
Acht Kinder erschossen: Blutbad in Louisiana offenbart Amerikas tiefe Wunden
Ein Sonntagmorgen in Shreveport, Louisiana. Kurz nach sechs Uhr. Während die meisten Bewohner der drittgrößten Stadt des Bundesstaates noch schlafen, geschieht das Unfassbare: Ein Mann erschießt acht Kinder. Das jüngste Opfer war gerade einmal ein Jahr alt. Das älteste vierzehn. Acht Leben, die kaum begonnen hatten – ausgelöscht in einem Akt, der sprachlos macht.
Ein Tatort des Grauens
Was die Ermittler in jenem Haus im Nordwesten Louisianas vorfanden, dürfte selbst hartgesottene Polizisten an ihre Grenzen gebracht haben. Chris Bordelon von der örtlichen Polizeidienststelle sprach von einem „sehr großen Tatort, an dem mehrere verstorbene Kinder zu sehen sind". Nüchterne Worte für eine Tragödie, die sich jeder Beschreibung entzieht. Vorläufigen Erkenntnissen zufolge handelte es sich um eine häusliche Auseinandersetzung. Der Schütze – ein erwachsener Mann, der offenbar der Vater einiger der getöteten Kinder gewesen sein soll – habe allein gehandelt. Zwei weitere Personen seien verletzt worden.
Nach der Tat ergriff der Tatverdächtige die Flucht. Es folgte eine Verfolgungsjagd, an deren Ende die Polizei den Mann erschoss. Bordelon betonte, dass für die Öffentlichkeit keine Gefahr mehr bestehe. Doch was nützt diese Entwarnung den Familien, die ihre Kinder nie wieder in die Arme schließen werden?
Amerikas Waffenkultur – ein endloser Albtraum
Shreveport liegt unweit der texanischen Grenze, in einer Region, in der Schusswaffen zum Alltag gehören wie anderswo das Taschenmesser. Die Vereinigten Staaten erleben Jahr für Jahr Tausende Schusswaffenvorfälle, bei denen Kinder zu Opfern werden – sei es durch häusliche Gewalt, Unfälle mit ungesicherten Waffen oder gezielte Taten wie diese. Und doch bewegt sich politisch so gut wie nichts. Jeder neue Vorfall löst dieselbe rituelle Betroffenheit aus, gefolgt von denselben Debatten, die im Sande verlaufen.
Man muss kein Gegner des Zweiten Verfassungszusatzes sein, um festzustellen, dass etwas fundamental schiefläuft, wenn ein Vater acht Kinder mit einer Schusswaffe töten kann. Die Frage, wie ein solcher Mensch überhaupt Zugang zu einer Waffe hatte, wird die Ermittler noch beschäftigen. Ob sie jemals befriedigend beantwortet wird, steht auf einem anderen Blatt.
Parallelen zu Deutschland?
Wer nun glaubt, derartige Gewaltexzesse seien ein rein amerikanisches Phänomen, der irrt. Auch in Deutschland erleben wir eine besorgniserregende Zunahme von Gewalttaten – wenn auch mit anderen Tatmitteln. Messerangriffe, Übergriffe im öffentlichen Raum, eine Kriminalitätsstatistik, die seit Jahren nur eine Richtung kennt: nach oben. Die Ursachen mögen unterschiedlich sein, doch das Versagen der Politik, ihre Bürger zu schützen, ist diesseits wie jenseits des Atlantiks ein verbindendes Element. In beiden Ländern scheint die politische Klasse mehr damit beschäftigt zu sein, ideologische Projekte voranzutreiben, als die grundlegendste aller staatlichen Aufgaben zu erfüllen: den Schutz der Schwächsten.
Wenn Kinder sterben, versagt die Gesellschaft
Acht Kinder. Zwischen einem und vierzehn Jahren. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Acht Kinder, die nie erwachsen werden. Die nie zur Schule gehen, nie ihren ersten Job antreten, nie eine eigene Familie gründen werden. Und während die Welt sich weiterdreht, während Nachrichtenticker neue Schlagzeilen produzieren und die Aufmerksamkeit weiterwandert, bleibt in Shreveport eine Leere zurück, die sich nicht füllen lässt.
Die Ermittlungen dauern an. Doch gleich welche Details noch ans Licht kommen werden – an der erschütternden Bilanz dieses Sonntagmorgens wird sich nichts mehr ändern. Amerika hat wieder einmal seine Kinder verloren. Und die Welt schaut zu.
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