
19 gegen 1: G20 stellt China an den Pranger — Peking blockt ab

Es war eine diplomatische Ohrfeige mit Ansage. Beim Treffen der G20-Finanzminister im US-amerikanischen Asheville stellte sich am Dienstag ein einziges Land gegen die gemeinsame Abschlusserklärung: China. US-Finanzminister Scott Bessent machte das öffentlich — und ließ den Dissens per Fußnote im Dokument festschreiben.
Der Streitpunkt: Der endlose Strom billiger Exporte aus nicht marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften sei nicht länger tragfähig. So steht es sinngemäß im Text, den 19 der 20 Mitglieder mittrugen.
Der Satz, den Peking nicht unterschreiben wollte
Konkret weigerte sich China laut US-Finanzministerium, jenen Absatz mitzutragen, in dem sich die übrigen Mitglieder darauf verständigten, nicht-marktwirtschaftliche Praktiken abzubauen, die globale Ungleichgewichte verschärfen. Länder mit dauerhaft übermäßigen Außenhandelsüberschüssen sollten Verzerrungen beseitigen, die den heimischen Konsum bremsen und zu einer Übervorteilung des Exports als Wachstumsmotor führen.
Bessent bezeichnete China als das Land mit dem größten und nicht nachhaltigen Leistungsbilanzüberschuss der Welt. Zuvor hatte er den Ministern zugerufen, die Welt könne kein China mit einem Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar verkraften.
„Ich hatte gehofft, heute ein einstimmiges gemeinsames Kommuniqué verkünden zu können."
Die Zustimmung der 19 anderen zeige dafür, so Bessent sinngemäß, die schiere Dimension des Problems. In den kommenden „Tagen, Wochen oder Monaten" wollten die übrigen Mitglieder handeln, um dieses Ungleichgewicht aufzulösen.
Auch beim Öl-Nadelöhr sagte China Nein
Peking widersprach nach Angaben des Finanzministeriums zudem einer Passage, die sich besorgt über die anhaltenden Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zeigt. Iran hat die Meerenge im Zuge des Krieges mit den USA faktisch blockiert. Ebenso lehnte China Absätze zur IMF-Überwachung globaler Ungleichgewichte und zur Auslandsverschuldung gegenüber G20-Staaten ab.
Für Europa ist das keine Randnotiz. Berichten zufolge lag der Tankerverkehr durch Hormus zuletzt dramatisch unter Vorkriegsniveau — im Schnitt nur noch eine Handvoll Schiffe pro Tag. Jeder Dollar mehr beim Öl landet am Ende an deutschen Zapfsäulen und in den Energierechnungen der Industrie.
„Operation Economic Outcast" — und die Frage nach China
Parallel treibt Bessent die Wirtschaftskampagne gegen Teheran voran. Unter dem Namen „Operation Economic Outcast" weitet Washington Sekundärsanktionen aus: Wer mit dem Iran Geschäfte macht, riskiert den Ausschluss vom Dollar-System. Nach Medienberichten traf es Ende August bereits mehr als 60 Personen, Firmen und Schiffe; einer Bank wurde der Zugang zu US-Korrespondenzkonten entzogen, weil sie rund 1,8 Milliarden Dollar für mutmaßlich irannahe Netzwerke abgewickelt haben soll.
Ob auch China ins Visier gerät, ist offen. Bessent gab sich versöhnlich: Mit Peking habe man beim Iran mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen, China beziehe 50 Prozent seiner Energie aus dem Golf. Es sei nun an China, an einer Lösung mitzuwirken — man werde sehen, wie Peking liefere. Ende September wird Staatschef Xi Jinping in den USA erwartet.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Die Botschaft aus Asheville ist unbequem: Die Weltwirtschaft zerfällt sichtbar in Blöcke. Handelskonflikte, blockierte Seewege, Sanktionen als Waffe — das sind exakt jene Bruchlinien, an denen sich in der Vergangenheit Inflationsschübe entzündeten. Ein Exportland wie Deutschland sitzt dabei besonders exponiert im Zug.
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