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Kettner Edelmetalle
31.08.2026
13:47 Uhr
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Achtjährige singen von „Nazis“: Kirchenkonzert mit Steuergeld-Beigeschmack

Achtjährige singen von „Nazis“: Kirchenkonzert mit Steuergeld-Beigeschmack
Symbolbild: KI-generiert

In der evangelischen St.-Lamberti-Kirche im niedersächsischen Bergen haben Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ein Lied „gegen rechts“ gesungen – begleitet vom Hamburger Musiker Marlo Grosshardt. Anlass war die Werbung für das „Demokratie-Festival ‚Come Together Bergen‘“ am 5. September. Ein Video des Auftritts verbreitete die Initiative „Südheide Bundt“ am Sonntag auf Instagram.

„Wählen grade wieder Nazis in den Rat“

Gesungen wurde Grosshardts 2024 entstandener Titel „Oma“, der vor der Bundestagswahl 2025 als Protestlied gegen die AfD bekannt wurde. Der Kinderchor „Tiny Wolves“ trug dabei Zeilen vor wie: „Denn wir, wir wählen grade wieder Nazis in den Rat – und sich zu wehren, das ist aktuell sehr hart.“

Die Veranstalter erklärten dazu, das Stück sei für Bergen – bekannt durch die Gedenkstätte Bergen-Belsen – „aktueller als je zuvor“. Auch hier wollten „Mitglieder einer gesichert rechtsextremen Partei im Rathaus Macht übernehmen“, heißt es in dem Instagram-Beitrag. Neutralität, so die Organisatoren weiter, ende beim Verlassen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Zur Einordnung: Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte die AfD im Mai 2025 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, die Einstufung nach einer Klage der Partei jedoch bis zu einer Gerichtsentscheidung ausgesetzt. Juristisch geklärt ist die Frage damit nicht.

Kurz vor der Kommunalwahl – Zufall?

Am 13. September wählt Niedersachsen seine Kommunalparlamente. In landesweiten Umfragen liegt die AfD zuletzt bei rund 20 Prozent. Dass ausgerechnet acht Tage vor der Abstimmung Grundschulkinder in einem Gotteshaus vom Einzug von „Nazis in den Rat“ singen, dürften Kritiker kaum für einen Zufall im Terminkalender halten.

Aus Sicht unserer Redaktion drängt sich eine unbequeme Frage auf: Können Achtjährige überhaupt ermessen, wofür sie da gerade Stimmung machen? Politische Bildung heißt, Kindern das Denken beizubringen – nicht die Parole.

Wer bezahlt das Ganze?

Das beworbene Festival wird laut dem Bericht auch aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ finanziert, das im Ressort von Familienministerin Karin Prien (CDU) angesiedelt ist. Als Träger fungiert unter anderem die „Stiftung niedersächsische Gedenkstätten“ in Celle, die 2025 und 2026 jeweils 374.502 Euro aus diesem Topf erhalten haben soll.

Zum Gesamtvolumen: Medienberichten zufolge stehen für „Demokratie leben!“ in diesem Jahr rund 187 bis 190 Millionen Euro im Bundeshaushalt. Prien plant einen Umbau des Programms – und erntet dafür seit Monaten Protest aus dem Verbändemilieu, das von den Mitteln lebt.

Die Kirche spricht von Zuhören

Die Gemeinde selbst versteht die Einladung als „gemeinschaftliche Aufgabe“; im Zentrum stünden „miteinander reden, einander zuhören, Vielfalt leben“. Bemerkenswert: Der Veranstalter beschreibt das Festival auf der Seite eines SPD-Lokalpolitikers ausdrücklich als „Event gegen Rechts in Bergen“.

Zuhören – aber offenbar nicht allen.

Grosshardt signierte nach dem Konzert Poster und warb für seine im September startende Tour „Bildet Banden“. Für viele Bürger bleibt der schale Nachgeschmack: Kirchenraum, Kinderchor und Steuergeld verschmelzen hier zu einer Kulisse, in der politische Botschaften ohne Widerspruch stehen. Wer Demokratie stärken will, sollte Debatte aushalten – nicht Achtjährige dafür einspannen.

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