
121 in sieben Monaten: Die Abschiebe-Bilanz wird zur Blamage
Rund 15.300 ausreisepflichtige Afghanen leben in Deutschland. Von Januar bis Juli 2026 wurden nach Afghanistan ganze 121 Personen abgeschoben. Nach Syrien waren es im Januar drei – und danach: keine einzige mehr.
Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage des stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Münzenmaier, die dem Nachrichtenportal vorliegt, das die Daten zuerst veröffentlichte.
17 Abschiebungen pro Monat – bei 15.300 Ausreisepflichtigen
Der Monatsverlauf liest sich wie ein Zufallsgenerator: zwei Abschiebungen im Januar, 20 im Februar, fünf im März, 28 im April, null im Mai, 32 im Juni, 34 im Juli. Macht im Schnitt rund 17 pro Monat.
Von den rund 15.300 ausreisepflichtigen Afghanen besitzen etwa 11.400 eine Duldung, knapp 4.000 sind ohne Duldung ausreisepflichtig. Wichtig zu wissen: Eine Duldung setzt die Abschiebung nur vorübergehend aus – die Ausreisepflicht bleibt bestehen.
Münzenmaier rechnet vor, bei diesem Tempo bräuchte man 900 Monate – also 75 Jahre –, um allein die afghanischen Ausreisepflichtigen zurückzuführen. Die Rechnung ist eine reine Fortschreibung: Freiwillige Ausreisen, Statusänderungen und neu hinzukommende Fälle bleiben außen vor.
Der Zustrom ist ein Vielfaches der Rückführungen
Genau hier wird es unangenehm für die Bundesregierung. Denn während 121 Menschen das Land Richtung Afghanistan verließen, registrierte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im ersten Halbjahr 2026 20.456 Asylanträge afghanischer Staatsangehöriger – 10.458 Erst- und 9.998 Folgeanträge. Im Schnitt also rund 1.743 Erstanträge pro Monat.
Afghanistan war damit die mit Abstand zugangsstärkste Staatsangehörigkeit. Von syrischen Staatsangehörigen gingen 5.387 Anträge ein, davon 4.997 Erstanträge. Nach Angaben des Mediendienstes Integration waren zuletzt 10.718 Syrer ausreisepflichtig, 9.787 davon mit Duldung.
„Migrationswende“ – oder doch nur Etikett?
Die Gesamtbilanz stützt die Zweifel: Laut Mediendienst Integration gab es im ersten Halbjahr 2026 bundesweit 9.663 Abschiebungen – rund 18 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zur Jahresmitte waren offiziellen Angaben zufolge knapp 259.000 Menschen ausreisepflichtig, gut drei Viertel davon geduldet. 2025 hatte die Zahl der Abschiebungen noch bei 22.787 gelegen.
Münzenmaier wird deutlich:
Und während man mittlerweile von Deutschland aus wieder per Direktflug Urlaub in Syrien machen kann, hat die Bundesregierung im vergangenen halben Jahr nicht einen einzigen der rund 11.000 ausreisepflichtigen Syrer abgeschoben. All das verkaufen Merz und Dobrindt den Bürgern als große Migrationswende. Wir brauchen endlich eine echte Abschiebeoffensive, die diesen Namen auch verdient. Aber dazu fehlt der Bundesregierung der politische Wille.
Wenn Ankündigung und Vollzug auseinanderfallen
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart sich hier ein Grundproblem der deutschen Politik: Vollmundige Ankündigungen treffen auf einen Verwaltungsapparat, der jahrelang auf Vollzug verzichtet hat. Wer Rechtsstaatlichkeit predigt, muss geltendes Recht auch durchsetzen – sonst bleibt sie ein Wort auf Papier.
Für viele Bürger ist die Diskrepanz zwischen Versprechen und Zahlen längst ein Vertrauensproblem. Und Vertrauen, das weiß jeder Kaufmann, verliert man schneller, als man es zurückgewinnt.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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