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26.01.2026
21:22 Uhr

WM-Boykott vom Tisch: Große Koalition kuscht vor dem Fußball-Establishment

WM-Boykott vom Tisch: Große Koalition kuscht vor dem Fußball-Establishment

Während die transatlantischen Beziehungen unter der Trump-Administration auf einem historischen Tiefpunkt angelangt sind und deutsche Bürger bei der Einreise in die USA zunehmend schikaniert werden, winken Union und SPD die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten einfach durch. Ein Boykott? Kommt für die Große Koalition nicht in Frage. Stattdessen flüchtet man sich in wohlfeile Phrasen über "interkulturelle Zusammenkünfte" und den "Geist des Sports".

CDU-Politiker Ploß: Boykott sei eine "Schnapsidee"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß machte gegenüber dem "Spiegel" unmissverständlich klar, was er von einem WM-Boykott hält: nichts. Ein solcher würde nicht nur die Spieler bestrafen, sondern auch der Grundidee großer internationaler Sportereignisse zuwiderlaufen. Athleten und Fans aus aller Welt sollten zusammenkommen und sich austauschen können, so die Argumentation des Hamburger Politikers.

Besonders bemerkenswert ist Ploß' Seitenhieb auf die WM 2022 in Katar. Die Spieler sollten sich diesmal auf den Fußball konzentrieren können, anders als es bei dem Turnier am Golf der Fall gewesen sei. Man reibt sich verwundert die Augen: Ausgerechnet jetzt, wo die USA unter Trump eine Politik der Abschottung und Einschüchterung betreiben, soll der Sport plötzlich unpolitisch sein?

SPD-Sprecherin Lugk: Persönlicher Boykott ja, allgemeiner Boykott nein

Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Bettina Lugk, versucht sich in einem bemerkenswerten Spagat. Einerseits will sie die WM persönlich boykottieren und nicht vor Ort besuchen. Andererseits lehnt sie einen allgemeinen Boykott ab, da sich eine befürchtete Eskalation "vorerst nicht bestätigt" habe. Eine Argumentation, die angesichts der täglichen Nachrichten über Trumps aggressive Handelspolitik und die verschärften Einreisebestimmungen geradezu weltfremd anmutet.

"Die innenpolitische Lage in den USA bleibt äußerst angespannt. Viele Fragen zu Einreisebestimmungen, Sicherheit und den Bedingungen für Fans sind weiterhin offen; teilweise wird Menschen allein aufgrund ihrer Nationalität die Einreise verwehrt."

Diese Worte stammen wohlgemerkt von derselben Politikerin, die einen Boykott für nicht zielführend hält. Die Widersprüchlichkeit dieser Position ist kaum zu übersehen.

FIFA-Friedenspreis für Trump: DFB duckt sich weg

Besonders pikant ist der von Lugk angesprochene "FIFA-Friedenspreis" für den US-Präsidenten. Dass ausgerechnet Donald Trump, der mit seinen Zollkriegen und außenpolitischen Drohgebärden die Welt in Atem hält, einen Friedenspreis erhalten soll, grenzt an Realsatire. Doch der Deutsche Fußball-Bund schweigt beharrlich. Eine kritische Haltung? Fehlanzeige. Stattdessen ordnet sich der DFB einmal mehr den Interessen des internationalen Fußball-Establishments unter.

Die Doppelmoral der deutschen Politik

Es ist bezeichnend für den Zustand der deutschen Politik, dass man bei der WM in Katar noch lautstark Menschenrechtsverletzungen anprangerte und die Spieler mit Regenbogenbinden auflaufen ließ, während man nun bei den USA beide Augen zudrückt. Die 20-prozentigen Strafzölle auf deutsche Exporte, die Drohungen gegen europäische Verbündete, die willkürlichen Einreiseverbote – all das scheint vergessen, wenn es um das große Fußballfest geht.

Die Große Koalition unter Kanzler Merz beweist einmal mehr, dass sie in außenpolitischen Fragen keinen klaren Kurs findet. Während man sich innenpolitisch gerne als Verteidiger deutscher Interessen inszeniert, knickt man vor dem mächtigen Verbündeten jenseits des Atlantiks ein. Der deutsche Fußballfan darf sich also auf ein Turnier freuen, bei dem er möglicherweise schon an der Grenze abgewiesen wird – während die Politik achselzuckend daneben steht.

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