
Absturz auf den letzten Platz: Wie Jens Spahn seine Glaubwürdigkeit verspielte
Es ist ein politisches Debakel, das seinesgleichen sucht. Der einstige Hoffnungsträger der Union, Jens Spahn, landet im aktuellen Insa-Politikerranking für die „Bild“ auf dem allerletzten Platz. Nicht nur, dass er einen Rang verliert – er ist der einzige Politiker der gesamten Erhebung, der gleichzeitig Plätze und Punkte einbüßt. Ein Symbol dafür, wie schnell politisches Vertrauen zerbröseln kann, wenn Worte und Taten auseinanderklaffen.
Doppelmoral als politisches Todesurteil
Was war geschehen? Spahn und sein Ehemann Daniel Funke gaben in der vergangenen Woche die Geburt ihres Sohnes Georg bekannt – ausgetragen von einer Leihmutter in den USA. Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Und sie war nur allzu berechtigt. Denn ausgerechnet jener Politiker, der sich in Deutschland gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft positioniert hatte, nahm sich im Ausland genau jene Freiheit, die er seinen Landsleuten hierzulande verwehren wollte.
69 Prozent der Befragten halten Jens Spahn mittlerweile schlicht für unglaubwürdig.
Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Mehr als zwei Drittel der befragten Bürger sprechen einem der prominentesten CDU-Politiker das Vertrauen ab. Und 68 Prozent sind der Ansicht, dass die Vaterschaft per Leihmutter der Union eher schade als nütze. Am Samstag zog Spahn schließlich die Konsequenz und trat als Unionsfraktionschef zurück – ein später, aber unausweichlicher Schritt.
Wenn Prinzipien nur für die anderen gelten
Hier offenbart sich ein Muster, das viele Bürger an der etablierten Politik zutiefst verdrießt: Der Verdacht, dass gepredigte Prinzipien nur für das gemeine Volk gelten, während man selbst die bequemeren Wege sucht. Beim Thema Leihmutterschaft ist die Bevölkerung tief gespalten – 39 Prozent halten das deutsche Verbot für richtig, 41 Prozent für falsch. Doch nicht diese Sachfrage bringt Spahn zu Fall, sondern die eklatante Diskrepanz zwischen seinen eigenen Worten und seinem Handeln.
Weidel und Kubicki auf dem Vormarsch
Während Spahn abstürzt, klettern andere. AfD-Chefin Alice Weidel verbessert sich auf Platz vier, FDP-Mann Wolfgang Kubicki macht gleich zwei Ränge gut und liegt nun auf Position sieben. An der Spitze thront weiterhin Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), gefolgt von Cem Özdemir (Grüne) und Hendrik Wüst (CDU). Bemerkenswert: Auch Kanzler Friedrich Merz dümpelt mit mageren 2,7 Punkten weit unten – ein Zeichen dafür, dass die Große Koalition beim Bürger keine Begeisterungsstürme entfacht.
Insa befragte vom 17. bis 20. Juli insgesamt 1.004 Menschen, die maximale Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 3,1 Prozentpunkten. Die Botschaft an die politische Klasse ist unmissverständlich: Glaubwürdigkeit ist keine Verhandlungsmasse. Wer Wasser predigt und Wein trinkt, den bestraft der Wähler gnadenlos.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und beruht auf den uns vorliegenden Informationen. Er stellt keine politische oder rechtliche Beratung dar.

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