
Wie der Wunsch nach Anerkennung einen Sony-Chef in die größte Krise seiner Karriere stürzte
Es ist eine Geschichte, die so alt ist wie Hollywood selbst: Ein mächtiger Mann an der Spitze eines Filmimperiums, der trotz all seiner Macht und seines Einflusses nichts sehnlicher wollte, als von den Schönen und Berühmten akzeptiert zu werden. Michael Lynton, einst Chef von Sony Pictures Entertainment, legt nun in seiner Autobiografie ein bemerkenswertes Geständnis ab – und liefert damit ein Lehrstück über die Gefahren emotionaler Entscheidungen in der Unternehmensführung.
Ein Film, der zum geopolitischen Pulverfass wurde
Der 66-jährige Lynton räumt in seinem Buch ein, dass die Freigabe der Blödelkomödie „The Interview" der größte Fehler seines Lebens gewesen sei. Der Film, in dem die Hollywood-Darsteller Seth Rogen und James Franco als Journalisten im Auftrag der CIA ein Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un verüben, sollte im Dezember 2014 in die Kinos kommen. Doch es kam ganz anders.
Am 24. November 2014 traf Sony Pictures ein verheerender Hackerangriff, der laut Lynton rund 70 Prozent der Studio-Server lahmlegte. Die Folgen waren katastrophal. Vertrauliche Drehbücher – darunter das Skript des neuen James-Bond-Films – gelangten ebenso ins Netz wie interne E-Mail-Korrespondenz und persönliche Daten von Mitarbeitern sowie Lyntons eigener Familie. Stars wie Adam Sandler und Angelina Jolie distanzierten sich hastig, die finanziellen Einbußen waren erheblich. Das FBI ermittelte und kam zu dem Schluss, dass Nordkorea hinter der Attacke stecke – als Vergeltung für die satirische Darstellung eines Attentats auf den Machthaber. Der Film wurde schließlich nie regulär im Kino gezeigt, sondern lediglich im Internet veröffentlicht.
Das Trauma des ewigen Außenseiters
Was Lyntons Geständnis so bemerkenswert macht, ist nicht die Chronologie der Ereignisse – die ist hinlänglich bekannt. Es ist die schonungslose Selbstanalyse, die er betreibt. Der gebürtige New Yorker, der als Kind mit seinen Eltern ins niederländische Wassenaar gezogen war, beschreibt, wie er schon als Jugendlicher unter dem Gefühl litt, nie dazuzugehören. Er erinnere sich daran, wie er an Samstagabenden laute Musik aus einem Nachbarhaus gehört und gewusst habe, dass seine Klassenkameraden ohne ihn feierten.
Dieses Gefühl, so Lynton, habe ihn bis an die Spitze der Filmindustrie begleitet. In Hollywood, so schreibt er, gebe es immer eine weitere Absperrung, immer eine Hackordnung. Die Schauspieler – die „coolsten Leute" – hielten sich stets in einem Raum auf, der für andere tabu sei. Besonders eindrücklich schildert er eine Oscar-Party beim einflussreichen CAA-Agenten Bryan Lourd: Daniel Craig, Leonardo DiCaprio und Sandra Bullock hätten ausgelassen gefeiert, während George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon in einem engen Kreis unter sich geblieben seien. Als Lynton sich dazugesellen wollte, hätten sie ihm höflich, aber unmissverständlich klargemacht, dass er nicht dazugehöre.
«Ich war an der Spitze der Filmindustrie und hatte dennoch das Gefühl, von einem Klappstuhl in Wassenaar aus zuzusehen.»
Wenn das innere Kind die Kontrolle übernimmt
Bei der sogenannten „Table Read" – einer Leseprobe des Drehbuchs ohne Kameras – sei dann der entscheidende Moment gekommen. Lynton beschreibt, wie alle Anwesenden das Skript als brillante Komödie gefeiert hätten. Für einen kurzen Augenblick habe er sich der „coolen Gang" anschließen wollen, die subversive Filme drehte. Sein „Mittelschul-Ich" habe die Kontrolle übernommen, sein „Erwachsenen-Ich" den Mut verloren, die anderen zu enttäuschen.
Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, was hier geschah: Ein erwachsener Mann in einer Position enormer Verantwortung traf eine folgenschwere Geschäftsentscheidung nicht auf Basis nüchterner Risikoabwägung, sondern getrieben von einem tief sitzenden Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Die Konsequenzen waren verheerend – für das Unternehmen, seine Mitarbeiter, seine Familie und ihn selbst.
Ein Lehrstück für Führungskräfte – und für die Gesellschaft
Lyntons Geschichte ist mehr als eine Hollywood-Anekdote. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn Führungspersönlichkeiten ihre Entscheidungen von Eitelkeit und dem Wunsch nach Anerkennung leiten lassen, statt von Vernunft und Verantwortungsbewusstsein. In einer Zeit, in der auch in der Politik allzu oft der Wunsch, zur „richtigen Seite" zu gehören, rationale Entscheidungen verdrängt, könnte man fast meinen, Lyntons Beichte habe eine universelle Gültigkeit. Wie viele politische Fehlentscheidungen – ob in Berlin, Brüssel oder Washington – wurden wohl aus ähnlichen Motiven getroffen? Wie oft wurde das Richtige dem Populären geopfert, nur um nicht als Spielverderber dazustehen?
Michael Lyntons Buch „From Mistakes to Meaning: Owning Your Past So It Doesn't Own You" erscheint Ende Februar in den USA. Der Titel ist Programm: Wer seine Fehler nicht besitzt, wird von ihnen besessen. Eine Erkenntnis, die man sich in so mancher Regierungszentrale dieser Welt an die Wand hängen sollte.
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