
Wenn sich Arbeit nicht mehr lohnt: 39 Prozent der Deutschen haben den Glauben verloren
Es gibt Zahlen, die sind mehr als Statistik. Sie sind ein Befund. Eine Onlineerhebung von Statista+ im Auftrag des "Spiegel" unter 1.000 Erwerbstätigen förderte zutage, was in Betrieben, Werkshallen und Büros längst zum Flurgespräch gehört: 39 Prozent der Berufstätigen in Deutschland sind überzeugt, dass sich Leistung im Job schlicht nicht mehr auszahlt. Nicht ein Randphänomen also, sondern fast vier von zehn Menschen, die morgens den Wecker stellen und abends feststellen, dass am Monatsende trotzdem nichts übrig bleibt.
Nicht faul – sondern desillusioniert
Bemerkenswert ist, dass diese Zahl nicht mit Arbeitsunwilligkeit zu erklären ist. Im Gegenteil: 44 Prozent gaben an, durchaus bereit zu sein, mehr zu leisten, als von ihnen formal verlangt werde. Nur rund ein Fünftel zeigte sich hier zurückhaltend. Die Bereitschaft ist also da – was fehlt, ist die Gegenleistung. Knapp ein Viertel der Befragten nannte ausbleibende finanzielle Belohnung als Hauptbremse. Jeweils etwa ein Fünftel verwies auf fehlende Wertschätzung, auf Einbußen bei der Lebensqualität oder auf zu wenig Zeit für Familie und Erholung.
Man muss kein Ökonom sein, um die Rechnung zu verstehen. Wer Überstunden schiebt, eine Gehaltserhöhung erkämpft oder die Beförderung annimmt, sieht anschließend zu, wie Progression, Sozialabgaben und eine hartnäckige Teuerung den Zugewinn zerlegen. Der berühmte "Netto vom Brutto" ist in Deutschland zur Karikatur geworden. Und während der Facharbeiter in der zweiten Schicht steht, wird ihm politisch erklärt, das eigentliche Problem sei, dass die Deutschen zu wenig arbeiteten.
Die Schuldumkehr der politischen Klasse
Genau hier liegt der wunde Punkt. Die Arbeits- und Organisationspsychologin Laura Venz von der Leuphana Universität Lüneburg deutet die Skepsis nicht als Bequemlichkeit, sondern als Ausdruck von Verdrossenheit und fehlender Wirksamkeitserfahrung. Wer Reformen weiterhin mit der Unterstellung begründe, die Menschen täten zu wenig, verstärke den Zynismus nur, so ihre Einschätzung. Viele erlebten schlicht, dass sich Mehrarbeit angesichts von Inflation und Dauerkrise nicht in einem besseren Leben niederschlage.
Wer über Jahre erlebt, dass Fleiß bestraft und Untätigkeit alimentiert wird, entwickelt keine Faulheit – sondern eine völlig rationale Gleichgültigkeit.
Es wäre unredlich, diesen Befund allein den Arbeitgebern zuzuschieben. Die Rahmenbedingungen setzt die Politik. Eine Abgabenlast auf Rekordniveau, ein Sozialsystem, dessen Abstandsgebot zur Erwerbsarbeit vielerorts kaum noch spürbar ist, Energiepreise, die den industriellen Mittelstand ausbluten lassen – und obendrein ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket, das die Zeche kommender Generationen bereits heute verbucht. Wer so regiert, darf sich über Motivationsverlust nicht wundern.
Druck von allen Seiten
Parallel steigt die Belastung. 42 Prozent der unter 34-Jährigen berichteten von häufigem oder starkem Leistungsdruck, Frauen fühlen sich stärker beansprucht als Männer. Als Hauptursache nannten 45 Prozent eine schlicht zu hohe Arbeitsbelastung – Personalmangel, Einsparungen, Stellen, die nicht nachbesetzt werden. Beim Verständnis von Leistung dominiert übrigens weiterhin die Qualität: Für über zwei Drittel ist Sorgfalt entscheidend, bei den 55- bis 65-Jährigen sogar für 80 Prozent. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es nur noch 51 Prozent – ein Generationenbruch, der zu denken geben sollte.
Flucht in die Viertagewoche
Kein Wunder, dass zwei Drittel sich vorstellen können, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, bei den Jüngeren gar drei Viertel. Fast die Hälfte hält die Viertagewoche für zukunftsfähig, 41 Prozent bleiben lieber beim klassischen Modell. Venz warnt allerdings davor, eine Vollzeitstelle einfach auf vier Tage zu stauchen – der Achtstundentag sei evidenzbasiert, dauerhaft zehn Stunden und mehr seien gesundheitsschädlich. Man mag über Arbeitszeitmodelle streiten. Doch der eigentliche Skandal ist ein anderer: In einem Land, das vom Fleiß seiner Bürger lebt, wird über weniger Arbeit diskutiert, weil sich mehr Arbeit nicht mehr rentiert.
Was bleibt vom Ersparten?
Für den Einzelnen folgt daraus eine unbequeme Erkenntnis: Wenn der Staat die Erträge der eigenen Arbeit über Steuern, Abgaben und schuldengetriebene Geldentwertung abschöpft, gewinnt die Frage an Gewicht, worin man das mühsam Erarbeitete überhaupt noch sichern kann. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie sich weder wegdrucken noch wegregieren lassen – als Baustein eines breit gestreuten Vermögens sind sie deshalb für viele Sparer eine nachvollziehbare Ergänzung.
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