung von Dauer sein wird, könnte sich täuschen. Mit einem Premierminister Radew an der Spitze dürfte die Euro-Debatte schnell wieder aufflammen. Und man muss sich die Frage stellen: Ist es wirklich im Interesse der Eurozone, ein Land aufzunehmen, dessen politische Führung den gemeinsamen Währungsraum als Bedrohung darstellt?

Moskaus langer Schatten über Sofia

Radew selbst weist den Vorwurf der Russlandnähe von sich. Gegenüber dem bulgarischen Sender bTV erklärte er kürzlich, er vertrete „ausschließlich pro-bulgarische Positionen" und sei keineswegs prorussisch. Doch seine Aussagen und Handlungen zeichnen ein anderes Bild. Der ehemalige Militär sieht die Ukraine-Politik der EU skeptisch, lehnte sowohl Waffenlieferungen als auch finanzielle Unterstützung für Kiew mehrfach öffentlich ab und deutete an, dass er russische Ölimporte gerne wieder aufnehmen würde.

Besonders brisant ist seine Aussage, Bulgarien könne „ein sehr wichtiges Bindeglied" sein, „um die Beziehungen zu Russland wiederherzustellen". Es sei „unmöglich, langfristige Sicherheit einzig auf Konfrontation aufzubauen", so Radew. Damit positioniert er sich in der Nähe des ungarischen Kurses – mit dem feinen Unterschied, dass er rhetorisch geschickter vorgeht als es Viktor Orbán je tat.

Ein zweites Ungarn für die EU?

Auch wenn Bulgarien mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern deutlich kleiner ist als Ungarn, verfügt das Land über dasselbe machtvolle Instrument: das Vetorecht im Europäischen Rat. Sollte Radew tatsächlich eine Regierung bilden können, droht der EU ein zweiter Störfaktor bei Sanktionsentscheidungen gegen Russland, bei Ukraine-Hilfen und bei der gemeinsamen Außenpolitik. Zuletzt hatte Radew zwar signalisiert, er wolle EU-Hilfen für die Ukraine nicht aktiv blockieren, sondern sich lediglich nicht daran beteiligen – eine Linie, die dem neuen ungarischen Regierungschef Peter Magyar ähnelt.

Doch Versprechen vor der Wahl und Handlungen nach der Wahl sind bekanntlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Energieabhängigkeit Bulgariens von Russland bleibt ein heikles Thema. Rund zwei Drittel des im Land getankten Treibstoffs stammen aus einer ehemaligen Lukoil-Raffinerie, die Ende 2024 verstaatlicht wurde, um US-Sanktionen zu umgehen. Offiziell werde dort nur noch Rohöl aus Kasachstan und dem Persischen Golf verarbeitet – ob über Umwege dennoch russisches Öl fließe, lasse sich nicht nachvollziehen.

Ein Symptom, kein Einzelfall

Was in Bulgarien geschieht, ist kein isoliertes Phänomen. Es reiht sich ein in eine europaweite Entwicklung, bei der Bürger das Vertrauen in die etablierten prowestlichen Eliten verlieren. Die Gründe sind überall ähnlich: grassierende Korruption, steigende Lebenshaltungskosten, eine als bürgerfern empfundene EU-Politik und das Gefühl, dass die eigenen Interessen auf dem Altar geopolitischer Großmachtspiele geopfert werden.

Über 25 Prozent der Sitze im Europäischen Parlament werden mittlerweile von rechtskonservativen und konservativen Parteien besetzt – ein Trend, der sich bei nationalen Wahlen fortsetzt. Die Menschen in Europa haben genug von ideologiegetriebener Politik und sehnen sich nach Pragmatismus und der Vertretung nationaler Interessen. Dass dies in Brüssel reflexartig als „populistisch" oder „russlandfreundlich" abgestempelt wird, zeigt nur, wie weit sich die EU-Institutionen von den Sorgen ihrer Bürger entfernt haben.

Ob Radew am Ende tatsächlich eine absolute Mehrheit erreicht und welche politischen Projekte er umsetzen kann, hängt von der endgültigen Zusammensetzung des Parlaments ab. Eines steht jedoch fest: Bulgarien hat gewählt – und die Botschaft an Brüssel könnte kaum deutlicher sein.

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