
Wirtschaftsweise Grimm vor Sprung an die Spitze des RWI – Quotenpolitik statt Qualifikation?
In der deutschen Forschungslandschaft bahnt sich ein personeller Wechsel an, der bereits im Vorfeld für erhebliches Raunen sorgt. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, derzeit Professorin an der Universität Nürnberg, wird offenbar als neue Präsidentin des renommierten Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen gehandelt. Sie würde damit den langjährigen Präsidenten Christoph M. Schmidt beerben, der das Institut seit über zwei Jahrzehnten führt und zum 1. Juli an die Spitze der Leibniz-Gemeinschaft wechselt.
Ein Personalkarussell mit politischem Beigeschmack
Noch ist nichts beschlossen. Der Prozess befinde sich, so heißt es aus informierten Kreisen, in einem frühen Stadium. Kandidatenlisten müssten erst noch erstellt werden, und ob Grimm selbst überhaupt bereitstünde, sei offen. Sie selbst habe einen möglichen Wechsel nicht kommentieren wollen. Dennoch sollen ihre Chancen dem Vernehmen nach als äußerst aussichtsreich gelten.
Was bei dieser Personalie besonders aufhorchen lässt, ist ein Detail, das fast beiläufig erwähnt wird, aber den eigentlichen Kern der Debatte offenbart: Sollte Grimm tatsächlich nach Essen wechseln, wäre sie die einzige Frau an der Spitze eines der acht großen Leibniz-Wirtschaftsforschungsinstitute. Und genau deshalb – so wird berichtet – sei sie die Wunschkandidatin einiger Entscheidungsträger.
Wenn das Geschlecht zum Qualifikationsmerkmal wird
Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen. Nicht etwa herausragende wissenschaftliche Leistungen, nicht bahnbrechende ökonomische Erkenntnisse, nicht eine überlegene Führungskompetenz werden als primärer Grund für die Favoritenrolle genannt – nein, es ist schlicht die Tatsache, dass Grimm eine Frau ist. In einem Land, das sich die Leistungsgesellschaft auf die Fahnen schreibt, mutet es geradezu grotesk an, wenn bei der Besetzung einer der wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Positionen das Geschlecht offenbar schwerer wiegt als alles andere.
Wohlgemerkt: Niemand bestreitet, dass Veronika Grimm eine qualifizierte Ökonomin ist. Als Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sie durchaus Profil bewiesen. Doch die Art und Weise, wie diese Personalie kommuniziert wird, offenbart ein tieferliegendes Problem der deutschen Wissenschafts- und Personalpolitik. Es geht längst nicht mehr nur um Kompetenz – es geht um Symbolpolitik.
Das RWI – ein Institut mit Tradition
Das einstige Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung blickt auf eine lange Geschichte zurück und gehört zu den tragenden Säulen der deutschen Wirtschaftsforschung. Unter der Führung von Christoph M. Schmidt hat es sich als verlässliche Stimme in konjunkturellen und strukturpolitischen Debatten etabliert. Wer ein solches Institut leitet, trägt Verantwortung – nicht nur für die Forschungsqualität, sondern auch für die Glaubwürdigkeit wirtschaftswissenschaftlicher Politikberatung in Deutschland.
Gerade in Zeiten, in denen die deutsche Wirtschaft unter dem Druck massiver Herausforderungen steht – von Trumps Zollpolitik über die Energiekrise bis hin zu einem 500-Milliarden-Euro-Schuldenberg, den die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz trotz gegenteiliger Versprechen auftürmt – braucht das Land Wirtschaftsforschungsinstitute, die unabhängig, scharf und kompromisslos analysieren. Ob Grimm diese Rolle ausfüllen kann, wird sich zeigen müssen. Entscheidend sollte dabei allein ihre fachliche Eignung sein – und nicht die Frage, welches Geschlecht auf ihrem Personalausweis steht.
Deutschland täte gut daran, sich wieder auf das Leistungsprinzip zu besinnen. Denn am Ende des Tages interessiert es die Konjunktur herzlich wenig, ob die Prognose von einem Mann oder einer Frau stammt – sie muss schlicht stimmen.
- Themen:
- #BIP

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











