
Aufstand der Genossen: SPD-Basis in Hessen zerlegt Bas und Klingbeil in offenem Brief

Es rumort in der Ă€ltesten Partei Deutschlands â und diesmal nicht hinter verschlossenen TĂŒren, sondern in aller Ăffentlichkeit. Sieben Arbeitsgemeinschaften der hessischen SPD haben sich zusammengetan und einen offenen Brief an die Bundestagsfraktion sowie den Parteivorstand geschickt. Adressiert an die Spitze, gemeint sind vor allem zwei Namen: Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas und Finanzminister Lars Klingbeil. Der Ton ist bemerkenswert â fĂŒr sozialdemokratische VerhĂ€ltnisse fast schon revolutionĂ€r.
«Wir sind es leid» â der Frust hat ein Ventil gefunden
Mit «grosser Sorge und deutlicher EnttĂ€uschung» blicke man auf die beschlossenen und angekĂŒndigten KĂŒrzungen in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Familie und Arbeit, heisst es in dem Schreiben, ĂŒber das die «Welt» berichtete. Man halte diesen Sparkurs fĂŒr politisch falsch. Die Einschnitte schadeten nicht nur den Betroffenen, sondern auch der GlaubwĂŒrdigkeit der eigenen Partei â und trieben WĂ€hler in die Arme jener Parteien, die man im Berliner Politjargon gerne als «populistisch» oder «rechtsextrem» abstempelt.
«Wir sind es leid, Sozialabbau verteidigen zu mĂŒssen, wĂ€hrend wir kommunal tĂ€glich fĂŒr soziale Gerechtigkeit kĂ€mpfen!»
Ein Satz, der sitzt. Und der vor allem eines offenlegt: Zwischen der Berliner Blase und den Genossen im Stadtrat von Offenbach oder Kassel liegen inzwischen politische Lichtjahre. Die Kommunalpolitiker sind es, die den BĂŒrgern erklĂ€ren mĂŒssen, warum das Schwimmbad schliesst, die Kita-GebĂŒhren steigen und der Sozialdienst gestrichen wird. Der Bundesvorstand hingegen prĂ€sentiert sich auf Parteitagen als Anwalt der kleinen Leute.
Die Ausrede zieht nicht mehr
Besonders pikant: Die Unterzeichner lassen die Standardausrede der ParteifĂŒhrung nicht mehr gelten â jene Behauptung, man habe in der Koalition mit Friedrich Merz doch immerhin «die schlimmsten Vorhaben der CDU verhindert». Diese Nummer, so lĂ€sst sich der Brief zusammenfassen, sei durchschaut. Die SPD mĂŒsse den Mut haben, Zukunft zu gestalten, statt lediglich den Sozialabbau zu verwalten.
Unterschrieben haben Vertreter der Jusos, der SPD-Frauen, der Arbeitsgemeinschaft 60 plus, der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen, der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Arbeit, der Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv sowie der SPD Queer Hessen. Der hessische Juso-Chef Lukas Schneider erklĂ€rte gegenĂŒber dem «Tagesspiegel», der Frust bei Mitgliedern und StammwĂ€hlern ĂŒber die Parteispitze sei riesengross.
Die eigentliche Frage stellt niemand
Und doch: So laut das Wehklagen, so bemerkenswert ist, was in diesem Brief mit keiner Silbe vorkommt. NĂ€mlich die Frage, warum die Sozialkassen dieses Landes ĂŒberhaupt leer sind. Wer ĂŒber Jahrzehnte ein Sozialsystem betreibt, das auf dem Prinzip beruht, dass Einzahler und EmpfĂ€nger in einem halbwegs vernĂŒnftigen VerhĂ€ltnis zueinander stehen, und dieses VerhĂ€ltnis dann politisch demontiert, der darf sich ĂŒber den Kassenstand nicht wundern.
Gesundheit, Bildung, Rente â ĂŒberall dasselbe Bild: Systeme, die einst als Vorbild galten, knirschen unter einer Last, die ihnen politisch aufgebĂŒrdet wurde. Die GrĂŒnen haben in der zerbrochenen Ampel die industrielle Basis dieses Landes mit Energiepreis-Experimenten und Verbotsfantasien zusĂ€tzlich ruiniert. Und wer zahlt Sozialleistungen, wenn die Wertschöpfung abwandert? Genau. Niemand.
Umverteilung eines schrumpfenden Kuchens
Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil hat sich nun 500 Milliarden Euro Sondervermögen genehmigt, die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 ins Grundgesetz geschrieben â und kĂŒrzt gleichzeitig im Sozialen. Ein Kanzler, der versprach, keine neuen Schulden zu machen. Ein Finanzminister, dessen eigene Basis ihm nun schriftlich mitteilt, dass sie sein Handeln fĂŒr falsch hĂ€lt. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen: Diese Konstruktion wird nicht ewig halten.
FĂŒr den BĂŒrger bleibt die bittere Erkenntnis, dass er in beiden FĂ€llen zahlt â ĂŒber Steuern, Abgaben und ĂŒber die Inflation, jene stille Enteignung, die keine Wahl gewinnt und keinen Parteitagsbeschluss braucht. Wer Vermögen bewahren möchte, sollte sich nicht darauf verlassen, dass Berlin es fĂŒr ihn tut. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie unabhĂ€ngig von politischen Kurswechseln und Sparprogrammen Substanz behalten â als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Die Genossen in Hessen haben ihren Unmut immerhin formuliert. Ein grosser Teil der BĂŒrger dieses Landes hat den Frust lĂ€ngst â und wartet nicht mehr auf offene Briefe, sondern auf Politiker, die endlich wieder fĂŒr Deutschland regieren statt gegen dieses Land.
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