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19.01.2026
17:52 Uhr

Arktis-Poker: Dänemark und Grönland wollen Nato als Schutzschild gegen Trumps Expansionsgelüste

Arktis-Poker: Dänemark und Grönland wollen Nato als Schutzschild gegen Trumps Expansionsgelüste

Die diplomatischen Schachzüge im hohen Norden nehmen an Fahrt auf. Während US-Präsident Donald Trump weiterhin unverhohlen mit der Übernahme Grönlands liebäugelt und militärische Optionen demonstrativ nicht ausschließt, formiert sich in Kopenhagen und Nuuk eine Gegenstrategie. Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen hat nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte einen bemerkenswerten Vorschlag unterbreitet: Eine permanente Nato-Mission für die strategisch bedeutsame Arktis-Insel.

Kopenhagen sucht Rückendeckung beim Bündnis

„Wir haben dies vorgeschlagen, und der Nato-Generalsekretär hat es ebenfalls zur Kenntnis genommen", erklärte Poulsen gegenüber der dänischen Zeitung Berlingske. Dass auch Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt an den Gesprächen teilnahm, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Anliegens. Die autonome Insel, die formal noch zum dänischen Königreich gehört, scheint sich ihrer prekären Lage durchaus bewusst zu sein.

Bereits in den vergangenen Tagen trafen Soldaten aus mehreren Nato-Staaten auf Grönland ein, um an gemeinsamen Übungen teilzunehmen. Was offiziell als dänisch geleitete Militärübung deklariert wird, dürfte in Washington aufmerksam registriert werden. Die Botschaft ist unmissverständlich: Grönland ist kein herrenloses Territorium, das man sich einfach einverleiben kann.

Trump bleibt bei seiner aggressiven Rhetorik

Der amerikanische Präsident zeigt sich von den europäischen Manövern wenig beeindruckt. Auf die direkte Frage des Senders NBC, ob er zur Übernahme Grönlands auch Gewalt anwenden würde, antwortete Trump mit einem vielsagenden „Kein Kommentar". Eine solche Nicht-Antwort aus dem Munde des mächtigsten Mannes der westlichen Welt ist mehr als beunruhigend – sie ist eine kaum verhüllte Drohung.

Stattdessen versuchte Trump, die Europäer in die Defensive zu drängen: „Europa sollte sich auf den Krieg mit Russland und der Ukraine konzentrieren", belehrte er seine transatlantischen Partner. „Darauf sollte sich Europa konzentrieren – nicht auf Grönland." Eine bemerkenswerte Aussage, bedenkt man, dass es Trump selbst ist, der den Grönland-Streit vom Zaun gebrochen hat.

Strafzölle als Druckmittel

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, griff der US-Präsident zu seinem bewährten Instrument: Handelssanktionen. Am Samstag kündigte er Strafzölle gegen acht europäische Länder an, darunter auch Deutschland. Ab dem 1. Februar sollen zehn Prozent zusätzliche Abgaben auf europäische Importe fällig werden, ab Juni sogar 25 Prozent.

Diese Eskalation zeigt einmal mehr, wie Trump internationale Beziehungen versteht: als Nullsummenspiel, bei dem nur der Stärkere gewinnt. Dass er dabei langjährige Verbündete vor den Kopf stößt und das westliche Bündnis von innen heraus schwächt, scheint ihn nicht zu kümmern.

Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer

Die Situation offenbart ein fundamentales Problem der aktuellen amerikanischen Außenpolitik. Während Russland und China ihre Einflusssphären systematisch ausweiten, beschäftigt sich Washington mit der Annexion eines Nato-Verbündeten. Man fragt sich unwillkürlich, wem diese Spaltung des Westens letztlich nützt.

Für Deutschland und Europa bleibt nur die bittere Erkenntnis: Die Zeiten, in denen man sich blind auf den amerikanischen Schutzschirm verlassen konnte, sind endgültig vorbei. Es wird höchste Zeit, dass Europa seine Verteidigungsfähigkeit eigenständig stärkt – und zwar nicht nur mit warmen Worten, sondern mit konkreten Taten und Investitionen.

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