
900 gewaltbereite Islamisten in Berlin â und der Staat schaut beim Sterben zu

Eine Frau ist tot, 25 Menschen sind verletzt, und der mutmaĂliche TĂ€ter, ein 21-jĂ€hriger Deutscher mit dem Namen Abdul Ballout, ist inzwischen selbst nicht mehr am Leben. Was am Rande des Berliner Christopher Street Day geschah, als ein Lastwagen in Richtung Tiergarten raste, wĂ€re in jedem funktionierenden Staat ein politisches Erdbeben. In der Bundesrepublik des Jahres 2026 ist es beinahe Routine: Betroffenheitsfloskeln, Kerzen, KrĂ€nze â und dann Schweigen.
Der TĂ€ter war bekannt. NatĂŒrlich war er bekannt.
Ballout war den Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Er wurde als GefĂ€hrder gefĂŒhrt, sein Telefon soll abgehört, er selbst zeitweise observiert worden sein. Eine Auflage zur Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm gab es obendrein. Er soll bereits frĂŒher einen Anschlag geplant haben und dafĂŒr im GefĂ€ngnis gesessen haben. Erst im Mai 2026 folgte erneut eine Haftstrafe â ausgesetzt zur BewĂ€hrung. Man muss sich diesen Satz zweimal vorlesen, um seine ganze AbsurditĂ€t zu erfassen: Ein dem IS zugerechneter GefĂ€hrder mit Anschlagsvorgeschichte lĂ€uft frei herum, weil ein Gericht Milde fĂŒr angebracht hielt.
Der Staat wusste alles ĂŒber diesen Mann â und verhinderte nichts. Nicht Unwissen ist das Problem, sondern die fehlende Bereitschaft, aus Wissen Konsequenzen zu ziehen.
Die Zahlen, die niemand hören will
Berichten zufolge zĂ€hlt der Verfassungsschutz allein in Berlin knapp 2.600 Islamisten. Mehr als 900 davon gelten als gewaltorientiert â also als Personen, die Gewalt anwenden, befĂŒrworten oder zu ihr bereit sind. Rund 350 werden dem gewaltorientierten Salafismus zugerechnet, etwa 500 gelten als AnhĂ€nger von Hamas und Hisbollah. Gesicherte Angaben ĂŒber IS-Mitglieder existieren nicht einmal. Bundesweit sind es demnach rund 450 islamistische GefĂ€hrder, 9.110 gewaltorientierte Islamisten und insgesamt 28.645 erfasste Islamisten im Jahr 2025. Eine ganze Kleinstadt an Menschen, denen der Staat selbst zutraut, schwerste politisch motivierte Straftaten zu begehen.
Und nun die schlichte Rechenaufgabe, an der jede Behörde scheitert: Eine engmaschige Rund-um-die-Uhr-Observation eines einzigen GefĂ€hrders bindet nach allem, was Praktiker seit Jahren berichten, ein Vielfaches an Personal. Wer will ernsthaft behaupten, dass 900 potenzielle AttentĂ€ter in einer einzigen Stadt kontrollierbar seien? Es ist eine LebenslĂŒge des deutschen Sicherheitsapparats â und sie wird in Blut bezahlt.
Von der Bonner NĂŒchternheit zur Berliner Beliebigkeit
Es lohnt der historische Blick. Die alte Bundesrepublik verstand den Schutz ihrer BĂŒrger als erste Pflicht des Staates. Der Terror der RAF wurde mit einem entschlossenen Rechtsstaat beantwortet, nicht mit GesprĂ€chskreisen. Wer heute nach konsequenter Ausweisung, nach Abschiebung von GefĂ€hrdern, nach Grenzkontrollen ruft, gilt in Teilen des politmedialen Betriebs schnell als Unmensch. Dieselben Kreise entwickeln jedoch erstaunliche juristische KreativitĂ€t, wenn es darum geht, eine Oppositionspartei mit allen Mitteln zu bekĂ€mpfen. Gegen tatsĂ€chliche Gewaltbereitschaft aus dem islamistischen Spektrum bleibt hingegen bemerkenswert oft ein Deradikalisierungsangebot als Antwort.
BewĂ€hrung fĂŒr Anschlagsplaner â wer verantwortet das?
Die entscheidende Frage lautet nicht, warum ein 21-JĂ€hriger radikalisiert wurde. Sie lautet: Warum durfte er sich frei bewegen? Wer trug die Verantwortung fĂŒr die Aussetzung der Haftstrafe? Welche Behörde stufte die GefĂ€hrdungslage als beherrschbar ein? ErfahrungsgemÀà dĂŒrfte am Ende niemand zur Rechenschaft gezogen werden. Man wird Aufarbeitung ankĂŒndigen, Kommissionen einsetzen und einen Bericht produzieren, den niemand liest. Konsequenzen? Fehlanzeige.
Auch die neue Koalition aus Union und SPD hat auf diesem Feld bislang mehr Worte als Taten geliefert. Wer im Wahlkampf harte Linie verspricht und anschlieĂend Vollzugsdefizite verwaltet, verspielt das Letzte, was ein Staat besitzt: das Vertrauen seiner BĂŒrger. Es ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, dass hier ein Grundversprechen gebrochen wurde â ein GroĂteil der Bevölkerung empfindet inzwischen genauso, wenn Umfragen zur Inneren Sicherheit auch nur halbwegs die Stimmung abbilden.
Sicherheit ist kein GefĂŒhl, sondern eine Bringschuld
Ein Staat, der 900 potenzielle AttentĂ€ter in seiner Hauptstadt registriert und dennoch BewĂ€hrungsstrafen fĂŒr Anschlagsplaner ausspricht, hat sein KerngeschĂ€ft aufgegeben. Es braucht keine neuen Programme, sondern die RĂŒckkehr eines schlichten Prinzips: Wer die Sicherheit dieses Landes bedroht, hat in diesem Land nichts zu suchen. Das ist keine RadikalitĂ€t, das ist der Mindeststandard eines wehrhaften Rechtsstaats. Und es ist ĂŒberfĂ€llig, dass wieder Politiker Verantwortung tragen, die fĂŒr Deutschland regieren â und nicht gegen die eigene Bevölkerung.
Bis dahin bleibt jeder Volkstrauertag der Betroffenheit ein weiteres Kapitel in einem Buch, das lĂ€ngst niemand mehr aufschlagen möchte. Eine Frau hat dafĂŒr mit ihrem Leben bezahlt.

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