
Zuckersteuer auf Cola Zero? Klingbeil kassiert eigenen Plan ein

Ein durchgesickertes Arbeitspapier aus dem Bundesfinanzministerium hat der Koalition am Dienstag einen handfesten Streit eingebracht. Denn die geplante ZuckergetrĂ€nkesteuer sollte offenbar weit mehr treffen als Limonade: auch Cola Zero, Haferdrinks, Fruchtnektar, Fertigkaffee und alkoholfreies Bier. Am Mittwoch ruderte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) öffentlich zurĂŒck.
âDas wird nicht kommen"
Klingbeil stellte auf Instagram klar, dass eine Extraabgabe auf zuckerfreie GetrÀnke nicht kommen werde. Eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Produkte ergebe keinen Sinn.
âDas mache ich nicht. Das wird nicht kommen."
Es handle sich lediglich um einen internen Arbeitsstand, so der Vizekanzler â weder politisch geeint noch in der Koalition beschlossen. Fachleute mĂŒssten intern auch kontrovers diskutieren dĂŒrfen. Werde jede interne Ăberlegung wie eine Entscheidung behandelt, werde Politik am Ende nicht besser.
Was in dem Papier stand
Medienberichten zufolge sah das Eckpunktepapier einen gestaffelten Tarif in drei Stufen vor. Ab 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollten 26 Cent je Liter fĂ€llig werden, ab 7 Gramm 32 Cent, oberhalb von 10 Gramm 38 Cent. GetrĂ€nke, die nur SĂŒĂungsmittel enthalten, sollten pauschal mit 26 Cent belegt werden.
Ausgenommen blieben laut den Berichten reine Milch und Hundert-Prozent-FruchtsĂ€fte. Erfasst werden sollten dagegen auch Sirupe, Konzentrate und Granulate â ausdrĂŒcklich, um Ausweichbewegungen zu verhindern, wie sie aus anderen LĂ€ndern bekannt seien.
Der entscheidende Satz
Interessant ist die BegrĂŒndung. Nach den vorliegenden Informationen soll die Steuer nicht nur eine âLenkungswirkung" haben, sondern gleichzeitig Einnahmen fĂŒr den Haushalt generieren. Deshalb: möglichst weiter Ansatz, möglichst keine Ausnahmen.
Genau daran entzĂŒndet sich die Kritik. Wer zuckerfreie GetrĂ€nke besteuert, verfolgt schwerlich ein Gesundheitsziel â sondern erschlieĂt eine Einnahmequelle. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie aus einem gesundheitspolitischen Argument still und leise ein fiskalisches wird.
Union geht auf die Barrikaden
GrundsĂ€tzlich hat sich Schwarz-Rot auf eine Zuckersteuer verstĂ€ndigt; rund 650 Millionen Euro sollen 2027 zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beitragen. Doch das CSU-gefĂŒhrte Landwirtschaftsministerium legte laut Berichten schriftlich Protest ein.
Die Kritik im Ăberblick:
- Deutlich mehr GetrÀnkegruppen betroffen als von der Finanzkommission Gesundheit empfohlen
- Drei statt zwei Steuerstufen, Einstieg schon bei 4,5 statt 5,0 Gramm
- Start bereits 2027 â die Wirtschaft brauche Vorbereitungszeit
- Die erwarteten Einnahmen lĂ€gen âdeutlich ĂŒber" den eingeplanten 650 Millionen Euro
Auch aus der CDU/CSU-Fraktion hieĂ es, man werde die konkrete Ausgestaltung im Bundestag genau prĂŒfen. Kritik kam quer durch die politischen Lager â selbst die frĂŒhere GrĂŒnen-Vorsitzende Ricarda Lang wetterte gegen eine Abgabe auf Light-GetrĂ€nke.
Der BĂŒrger zahlt am Ende ohnehin
Ob 26 oder 38 Cent: Verbrauchsteuern landen beim Endkunden. Sie treffen alle gleich â und relativ am hĂ€rtesten jene mit kleinem Einkommen. FĂŒr viele BĂŒrger dĂŒrfte das nach Jahren steigender Abgaben und schleichenden Kaufkraftverlusts wie ein weiterer Griff in die Tasche wirken.
Dass Klingbeil nun zurĂŒckrudert, zeigt vor allem eines: Ăffentlicher Druck wirkt. Ob die Steuer in abgemilderter Form kommt, entscheidet sich in den Ressortabstimmungen und spĂ€ter im Bundestag.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er beruht auf den uns vorliegenden Informationen und gibt die Einordnung unserer Redaktion wieder. FĂŒr individuelle Fragen wenden Sie sich bitte an fachlich qualifizierte Beraterinnen und Berater.
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