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Kettner Edelmetalle
29.07.2026
05:58 Uhr

1,5 Billionen Dollar auf Pump: Die Wall Street sitzt auf einer Schuldenbombe mit brennender Lunte

1,5 Billionen Dollar auf Pump: Die Wall Street sitzt auf einer Schuldenbombe mit brennender Lunte

Es gibt Zahlen, die man einmal liest und dann noch einmal, weil man glaubt, sich verlesen zu haben. Das sogenannte Margin Debt in den USA – also jenes Geld, das Anleger sich leihen, um damit Aktien zu kaufen – ist auf 1,5 Billionen Dollar gestiegen. Im Juni 2025 lag der Wert noch bei glatten 1.000 Milliarden. Innerhalb von zwölf Monaten haben amerikanische Anleger also weitere 500 Milliarden Dollar Fremdkapital in einen Markt gepumpt, der ohnehin auf Rekordniveau notiert. Zum Vergleich: 1997 waren es rund 100 Milliarden. Wer nun noch von "gesunder Marktbreite" spricht, hat entweder die Charts nicht gesehen oder ein professionelles Interesse daran, sie nicht zu sehen.

Wenn die Guthaben verdampfen, bleibt nur noch der Kredit

Den 1,5 Billionen Dollar Kreditvolumen bei US-Brokern stehen laut den Daten der US-Finanzaufsichtsorganisation FINRA lediglich rund 440 Milliarden Dollar an tatsächlichen Guthaben auf den Wertpapierkonten gegenüber. Man muss kein Mathematiker sein, um die Rechnung zu Ende zu bringen: Sollten diese Polster in einem Kurssturz aufgezehrt werden, verbliebe über eine Billion Dollar an blankem Kredit im Markt. Netto. Ungedeckt.

Und Broker sind bekanntlich keine Wohltätigkeitsvereine. Sie wollen Sicherheiten sehen. Fallen die Kurse, schmelzen gehebelte Depots wie Butter in der Sonne. Dann klingelt das Telefon, der Margin Call kommt – jene freundliche Aufforderung, frisches Geld nachzuschießen. Wer nicht kann oder nicht will, dessen Positionen werden zwangsliquidiert. Automatisch, gnadenlos, ohne Rücksicht auf Bewertungsmodelle oder Quartalsprognosen.

Zwangsverkäufe erzeugen fallende Kurse. Fallende Kurse erzeugen weitere Margin Calls. Und diese erzeugen weitere Zwangsverkäufe. Das nennt man eine Rückkopplungsschleife – oder schlicht: eine Lawine.

Der Chip-Rausch als Brandbeschleuniger

Der Auslöser dieses Hebel-Booms dürfte kaum ein Geheimnis sein. Der Hype um Halbleiter- und KI-Aktien hat Privatanleger in einem historisch bislang unbekannten Ausmaß dazu verleitet, auf Kredit zu spekulieren. Das hat die Kurse hübsch nach oben getrieben – niemand streitet das ab. Nur ist die Fallhöhe damit eben ebenfalls gestiegen. Wer eine Leiter immer weiter verlängert, sollte nicht überrascht sein, wenn der Sturz beim nächsten Windstoß tiefer geht.

Fairerweise sei erwähnt: Der Gesamtmarkt ist über die Jahrzehnte gewachsen. Marktkapitalisierungen, ETF-Volumina, Gesamtliquidität – alles größer als 1997. Theoretisch könnte der Markt also mehr Hebel verkraften. Praktisch aber bleibt die Erkenntnis, dass Kredit in fallenden Märkten keine Freunde kennt.

Die Maschinen verkaufen schneller, als Menschen denken können

Hinzu kommt ein Faktor, der 1929 und selbst 2008 noch keine Rolle spielte: Der überwiegende Teil des Handelsvolumens läuft heute über Algorithmen. Tritt ein Ereignis ein, das in keinem Modell vorgesehen war, werden Risikopositionen binnen Millisekunden abgestoßen. Es wäre nicht auszuschließen, dass Circuit Breaker – also die automatischen Handelsunterbrechungen – dann einfach zu träge reagieren. Der Handel würde ausgesetzt, wenn der Absturz längst gelaufen ist. Kein langgezogener Bärenmarkt über Monate, sondern ein Schlag innerhalb von Stunden. Aussteigen könnte kaum jemand.

Wer hat diese Bombe eigentlich gebaut?

Die ehrliche Antwort ist unbequem: Es waren die Notenbanken und die Politik. Jahrzehntelang wurde jede noch so kleine Korrektur mit billigem Geld zugeschüttet, jede Marktbereinigung verhindert, jedes Risiko sozialisiert. Wer den Anlegern über Jahre beibringt, dass Verluste politisch nicht vorgesehen sind, erzieht sie systematisch zum Leichtsinn. Die Rettungspolitik hat den Sprengsatz erst gelegt und ihn dann so lange gefüttert, bis er für jede Rettung zu groß geworden ist. Auch in Europa, wo man in Berlin und Brüssel gerade Hunderte Milliarden neuer Schulden als "Investition" verkauft, dürfte man dieses Prinzip verinnerlicht haben.

Bemerkenswert ist übrigens, dass die vielleicht bekanntesten Großinvestoren der Welt seit längerem auffällig hohe Cash-Bestände halten. Man muss kein Untergangsprophet sein, um daraus Schlüsse zu ziehen.

Was bleibt, wenn Papier zu Papier wird

Eine Aktie auf Kredit ist ein Versprechen auf ein Versprechen. Ein ETF ist ein Korb voller solcher Versprechen. Beides funktioniert prächtig, solange die Musik spielt. Physisches Gold und Silber hingegen kennen keinen Margin Call. Sie werden nicht zwangsliquidiert, weil ein Algorithmus in Chicago nervös geworden ist. Sie liegen im Tresor und tun genau das, was sie seit Jahrtausenden tun: Wert bewahren, wenn die Kreditpyramiden ins Rutschen kommen. Wer sein Vermögen breit aufstellt, tut gut daran, einen substanziellen Teil in Sachwerten außerhalb des Bankensystems zu halten – als Versicherung, nicht als Wette.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Kapitalanlagen jeder Art unterliegen Risiken bis hin zum Totalverlust. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und Entscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen – bei Bedarf unter Hinzuziehung eines unabhängigen, qualifizierten Beraters. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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