
Wahlkrimi in Brasilien: Lulas Ex-Anwalt verlängert die Stichwahl!

Brasiliens Präsidenten-Stichwahl ist am Sonntag in die Verlängerung gegangen. Cristiano Zanin, Richter am Obersten Gerichtshof, ließ die Wahllokale landesweit zwei Stunden länger öffnen, bis 19 Uhr Ortszeit. Den Antrag dafür hatte das Lager von Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gestellt. Kurz vor der Entscheidung zwischen dem Sozialisten und dem konservativen Senator Flávio Bolsonaro bekommt der Wahlabend damit einen bitteren Beigeschmack.
Busprobleme als BegrĂĽndung
Begründet wurde der Antrag mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr. Medienberichten zufolge hatte Lulas Lager auf Störungen bei Bussen in neun Bundesstaaten verwiesen, die Wähler zu den Urnen bringen sollten. Auch Bolsonaros Team hatte für einzelne Regionen im Süden mehr Zeit beantragt, dort wegen heftiger Regenfälle. Der Unterschied: Gestattet wurde eine landesweite Verlängerung, und zwar auf Lulas Antrag hin.
Pikant ist der Zeitpunkt. Die Anordnung kam laut Berichten erst gegen 17 Uhr, also genau dann, als die Wahllokale schließen sollten. Die Wahlbehörde TSE hatte bereits erste Ergebnisse veröffentlicht. Nach 0,25 Prozent ausgezählter Stimmen lag Lula bei 57,66 Prozent. Danach wurde die Auszählung unterbrochen. Vor vielen Wahllokalen herrschte Chaos, etliche waren schon geschlossen. Erst später stellten Zanin und die TSE klar, dass nur Lokale geöffnet bleiben sollten, die noch nicht geschlossen hatten.
Ein Richter mit Vergangenheit
Das politische Gewicht der Entscheidung hat einen Grund: Zanin war früher Lulas persönlicher Anwalt. Lula selbst berief ihn 2023 an das Oberste Gericht. Den Fall bekam Zanin Berichten zufolge per Zufallsprinzip zugeteilt. Ein schlechtes Bild gibt das trotzdem ab. Bolsonaros Verbündete werfen dem Gericht vor, sich über die Zuständigkeit der Wahlbehörde hinweggesetzt zu haben.
Belege für Manipulation gibt es bislang nicht. Die entscheidende Frage stellt sich aber trotzdem: Hilft das zusätzliche Zeitfenster vor allem dem Amtsinhaber? Wenn ein Rennen so knapp ist, entscheidet schon die Wahlbeteiligung in einzelnen Hochburgen über die Präsidentschaft.
Kopf-an-Kopf-Rennen bis zuletzt
Es ging um viel. Gut 159 Millionen Brasilianer waren wahlberechtigt. Im ersten Wahlgang Anfang Oktober lag Bolsonaro mit 47,03 Prozent vor Lula mit 45,16 Prozent, obwohl die Umfragen damals Lula vorn gesehen hatten. Eine letzte Erhebung von AtlasIntel fĂĽr Bloomberg sah Bolsonaro bei 51 zu 49 Prozent. Laut Goldman Sachs war sein Vorsprung in den letzten Tagen aber kleiner geworden. Auf der Wettplattform Polymarket galt der Senator mit 82 Prozent als klarer Favorit.
Dazu kommt die Vorgeschichte. 2022 hatte Lula den Vater Jair Bolsonaro so knapp geschlagen wie kein Kandidat seit der Rückkehr zur Demokratie 1985. Jair Bolsonaro erkannte die Niederlage nicht an, seine Anhänger stürmten Regierungsgebäude. Später wurde er wegen eines Putschplans zu 27 Jahren Haft verurteilt. Jede Unregelmäßigkeit am Wahltag belastet das ohnehin geringe Vertrauen in die Institutionen zusätzlich.
Märkte wetten auf den Rechtsruck
An den Finanzmärkten kam die Nachricht schlecht an. Ein auf Brasilien-Aktien bezogenes Derivat auf der Plattform Hyperliquid verlor sofort 3,5 Prozent. Zuvor hatte es deutlich über dem iShares-MSCI-Brasilien-ETF notiert. Analysten der UBS rechnen bei einem Lula-Sieg mit einem schwächeren Real und einem Dollarkurs zwischen 5,30 und 5,50. Gewinnt Bolsonaro, könnte der Real auf 4,70 bis 4,80 je Dollar zulegen.
Die Märkte fürchten unter Lula höhere Defizite, mehr Schulden und steigende Zinsen. Ein Sieg Bolsonaros würde dagegen den Rechtsruck in Lateinamerika fortsetzen, wo Verbündete von US-Präsident Trump in diesem Jahr bereits in Chile, Peru und Kolumbien gewonnen haben. Das Ergebnis wird zwei bis drei Stunden nach Schließung der Wahllokale erwartet. Eines zeigt der Abend schon jetzt: Wenn Politik Währungen innerhalb von Stunden ins Wanken bringt, bleiben Gold und Silber ein Wert, den kein Gericht und keine Wahlbehörde verändern kann.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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