
100 Jahre Öl für Washington: Der Deal, der Venezuela entmachtet

Es ist der wohl spektakulärste Rohstoff-Deal des Jahrzehnts: Die USA sichern sich für 100 Jahre den Zugriff auf 65 Milliarden Barrel venezolanischer Ölreserven. Unterzeichnet wurde das Abkommen Anfang September im Präsidentenpalast Miraflores in Caracas – von US-Energieminister Chris Wright und Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez.
Donald Trump feierte den Vertrag auf seiner Plattform Truth Social als „den größten Öl-Deal der Weltgeschichte“. Kritiker sprechen von einer Plünderung. Beide Seiten haben ihre Argumente – und beide erzählen viel über die neue Weltordnung.
17 Ölfelder, ein Vetorecht, ein Konto in New York
Die Konditionen lesen sich wie ein Lehrstück in Machtpolitik. Laut den veröffentlichten Details läuft der Deal über die Firma North American Blue Energy Partners (Nabep), Venezuelas zweitgrößten privaten Ölproduzenten. Das US-Kriegsministerium erhält demnach 35 Prozent an der Muttergesellschaft.
Das Außenministerium darf Berichten zufolge 20 Prozent der Förderung zum Selbstkostenpreis abnehmen – und hat auf den Rest ein Vorkaufsrecht. Der Vorstand muss mehrheitlich aus US-Bürgern bestehen, bei Personalfragen behält Washington ein Vetorecht.
Noch bemerkenswerter: Seit der US-Militärintervention fließen sämtliche Erlöse aus venezolanischen Ölverkäufen auf ein Konto in New York, das dem US-Finanzministerium untersteht. Von 13 Milliarden Dollar, die laut Berichten der Financial Times bis Ende Juli eingingen, sollen gerade einmal 300 Millionen in Venezuela angekommen sein.
Kritik auch aus dem eigenen Lager
Interessant ist, wer hier protestiert. Nicht nur linke Ex-Minister in Caracas, sondern auch Elliott Abrams, einst selbst Trumps Sonderbeauftragter für Venezuela, nannte das Abkommen dem Bericht zufolge „furchtbar“ und verglich die Konditionen mit einem
„Fiebertraum von Kolonialismus“.
Der Ökonom Francisco Rodríguez sprach von „Diplomatie mit Waffengewalt“ – keine venezolanische Regierung hätte so etwas freiwillig unterschrieben. Delcy Rodríguez hingegen versichert, ihr Land behalte die „volle Souveränität“ über seine Rohstoffe. Gegen den Nabep-Kontrolleur, den Millionär Alejandro Betancourt, wird Medienberichten zufolge in der Schweiz und in Spanien wegen Geldwäsche ermittelt; es gilt die Unschuldsvermutung.
Monroe-Doktrin 2.0 – und Europa schaut zu
Im „Fact Sheet“ des Weißen Hauses steht das Ziel unverblümt: „Energievorherrschaft der USA für das nächste Jahrhundert“. Fünf der 17 Ölfelder wurden zuvor von chinesischen Unternehmen betrieben, ein weiteres lief in einem Joint Venture mit russischer Beteiligung. Peking mahnte prompt den Schutz seiner „legitimen Rechte“ an.
Venezuela sitzt auf rund 303 Milliarden Barrel – den größten nachgewiesenen Reserven der Welt. Chevron kündigte an, seine dortige Förderung binnen fünf Jahren auf 600.000 Barrel täglich mehr als zu verdoppeln, mit Investitionen von über sieben Milliarden Dollar.
Und Deutschland? Während Washington sich Zugriffsrechte auf Jahrzehnte sichert, diskutiert Berlin über Heizungsgesetze und Klimaziele im Grundgesetz. Rohstoffsicherung ist Machtpolitik – wer sie anderen überlässt, zahlt später den Preis an der Zapfsäule. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Venezuela-Deal, wie schutzlos eine Volkswirtschaft dasteht, die ihre Energieversorgung moralisch statt strategisch plant.
Was das für Sparer bedeutet
Wenn Großmächte Bodenschätze wie Schachfiguren verschieben, geraten Währungen, Lieferketten und Preise in Bewegung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber unterliegen keinem Vetorecht aus Washington – sie sind seit Jahrtausenden das Vermögen, das keiner Genehmigung bedarf, und können ein breit gestreutes Portfolio sinnvoll ergänzen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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