
ZF am Abgrund: Deutschlands Autozulieferer versinkt in Milliardenschulden

Die deutsche Automobilindustrie erlebt einen weiteren Tiefschlag. Der traditionsreiche Autozulieferer ZF aus Friedrichshafen kämpft mit einem Schuldenberg von fast elf Milliarden Euro und muss nun weitere Unternehmensteile abstoßen, um das nackte Überleben zu sichern. Was einst als Stolz deutscher Ingenieurskunst galt, wird nun Stück für Stück zerlegt und an ausländische Investoren verscherbelt.
Ausverkauf deutscher Technologie geht weiter
Konzernchef Mathias Miedreich hat im Interview mit dem Handelsblatt unmissverständlich klargemacht, wohin die Reise geht: Nach dem bereits besiegelten Verkauf der Fahrerassistenzsysteme-Sparte an die Samsung-Tochter Harman International für 1,5 Milliarden Euro stehen weitere Bereiche auf der Abschussliste. Die Windkraftsparte, die Getriebe für Windräder herstellt, könnte als nächstes fallen. Man gliedere die Sparte bereits aus, um „flexibler zu sein und strategische Optionen zu gewinnen", so der ZF-Chef in diplomatischer Verklausulierung dessen, was letztlich nichts anderes bedeutet als: Verkauf an den Meistbietenden.
Die jährlichen Zinszahlungen von mehr als 600 Millionen Euro fressen den Konzern regelrecht auf. „Wir tun jetzt alles, um den Cashflow zu erhöhen, damit wir unsere Schulden zurückzahlen können", erklärt Miedreich. Ein Satz, der die ganze Dramatik der Situation offenbart. Schuldenabbau allein durch organisches Wachstum würde schlicht zu lange dauern – deshalb müssen Tafelsilber und Kronjuwelen gleichermaßen zu Geld gemacht werden.
Elektromobilitäts-Wette ging gründlich schief
Besonders bitter: ZF hat sich mit der Elektromobilität massiv verspekuliert. Das Unternehmen hatte Aufträge von über 30 Milliarden Euro für E-Mobilitätsprojekte an Land gezogen – viele davon zu Preisen, die nicht einmal die Kosten deckten. Ein klassischer Fall von Größenwahn, befeuert durch den politisch verordneten Hype um die Elektromobilität, der sich nun als teurer Irrweg entpuppt.
Die Konsequenz ist verheerend: Mehrere Projekte mussten vorzeitig beendet werden, weil der erhoffte Hochlauf der E-Mobilität ausblieb. Das Ergebnis ist ein buchhalterischer Verlust von etwa 1,5 Milliarden Euro allein für das Jahr 2025. Finanzvorstand Michael Frick versucht, dem Desaster noch etwas Positives abzugewinnen, indem er von „Altlasten" spricht, von denen man sich nun befreie. Doch die Wahrheit ist: Hier wurde auf das falsche Pferd gesetzt, und die Zeche zahlen am Ende die Mitarbeiter.
3750 Arbeitsplätze wandern ins Ausland
Mit dem Verkauf der Fahrerassistenzsysteme-Sparte an Harman International wechseln voraussichtlich 3750 ZF-Mitarbeiter den Arbeitgeber. Der Abschluss der Transaktion wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet. Ob diese Arbeitsplätze langfristig in Deutschland erhalten bleiben, steht in den Sternen. Die Erfahrung zeigt: Wenn ausländische Konzerne deutsche Technologieunternehmen übernehmen, folgt nicht selten die Verlagerung von Produktion und Know-how.
Ein Symptom des deutschen Niedergangs
Der Fall ZF ist symptomatisch für den Zustand der deutschen Industrie. Jahrelang wurde die Automobilbranche mit ideologisch motivierten Vorgaben gegängelt, der Verbrennermotor verteufelt und die Elektromobilität als alleinige Zukunft propagiert. Unternehmen wie ZF haben Milliarden in diese vermeintliche Zukunftstechnologie investiert – und stehen nun vor den Scherben einer Politik, die Wunschdenken über wirtschaftliche Realitäten gestellt hat.
Miedreich rechnet damit, dass ZF nach der Restrukturierung etwa 20 Prozent weniger Umsatz haben wird als die angepeilten 38 Milliarden Euro. „Aber wir werden auch schneller und profitabler sein", verspricht der ZF-Chef. Ein schwacher Trost für einen Konzern, der einst zu den Kronjuwelen der deutschen Industrie zählte und nun um sein Überleben kämpft.
„Cash wird jetzt nicht mehr verbrannt", sagt Miedreich, räumt aber gleichzeitig ein, dass sich der Konzern erst im „ersten Basislager" befinde.
Die Metapher ist bezeichnend: Der Gipfel ist noch weit entfernt, und ob ZF ihn jemals erreichen wird, bleibt ungewiss. Was feststeht: Die deutsche Automobilzulieferindustrie befindet sich in einer existenziellen Krise, und ZF ist nur eines von vielen Unternehmen, die unter dem Druck der Transformation zu zerbrechen drohen. Die Frage ist nicht mehr, ob weitere Verkäufe folgen werden, sondern nur noch, was am Ende überhaupt noch übrig bleibt von diesem einst stolzen deutschen Unternehmen.












