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21.01.2026
18:38 Uhr

Buhrufe und Pfiffe: Kanzler Merz erlebt auf der Grünen Woche sein blaues Wunder

Buhrufe und Pfiffe: Kanzler Merz erlebt auf der Grünen Woche sein blaues Wunder

Was für ein Empfang für den Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland! Bundeskanzler Friedrich Merz musste bei seinem offiziellen Auftritt auf der 90. Internationalen Grünen Woche in Berlin erleben, wie tief der Graben zwischen der politischen Elite und dem Volk mittlerweile geworden ist. „Scheiß CDU" und „Der Spreewald ist blau" – so hallte es dem Kanzler entgegen, wie Videos auf der Plattform X dokumentieren.

Ein Kanzler ohne Draht zum Volk?

Die Szenen aus Berlin sprechen Bände. Während die offiziellen Kameras einen weitgehend ruhigen Rundgang zeigen, bei dem neugierige Besucher dem Kanzler zulächeln, offenbaren die Aufnahmen aus den sozialen Medien eine ganz andere Realität. Ein Blogger beschreibt Merz' Auftritt als „volksfern" – der Kanzler habe „keinen Blick übrig für die Verbraucher". Eine Beobachtung, die angesichts der aktuellen Umfragewerte des Regierungschefs kaum überraschen dürfte.

Die Parallelen zu seinem Parteikollegen Kai Wegner sind dabei unübersehbar. Auch der Berliner Regierende Bürgermeister musste kürzlich bei einem Bürgerdialog erfahren, dass die Geduld vieler Bürger am Ende ist. Nicht pöbelnd, aber frustriert und besorgt – so lässt sich die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung wohl am treffendsten beschreiben.

Déjà-vu: Schon 2024 gab es Buhrufe

Der öffentliche Unmut gegen Merz auf der Grünen Woche ist keineswegs ein neues Phänomen. Bereits 2024, noch als Oppositionsführer, wurde er bei seinem Auftritt ausgebuht – damals im Zusammenhang mit seiner als zu industriefreundlich wahrgenommenen Energiepolitik. Dass sich die Situation nach seinem Amtsantritt als Kanzler nicht gebessert, sondern offenbar verschärft hat, sollte der Bundesregierung zu denken geben.

Die Internationale Grüne Woche, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, gilt als einer der wichtigsten politischen Treffpunkte für agrar- und klimapolitische Themen. Dass ausgerechnet hier, wo traditionell konservative Wähler aus dem ländlichen Raum zusammenkommen, der CDU-Kanzler derart angefeindet wird, ist ein alarmierendes Signal.

Gewerkschaften mobilisieren zum Großprotest

Doch die Buhrufe auf der Grünen Woche könnten nur ein Vorgeschmack sein auf das, was der Bundesregierung noch bevorsteht. In Gewerkschaftskreisen wird bereits über Massen- und Großdemonstrationen beraten, sollte die Regierung an ihren geplanten Reformen im Arbeits- und Sozialrecht festhalten. DGB-Chefin Yasmin Fahimi ließ gegenüber der Bild-Zeitung keinen Zweifel daran, dass man „großes Potenzial" sehe, „den Protest auf die Straße zu bringen".

Die politische Auseinandersetzung um den Kanzler verlagert sich damit zunehmend auf die Straße – ein Szenario, das an die turbulenten Zeiten der Ampel-Regierung erinnert. Nur dass diesmal nicht Grüne und SPD im Kreuzfeuer stehen, sondern ausgerechnet jene Partei, die einst als Garant für bürgerliche Stabilität galt.

Umfragewerte im Keller

Die persönliche Popularität des Kanzlers bewegt sich im Vergleich zu seinen Vorgängern im unteren Bereich. Signifikante Anteile der Bevölkerung beurteilen seine Amtsführung kritisch – und das, obwohl Merz mit dem Versprechen angetreten war, Deutschland wieder auf Kurs zu bringen. Stattdessen sehen viele Bürger ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket, das kommende Generationen belasten wird, und eine Politik, die ihre Wahlversprechen bereits nach wenigen Monaten gebrochen hat.

Die Rufe „Der Spreewald ist blau" auf der Grünen Woche sind dabei mehr als nur ein Zwischenruf – sie sind ein Symptom für die wachsende Entfremdung zwischen der etablierten Politik und jenen Bürgern, die sich von keiner der großen Parteien mehr vertreten fühlen.

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