
Wenn Vermieten zur Zumutung wird: Wie der Staat den Wohnungsmarkt selbst ruiniert

Drei Jahre keine Miete, ein zermürbender Rechtsstreit, am Ende die Privatinsolvenz des Mieters – und ein Vermieter, der auf rund 100.000 Euro Anwaltskosten sitzenbleibt. Was klingt wie ein juristisches Kuriosum, ist in Deutschland längst zur bitteren Realität einer ganzen Eigentümergeneration geworden. Der betreffende Mietnomade war, man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen, selbst Rechtsanwalt. Er kannte die Klaviatur der Verfahrensverzögerung. Sein Vermieter denkt inzwischen darüber nach, das Kapitel Vermietung endgültig zu schließen.
Sechs von zehn Privatvermietern wollen raus
Er ist damit alles andere als allein. Einer Umfrage unter 26.000 privaten Vermietern zufolge erwägen sechzig Prozent, ihre Objekte abzustoßen. Sechzig Prozent! Das ist kein Stimmungstief, das ist eine Kapitulationserklärung eines ganzen Marktsegments. Und man sollte sich klarmachen, um wen es hier geht: Nicht um anonyme Fondsmanager in Glaspalästen, sondern um Handwerksmeister, Ärzte, Beamte, Rentner – Menschen, die über Jahrzehnte gespart, gebaut, saniert haben. Sie besitzen deutlich mehr als die Hälfte aller Mietwohnungen in diesem Land. Wenn sie gehen, kollabiert das Fundament.
Ein Jahrhundert Mieterschutz – und immer noch kein Ende
Der Blick zurück ist lehrreich. Bereits 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, erließ die Reichsregierung eine allgemeine Mieterschutzverordnung – nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern um die Kriegsbereitschaft der Bevölkerung zu stabilisieren. 1936 folgte ein Mietenstoppgesetz im Zuge der Kriegsvorbereitung, das in abgewandelter Form bis 1990 in der DDR fortwirkte. In der Bundesrepublik markierten die Wohnraumkündigungsschutzgesetze der frühen Siebzigerjahre die nächste Etappe. Jedes Mal lautete die Begründung gleich: Schutz des kleinen Mannes vor dem bösen „Miethai“.
Das Muster wiederholt sich mit erstaunlicher Zuverlässigkeit. Und jedes Mal verschiebt sich die Balance ein Stück weiter – zulasten derer, die Wohnraum überhaupt erst bereitstellen.
Hubigs nächste Verschärfungsrunde
Justizministerin Stefanie Hubig legt nun nach. Geplant sei ein deutlich strengerer Preisdeckel für möblierte Wohnungen, dazu eine neue Schonfrist bei Nichtzahlung der Miete. Letzteres bedeutet im Klartext: Räumungsverfahren, die schon heute Monate bis Jahre verschlingen, werden weiter bürokratisiert. Das Risiko des Zahlungsausfalls landet noch stärker beim Eigentümer. Zusätzlich sollen die Anpassungsmöglichkeiten bei Indexmieten und die Preisgestaltung bei Kurzzeitverträgen beschnitten werden.
„Ein Misstrauensvotum gegen die Millionen vermietenden Privatpersonen“ – so bewertet Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland, die Pläne.
Treffender lässt es sich kaum formulieren. Wer Eigentum grundsätzlich als verdächtig behandelt, muss sich nicht wundern, wenn Eigentümer die Lust verlieren. Hinzu kommt ein Dickicht klimapolitischer Vorschriften, das sich in Wortungeheuern wie dem „Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz“ manifestiert. Man reibt sich die Augen: Da wurde tatsächlich ein Gesetz erfunden, das die Aufteilung von CO₂-Kosten zwischen Mieter und Vermieter regelt. Bürokratie als Selbstzweck, in Reinform.
Die Rechnung zahlt am Ende der Mieter
Der Deutsche Mieterbund beklagt bereits jetzt ein Defizit von 1,4 Millionen Wohnungen. 400.000 neue Einheiten pro Jahr müssten bis 2030 entstehen. Erreicht wird davon nicht annähernd die Hälfte. Selbst die großen Konzerne kämpfen: Vonovia schrieb 2024 fast eine Milliarde Euro Verlust und kehrte erst 2025 in die schwarzen Zahlen zurück. Wenn nun parallel die privaten Anbieter das Feld räumen, ist der Ausgang absehbar. Knappheit treibt Preise. Immer. Überall. Politische Wunschdenkerei ändert daran nichts.
Und so entsteht ein Paradox, das eigentlich keines ist: Je lauter der Staat den Mieterschutz beschwört, desto härter trifft es die Mieter. Wer keine Wohnung findet, hat vom besten Kündigungsschutz der Welt nichts. Ein Mieterschutz, der über das Ziel hinausschießt, verwandelt Vermietung in ein Frustgeschäft – und Frustgeschäfte werden aufgegeben.
Was es bräuchte
Entlastung statt Gängelung. Schnelle, bezahlbare Räumungsverfahren statt jahrelanger Prozesslotterie. Und vor allem: staatliche Zurückhaltung, damit marktwirtschaftliche Mechanismen überhaupt wieder greifen können. Doch von einer Regierung, die parallel ein 500-Milliarden-Sondervermögen auflegt und Klimaziele ins Grundgesetz schreibt, ist ordnungspolitische Demut kaum zu erwarten. Stattdessen wird weiter reguliert, gedeckelt und umverteilt – auf Kosten jener, die noch Substanz besitzen.
Wer sein Vermögen langfristig sichern will, kommt an dieser Erkenntnis nicht vorbei: Wo der Zugriff des Gesetzgebers auf eine Anlageklasse Jahr für Jahr wächst, sinkt deren Verlässlichkeit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen keine Mietnomaden, keine Mietpreisbremse und kein Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz. Sie liegen im Tresor – unbeeindruckt von Ministerialentwürfen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio erfüllen sie genau jene Funktion, die Immobilien für viele einst hatten: greifbare Substanz jenseits politischer Willkür.
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