
Brandmauer-Streit im BSW: Abgeordnete geht, ihr Mandat behÀlt sie!

Neuer Riss im BĂŒndnis Sahra Wagenknecht: Die sĂ€chsische Landtagsabgeordnete Doreen Voigt hat die BSW-Fraktion in Dresden verlassen. Als Grund nennt die Leipzigerin die aus ihrer Sicht fehlende Abgrenzung ihrer bisherigen Fraktion zur AfD. Ihren Sitz im Landtag gibt sie trotzdem nicht auf. Sie will ihn bis zum Ende der Legislaturperiode 2029 als Fraktionslose behalten.
âAngetreten, um die AfD zu verhindernâ
Voigt macht aus ihrem Beweggrund kein Geheimnis. GegenĂŒber Medien sagte sie:
âIch bin angetreten, um die AfD zu verhindern.â
Wie berichtet wird, sei es ihr schwergefallen, im Parlament gemeinsam mit der AfD abzustimmen. Das BSW habe sich zwar zuletzt von der Partei distanziert, das reiche ihr aber nicht. Offenbar hat sie auch vom Politikbetrieb insgesamt genug: Parteiarbeit habe sie sich anders vorgestellt. Nach 2029 wolle sie in ihren normalen Alltag zurĂŒckkehren.
Ein pikantes Detail am Rande: Mitglied des BSW war Voigt nie. Die frĂŒhere SozialpĂ€dagogin zog 2024 ĂŒber die Landesliste der Partei in den Landtag ein und schloss sich als Parteilose der Fraktion an. Ihren Austritt habe sie Berichten zufolge bereits zum 7. September erklĂ€rt, danach habe es noch GesprĂ€che gegeben.
Fraktionsspitze kontert scharf
In der BSW-Fraktion zeigt man wenig VerstĂ€ndnis. Fraktionschef Ronny Kupke betonte, die Haltung zur AfD habe sich nie verĂ€ndert. Sie sei ein politischer Konkurrent wie jede andere Partei im Parlament auch. Gezeigt habe sich lediglich, dass die Strategie der anderen Parteien gegenĂŒber der AfD gescheitert sei.
Als Beleg verwies Kupke auf das Nachbarland: Bei einem AfD-Ergebnis von rund 44 Prozent mĂŒsse man den Umgang mit der Partei ĂŒberdenken. TatsĂ€chlich hatte die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September laut dem amtlichen Endergebnis 43,8 Prozent geholt, die CDU kam nur noch auf 17,2 Prozent.
Auch die frĂŒhere BSW-Landeschefin Sabine Zimmermann, die Voigt vor der Wahl 2024 angeworben hatte, reagierte verĂ€rgert. Voigt habe den inhaltlichen Umgang mit der AfD selbst mitgetragen und dem politischen Druck wohl nicht standhalten können. Kupke und Zimmermann fordern die Abgeordnete auf, ihr Mandat zurĂŒckzugeben.
GewÀhlt mit fremden Stimmen
Genau hier liegt der Kern des Ărgers. Die WĂ€hler haben 2024 das BSW gewĂ€hlt, nicht die Privatperson Doreen Voigt. Rechtlich ist ihr Schritt zulĂ€ssig, denn das freie Mandat bindet Abgeordnete nicht an eine Fraktion. Politisch wirkt es fĂŒr viele Beobachter dennoch fragwĂŒrdig, ein ĂŒber eine Parteiliste gewonnenes Mandat mitzunehmen und gleichzeitig der Partei den RĂŒcken zu kehren.
Bemerkenswert ist auch, wie offen Voigt ihr PolitikverstĂ€ndnis beschreibt. Wer seine Kandidatur vor allem damit begrĂŒndet, einen Konkurrenten zu âverhindernâ, macht in erster Linie Politik gegen jemanden. Die BĂŒrger dĂŒrften sich eher Antworten auf Wirtschaft, Energiepreise und Sicherheit wĂŒnschen.
Das BSW bröckelt im Osten
FĂŒr das BSW kommt der Abgang zur Unzeit. Die Fraktion schrumpft auf 14 Sitze, bleibt aber nach CDU und AfD drittstĂ€rkste Kraft im Landtag. Das hat Gewicht, denn Michael Kretschmers Koalition aus CDU und SPD regiert in Dresden ohne eigene Mehrheit und ist bei jeder Abstimmung auf fremde Stimmen angewiesen.
In ThĂŒringen ist die Lage noch dramatischer. Dort hatte sich Anfang September die BSW-Landtagsfraktion aufgelöst. Landeschefin Katja Wolf und mehrere Mitstreiter verlieĂen sie nach einem offenen Streit mit ParteigrĂŒnderin Sahra Wagenknecht und grĂŒndeten die neue Partei âThĂŒringen gerechtâ.
Fest steht: Die sogenannte Brandmauer spaltet nicht nur die etablierten Parteien, sondern inzwischen auch jene, die einst als Alternative zum Establishment angetreten waren. Bei Ergebnissen von ĂŒber 40 Prozent fĂŒr die AfD in Ostdeutschland hĂ€lt sie mancher fĂŒr zukunftsfĂ€hig. Andere halten sie fĂŒr einen Kurs, der an der RealitĂ€t der WĂ€hler vorbeigeht.

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