
Wenn der Chatbot zum Versicherungsmakler wird: KI greift klassischen Vertrieb frontal an
Was sich wie eine Szene aus einem dystopischen Wirtschaftskrimi liest, ist längst Realität geworden: Der US-Softwaregigant OpenAI hat seinen KI-Chatbot ChatGPT erstmals für Versicherungsanwendungen geöffnet. Damit dringt die Künstliche Intelligenz in einen weiteren Kernbereich der Finanzbranche vor – und bedroht Hunderttausende von Arbeitsplätzen im klassischen Versicherungsvertrieb. Die Frage ist nicht mehr, ob sich die Branche verändern wird, sondern nur noch, wie schnell der Umbruch kommt.
Policen per Chatbot – die neue Normalität?
Konkret haben das spanische Versicherungs-Start-up Tuio und die amerikanische Vergleichsplattform Insurify ihre Dienste als integrierte Apps direkt in ChatGPT eingebettet. Nutzer können nun personalisierte Versicherungsangebote in Echtzeit abrufen – ohne jemals einen menschlichen Berater kontaktieren zu müssen. Was für Buchungsportale wie Booking oder Musikdienste wie Apple Music längst selbstverständlich ist, erreicht damit eine Branche, die sich bislang gerne hinter persönlicher Beratung und komplexen Produktstrukturen verschanzt hat.
Die Marktreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Aktien großer Versicherungsmakler und Versicherer gaben zum Wochenbeginn deutlich nach. Die Börse, dieses gnadenlose Barometer wirtschaftlicher Erwartungen, hat offenbar verstanden, was viele Branchenvertreter noch nicht wahrhaben wollen: Das klassische Geschäftsmodell des Versicherungsvertriebs steht vor einer fundamentalen Erschütterung.
Eine „klare Kampfansage" an die Maklerbranche
Nele Wollert, Vertriebschefin beim Start-up Muffintech, formulierte es mit bemerkenswerter Deutlichkeit. Die aktuellen Entwicklungen seien eine „klare Kampfansage" an Makler. Diese müssten sich nun ernsthaft fragen, welchen Mehrwert sie überhaupt noch brächten. Ein vernichtender Satz – und doch trifft er den Kern des Problems. Denn der entscheidende Vorteil der KI-gestützten Versicherungsangebote liegt in ihrer Omnipräsenz: Der Anbieter sei dort präsent, wo die Menschen sich ohnehin aufhielten, so Wollert.
Und genau hier liegt die tektonische Verschiebung. Während der klassische Versicherungsmakler darauf angewiesen ist, dass der Kunde zu ihm kommt – sei es ins Büro, ans Telefon oder zumindest auf seine Website –, kommt die KI zum Kunden. Mitten in den Alltag. Mitten ins Gespräch mit dem Chatbot. Ohne Wartezeiten, ohne Terminvereinbarungen, ohne das lästige Ausfüllen endloser Formulare.
Deutschland im Fadenkreuz der Disruption
Branchenkenner erwarten, dass die Auswirkungen auch den deutschen Markt mit voller Wucht treffen werden. Und das in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft ohnehin unter enormem Druck steht. Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat zwar ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur aufgelegt, doch ob damit auch die digitale Transformation der Finanzbranche adäquat begleitet wird, darf bezweifelt werden. Deutschland hinkt bei der Digitalisierung seit Jahren hinterher – und die jüngsten Entwicklungen im KI-Bereich drohen, diesen Rückstand noch schmerzhafter zu machen.
Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Tausende von Versicherungsmaklern in Deutschland mittelfristig um ihre Existenz bangen werden. Ein Berufsstand, der über Jahrzehnte das Rückgrat des deutschen Versicherungsvertriebs bildete, könnte innerhalb weniger Jahre marginalisiert werden. Und während in den USA und Spanien bereits Fakten geschaffen werden, diskutiert man hierzulande vermutlich noch über Regulierungsrahmen und Datenschutzbedenken.
Die Ironie der Geschichte
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Versicherungsbranche – jene Industrie, die ihr Geschäftsmodell auf der Absicherung gegen Risiken aufgebaut hat – nun selbst zum Opfer eines Risikos wird, das sie offenbar nicht ausreichend auf dem Schirm hatte. Die Künstliche Intelligenz frisst ihre Kinder, könnte man sagen. Oder besser: Sie frisst deren Vertriebskanäle.
Für den Verbraucher mag diese Entwicklung zunächst verlockend klingen. Schnellere Angebote, mehr Transparenz, niedrigere Kosten – wer würde da Nein sagen? Doch die Kehrseite der Medaille ist weniger glänzend. Wenn Algorithmen entscheiden, welche Police einem Kunden angeboten wird, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Neutralität dieser Empfehlungen. Wer bezahlt die Platzierung? Wer profitiert von der Auswahl? Und wer kontrolliert, ob die KI tatsächlich im Interesse des Kunden handelt – oder im Interesse desjenigen, der am meisten für die prominente Platzierung zahlt?
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie rasant sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern. In Zeiten solcher Umbrüche gewinnt die Frage nach der Sicherung des eigenen Vermögens eine ganz neue Dimension. Während digitale Geschäftsmodelle kommen und gehen, Aktien von Versicherungskonzernen an einem einzigen Tag zweistellig einbrechen können und ganze Branchen über Nacht disrupted werden, bieten physische Edelmetalle wie Gold und Silber seit Jahrtausenden einen verlässlichen Anker der Wertbeständigkeit. Wer sein Portfolio klug diversifiziert und physische Edelmetalle als Beimischung zur Vermögenssicherung nutzt, ist gegen solche Verwerfungen deutlich besser gewappnet.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für Verluste, die aus der Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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