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Kettner Edelmetalle
17.02.2026
19:10 Uhr

Amerikas nukleare Renaissance steht vor einem hausgemachten Problem: Der Brennstoff fehlt

Während Präsident Trump mit ambitionierten Exekutivanordnungen die Kernenergie zum Rückgrat der amerikanischen Energieversorgung machen will, zeichnet sich ein Engpass ab, der die gesamte Strategie zu torpedieren droht. Bereits ab 2028 könnte den Vereinigten Staaten schlicht der Brennstoff für ihre Reaktoren ausgehen – ein Szenario, das auf dem 13. jährlichen Advanced Reactors Summit in Seattle für erhebliche Unruhe sorgte.

Weniger als ein Prozent – eine beschämende Bilanz

Die Zahlen sind ernüchternd, ja geradezu erschreckend. Von dem angereicherten Uran, das die 94 kommerziellen Reaktoren der USA jährlich verbrauchen, wird weniger als ein Prozent im eigenen Land produziert – und selbst diese marginale Menge ist ausschließlich für das Pentagon reserviert. Die gesamte zivile Nuklearindustrie der Vereinigten Staaten hängt am Tropf ausländischer Lieferanten, vornehmlich aus Kasachstan und Kanada. Ausgerechnet jenes Land, das die Urananreicherung einst erfunden und über Jahrzehnte dominiert hat, steht heute mit leeren Händen da.

Patrick Brown, Senior Vice President von Centrus Energy, brachte es auf dem Gipfel vor mehr als 400 Branchenvertretern auf den Punkt: Man baue „wirklich von null" auf. Eine Aussage, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Die einstige Supermacht der Nukleartechnologie hat ihre eigene Versorgungskette derart verkommen lassen, dass sie nun in einem verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit steckt.

Das russische Uran-Embargo als Katalysator der Krise

Bis zu fünf Prozent des amerikanischen Reaktorbrennstoffs stammen derzeit noch aus Russland. Doch als Reaktion auf Moskaus Einmarsch in die Ukraine hat der Kongress 2023 ein Importverbot für russisches Uran beschlossen, das am 1. Januar 2028 in Kraft tritt. In einem ohnehin angespannten globalen Markt für Kernbrennstoffe wirkt der Wegfall auch nur eines Lieferanten wie ein Dominostein, der die gesamte Versorgungskette ins Wanken bringt.

Trumps Exekutivanordnungen vom Mai 2025 verschärfen die Lage zusätzlich: Zehn neue Reaktoren sollen bis 2030 genehmigt, die kommerzielle Kernenergieerzeugung bis 2050 vervierfacht werden. Ehrgeizige Ziele, zweifellos. Doch woher soll der Brennstoff kommen? Brown prognostiziert, dass die heimische Produktion die explodierende Nachfrage frühestens Anfang der 2030er Jahre wird bedienen können. Dazwischen klafft eine Lücke, die das gesamte Projekt gefährden könnte.

2,7 Milliarden Dollar – ein zweites Manhattan-Projekt?

Das Energieministerium hat reagiert und Anfang Januar Fördermittel in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar an drei Unternehmen vergeben. Jeweils 900 Millionen Dollar fließen an General Matter in Kentucky, an die Orano Group in Tennessee und an Centrus Energy in Ohio, um Anreicherungsanlagen zu errichten. Die Trump-Administration selbst bezeichnet das Vorhaben als eine Art „zweites Manhattan-Projekt" – ein Vergleich, der die Dringlichkeit unterstreicht, aber auch die Dimension der Herausforderung offenbart.

Brown betonte, dass die Ära der Demonstrationsprojekte vorbei sei. „Wir sind nicht hier, um Wissenschaftsexperimente zu machen", erklärte er unmissverständlich. Man müsse jetzt in die großtechnische kommerzielle Produktion einsteigen. Centrus verfüge bereits über die Lizenz zur Produktion von niedrig angereichertem Uran und hochdosiertem niedrig angereichertem Uran in seiner Anlage in Piketon, Ohio. Dort demonstrieren derzeit 18 Zentrifugen, was künftig Tausende leisten sollen.

Das Henne-Ei-Problem der Nuklearindustrie

Doch selbst Milliarden an Steuergeldern können das fundamentale Dilemma nicht über Nacht lösen. Die Anreicherungsanlagen werden ihre volle Kapazität frühestens Anfang der 2030er Jahre erreichen. Bis dahin droht eine Versorgungslücke, die neue Reaktorprojekte verzögern oder gar verhindern könnte. Brown sprach vom klassischen „Henne-Ei-Problem": Ohne gesicherte Brennstoffversorgung scheuen Energieversorger den Einstieg in die Kernenergie, ohne feste Abnahmeverträge können die Anreicherer ihre Produktion nicht hochfahren.

Das Energieministerium versuche, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem es ein langfristiges „Nachfragesignal" für Investoren und Versorger setze. Die Botschaft sei klar: Baut die Kapazitäten auf, die Nachfrage wird kommen. Doch Brown appellierte eindringlich an die Branche, jetzt Abnahmeverträge zu verhandeln, damit die Produktion tatsächlich hochgefahren werden könne.

Eine Lehre auch für Deutschland

Was sich in den USA abspielt, sollte auch hierzulande aufhorchen lassen. Während Amerika – trotz aller Versäumnisse der Vergangenheit – mit Hochdruck an einer nuklearen Renaissance arbeitet, hat Deutschland seine letzten Kernkraftwerke im April 2023 abgeschaltet. Ein ideologisch motivierter Alleingang, der das Land in eine fatale Abhängigkeit von volatilen erneuerbaren Energien und russischem Gas getrieben hat. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur aufgelegt, doch von einer Rückkehr zur Kernenergie ist keine Rede.

Die amerikanische Erfahrung zeigt zweierlei: Erstens, dass der Wiederaufbau einmal zerstörter industrieller Kapazitäten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauert. Und zweitens, dass energiepolitische Souveränität kein abstraktes Konzept ist, sondern eine Frage der nationalen Sicherheit. Wer seine Energieversorgung in fremde Hände legt – sei es bei Uran, Gas oder seltenen Erden –, macht sich erpressbar. Eine Lektion, die Deutschland offenbar noch immer nicht gelernt hat.

In Zeiten geopolitischer Verwerfungen, eskalierender Konflikte im Nahen Osten und anhaltender Unsicherheit an den Energiemärkten dürfte die Frage der Versorgungssicherheit für viele Anleger einmal mehr die Bedeutung krisenfester Sachwerte unterstreichen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher in turbulenten Zeiten bewährt und können als sinnvolle Ergänzung eines breit diversifizierten Portfolios zur Vermögenssicherung beitragen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.

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