
BaFin pfeift Unicredit zurück: Wie weit darf Werbung im Übernahmekampf gehen?

Im erbitterten Ringen um die Commerzbank zieht die deutsche Finanzaufsicht jetzt eine rote Linie. Die BaFin hat der italienischen Großbank Unicredit untersagt, weiterhin in unsachlicher und reißerischer Manier gegen das Frankfurter Geldhaus zu schießen. Was zunächst wie ein juristisches Geplänkel klingt, offenbart in Wahrheit die Härte, mit der hier um eines der letzten Schwergewichte des deutschen Bankensektors gekämpft wird.
Wenn Werbung zur Waffe wird
Auslöser des regulatorischen Eingreifens war eine Reihe von Online-Anzeigen, die Unicredit über soziale Netzwerke verbreitet hatte. Darin wurde die Commerzbank als „vernachlässigt", „unsicher" und „kurzfristig orientiert" dargestellt – dem gegenüber stellte das Mailänder Institut ein vermeintlich rosiges Bild einer Commerzbank unter eigener Führung: „stark", „wettbewerbsfähig", „führender Anbieter". Subtil ist anders. Die Botschaft war eindeutig: Wer der italienischen Übernahme im Wege steht, schadet dem Frankfurter Traditionshaus.
Die BaFin sah in dieser Inszenierung einen klaren Verstoß gegen das Wertpapierübernahmegesetz, das während laufender Akquisitionen genau solche Mutmaßungen und Suggestionen untersagt. Sollte Unicredit den Anweisungen der Aufsichtsbehörde nicht folgen, droht ein Bußgeld. Auch die Aussagen von Konzernchef Andrea Orcel, der in einer Telefonkonferenz das Geschäftsmodell der Commerzbank grundsätzlich attackiert hatte, wurden von der BaFin gerügt. Unsachliche Äußerungen, irreführende Analysen und Werbung, die mehr auf Suggestion als auf Substanz setze, hätten in einem Übernahmeverfahren nichts verloren.
Die italienische Verteidigungslinie
Unicredit selbst räumte eine „zweideutige Formulierung" ein, schob die Schuld jedoch teils auf eine missglückte Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Gleichzeitig holte ein Sprecher zum Gegenschlag aus: Die Rhetorik der Übernahmegegner sei von Beginn an „überzogen, übermäßig aggressiv und stark personalisiert" gewesen. Man wünsche sich eine Mäßigung der Töne, damit alle Beteiligten sich auf das Wesentliche konzentrieren könnten – nämlich die „bestmögliche Zukunft" der Commerzbank. Eine bemerkenswerte Wendung, wenn man bedenkt, wer hier mit zugespitzten Adjektiven die Stimmung anheizte.
Schleichende Übernahme nach italienischem Drehbuch
Die Italiener gehen seit Monaten methodisch vor. Bereits 2024 stiegen sie in großem Stil bei der Commerzbank ein und haben ihren Anteil seither schrittweise ausgebaut. Aktuell verfügt Unicredit über 26,77 Prozent direkter Beteiligung, dazu kommen über Finanzinstrumente weitere 3,22 Prozent – macht zusammen 29,99 Prozent. Genau einen Hauch unter jener magischen 30-Prozent-Schwelle, ab der ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre fällig würde. Mitte März wurde dann ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. Am 4. Mai sollen die Unicredit-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der dafür notwendigen Kapitalerhöhung zustimmen.
Berlin als Bremser – aber wie ernsthaft?
Die Bundesregierung hält über zwölf Prozent an der Commerzbank und ist damit nach Unicredit der zweitgrößte Anteilseigner. Zusammen mit dem Commerzbank-Management lehnt sie eine Übernahme durch die Italiener kategorisch ab. Doch wer die deutsche Wirtschaftspolitik der letzten Jahre verfolgt hat, weiß: Lippenbekenntnisse aus dem Kanzleramt sind das eine, konsequentes Handeln das andere. Dass eine ausländische Bank derart geräuschlos einen Anteil von fast 30 Prozent an einem systemrelevanten deutschen Geldhaus aufbauen konnte, wirft Fragen auf, die in einem Land mit funktionierender industriepolitischer Strategie längst gestellt worden wären.
Während Frankreich seine Banken-Champions mit Klauen und Zähnen verteidigt und Italien selbst keinen Hehl daraus macht, dass eine Verlegung des Unicredit-Hauptsitzes nach Frankfurt für Rom undenkbar wäre, beobachtet Deutschland staunend, wie eine seiner letzten großen Privatbanken ins Visier genommen wird. Das Schauspiel könnte exemplarisch dafür stehen, wie wenig Standortbewusstsein die hiesige Politik in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Was bleibt für den Anleger?
Der Übernahmekampf um die Commerzbank zeigt einmal mehr die Verwundbarkeit von Papierwerten und unternehmerischen Beteiligungen, die durch politische und marktwirtschaftliche Großwetterlagen jederzeit umgekrempelt werden können. Wer heute Aktionär eines deutschen Traditionsunternehmens ist, kann morgen mit gänzlich neuen Eigentumsverhältnissen aufwachen – oft, ohne dass der Kleinanleger nennenswerten Einfluss nehmen kann. Wer sein Vermögen langfristig absichern möchte, sollte die Vorzüge physischer Edelmetalle wie Gold und Silber nicht aus den Augen verlieren. Sie unterliegen weder feindlichen Übernahmen noch werblichen Suggestivkampagnen, sondern bewahren ihren Wert seit Jahrtausenden – unabhängig davon, welche Bank gerade welche andere schluckt.
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