
Ausverkauf der Heimat: Australischer Investor kontrolliert 20.000 Hektar deutsches Ackerland
Was einst den Bauern gehörte, wandert still und leise in die Hände internationaler Finanzjongleure. Die Übernahme der Deutschen Agrar Holding durch den australischen Investor Igneo Infrastructure Partners im Jahr 2023 schlägt weiterhin hohe Wellen – und nun meldet sich sogar Brüssel zu Wort. Rund 20.000 Hektar ostdeutscher Ackerboden werden seither von Down Under aus kontrolliert. Ein Skandal, der die Frage aufwirft: Wem gehört eigentlich noch Deutschland?
Das perfide Spiel mit den Share Deals
Der Thüringer Landwirt Reiko Wöllert von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft bringt es auf den Punkt: Während ehrliche Bauernfamilien kaum noch Land kaufen oder finanzieren können, greifen internationale Investoren nach ganzen Agrarunternehmen. Der Trick dabei ist so simpel wie perfide – sogenannte Share Deals machen es möglich. Nicht die Äcker selbst wechseln den Besitzer, sondern lediglich Unternehmensanteile. Die Behörden schauen tatenlos zu, Grunderwerbsteuer fällt nicht an, und das Beste für die Investoren: Die Betriebe kassieren weiterhin fleißig EU-Agrarsubventionen.
„Der Bund verweist auf die Länder, die Länder hingegen auf fehlende Kompetenzen"
So beschreibt Wöllert das politische Versagen auf allen Ebenen. Ein klassisches Schwarzer-Peter-Spiel, während deutsche Bauern zusehen müssen, wie ihnen die Scholle unter den Füßen weggezogen wird.
EU-Kommissar Hansen schlägt Alarm
Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin fand EU-Agrarkommissar Christophe Hansen deutliche Worte. Fördergelder müssten künftig bei jenen ankommen, „die auf dem Acker stehen" – nicht bei Großinvestoren oder reinen Landbesitzern. Mit Blick auf Ostdeutschland wurde Hansen unmissverständlich:
„Der Großinvestor aus Australien, der in Ostdeutschland Tausende Hektar kauft, soll kein Geld bekommen."
Eine Ansage, die längst überfällig war. Denn die Zahlen sprechen eine erschreckende Sprache: Allein 2019 flossen rund 5,36 Millionen Euro an EU-Direktzahlungen an die Deutsche Agrar Holding. Das System der Gemeinsamen Agrarpolitik belohnt schlicht die Größe – wer mehr Land hat, bekommt mehr Geld. Ob der Betrieb einer deutschen Familie gehört oder einem Hedgefonds am anderen Ende der Welt, spielt keine Rolle.
Das Erbe der DDR wird verscherbelt
Die Wurzeln des Problems reichen tief in die Geschichte zurück. In Ostdeutschland sind viele Betriebe historisch bedingt besonders groß – ein Erbe der DDR-Landwirtschaftspolitik mit ihren Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Nach der Wende wurden diese Strukturen privatisiert, oft unter fragwürdigen Umständen. Heute können ganze Agrarunternehmen verkauft werden, ohne dass einzelne Ackerflächen formal den Besitzer wechseln. Ein Schlupfloch, das internationale Investoren gnadenlos ausnutzen.
Die Deutsche Agrar Holding mit Sitz in Oranienburg, Brandenburg, ist mit mehr als 36 Tochterfirmen die größte Agrar-Holding Deutschlands. Die Flächen bleiben zwar in Bewirtschaftung, die Betriebe bestehen weiter – doch Kontrolle und Entscheidungen liegen nun außerhalb der Region, ja sogar außerhalb Europas.
Die Gegendarstellung der DAH
Die DAH weist die Vorwürfe zurück. Geschäftsführer Christian Heck betont, das Unternehmen besitze kaum eigene Flächen, sondern pachte sie fast ausschließlich. Die Eigentümer seien weiterhin Menschen aus den Gemeinden vor Ort. Zudem schaffe die DAH Arbeitsplätze und spiele eine wichtige Rolle in der Biogasproduktion.
Doch diese Argumentation greift zu kurz. Kritiker halten dagegen, dass auch langfristige Pachtverträge den Bodenmarkt massiv beeinflussen. Große Betriebe mit sicheren EU-Zahlungen können höhere Pachten zahlen als kleinere Höfe. Für junge Landwirte oder Familienbetriebe wird es dadurch immer schwieriger, überhaupt an Flächen zu kommen.
Die bittere Realität für deutsche Bauern
Der Boden ist knapp, die Preise steigen seit Jahren unaufhörlich. Viele Landwirte berichten, dass sie bei Ausschreibungen kaum noch gegen große Unternehmen oder internationale Investoren bestehen können. Die EU-Förderung verstärkt diese Strukturen zusätzlich, weil sie große Flächen noch attraktiver macht. Ein Teufelskreis, der die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland systematisch zerstört.
Ob Hansens Vorstoß zu einer echten Reform führt, bleibt abzuwarten. Noch ist völlig unklar, wie die EU künftig zwischen aktiven Landwirten und Investoren unterscheiden will. Die Merz-Regierung jedenfalls scheint das Thema bisher sträflich zu vernachlässigen – ein weiteres Beispiel dafür, wie deutsche Interessen auf dem Altar der Globalisierung geopfert werden.
Es ist höchste Zeit, dass die Politik handelt und den Ausverkauf deutscher Agrarflächen stoppt. Denn wer den Boden verliert, verliert am Ende auch die Kontrolle über die eigene Ernährungssicherheit. Eine Lektion, die gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten von existenzieller Bedeutung ist.

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