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29.10.2026
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Wahl-Krimi in Karlsruhe: Kostet das BSW Merz die Mehrheit?

Wahl-Krimi in Karlsruhe: Kostet das BSW Merz die Mehrheit?
Symbolbild: KI-generiert

Sahra Wagenknecht geht frontal auf Bundeskanzler Friedrich Merz los. Die BSW-Gründerin spricht dem CDU-Chef die demokratische Legitimation ab und erhöht den Druck auf das Bundesverfassungsgericht. Dort liegt seit Februar 2026 die Beschwerde ihrer Partei gegen das Ergebnis der Bundestagswahl. Fällt das Urteil zugunsten des BSW aus, könnte das Berliner Machtgefüge ins Rutschen geraten.

9529 Stimmen, die alles verändern könnten

Die Ausgangslage ist so knapp wie selten in der Geschichte der Bundesrepublik. Bei der vorgezogenen Wahl am 23. Februar 2025 landete das Bündnis Sahra Wagenknecht bei 4,98 Prozent. Gerade einmal 9529 Zweitstimmen fehlten für den Einzug in den Bundestag.

Das BSW vermutet Zählfehler. Der Verdacht der Partei: Auf dem Stimmzettel stand das Bündnis Deutschland direkt über dem Bündnis Sahra Wagenknecht, Stimmen könnten deshalb verwechselt worden sein. Nach eigenen Auswertungen habe das Bündnis Deutschland in einzelnen Wahlbezirken auffällig hohe Ergebnisse erzielt. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Verdacht nicht: In Bremen wurden 37 BSW-Stimmen zunächst dem Bündnis Deutschland zugeschlagen, der Fehler wurde später korrigiert.

Der Bundestag wies die Einsprüche zurück. Seitdem liegt der Fall beim Bundesverfassungsgericht.

Wagenknechts Breitseite gegen den Kanzler

Im Gespräch mit der Berliner Zeitung schlug Wagenknecht schrille Töne an:

„Merz ist wahrscheinlich der erste Kanzler, der ohne demokratische Legitimation ins Amt gekommen ist.“

Ihre Partei werde „massiv benachteiligt“, so die BSW-Gründerin. Wären die Grünen oder die FDP derart knapp gescheitert, hätte es aus ihrer Sicht bei ähnlichen Zählfehlern längst eine schnelle Überprüfung gegeben. Es gehe ihr nicht in erster Linie um das BSW, sondern um die Demokratie. Die Wähler hätten ein Recht darauf, dass ihre Stimmen korrekt ausgezählt werden.

Das ist harter Tobak, und mancher wird darin vor allem Wahlkampf sehen. Den Kern der Frage kann man trotzdem nicht einfach abtun: Ist das Parlament, das über Hunderte Milliarden an neuen Schulden entscheidet, auch korrekt zusammengesetzt?

Karlsruhe lässt sich Zeit, der Bundestag erst recht

Das Gericht hatte schon im August angekündigt, noch 2026 entscheiden zu wollen. Jetzt ist Ende Oktober, und Wagenknecht wird ungeduldig. Dass Karlsruhe womöglich länger brauche als der Bundestag, sei nicht nachvollziehbar, kritisierte sie. Der Weg für eine Neuauszählung müsse endlich frei werden.

Mit dem Vorwurf des Schneckentempos steht sie nicht allein da. Im August stellten die Verfassungsrichter dem Parlament in einer anderen Wahlprüfungssache ein schlechtes Zeugnis aus. Von 1041 Einsprüchen gegen die Wahl habe der Bundestag bis dahin nur rund 450 erledigt, der Vorgänger-Bundestag hatte in ähnlicher Zeit etwa 2000 geschafft. Den Wahlprüfungsausschuss setzte das Parlament zudem erst im Juni 2025 ein, drei Monate nach der konstituierenden Sitzung. Einen zwingenden Grund dafür erkannte das Gericht nicht.

Das Horror-Szenario für Schwarz-Rot

Was passiert, wenn das BSW Recht bekommt? Dann müssten die Sitze im Bundestag neu verteilt werden, und Union und SPD verlören ihre Mehrheit. Rechnerisch bliebe eine Mehrheit mit den Grünen. Ob die Grünen dafür bereitstünden, ist aber völlig offen. Und sie würden sich ihren Preis bezahlen lassen, wohl vor allem in der Klima- und Haushaltspolitik.

Findet sich keine stabile Mehrheit, wären am Ende Neuwahlen denkbar. Dazu kommt eine pikante Fußnote: Nach Berechnungen des „Stern“ könnte sogar Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ihr Mandat verlieren und damit auch ihr Amt an der Spitze des Parlaments.

Vertrauen steht auf dem Spiel

Egal wie Karlsruhe entscheidet: Die Hängepartie schadet dem Vertrauen in die Institutionen. Eine Regierung, die mit Sondervermögen und Rekordschulden Fakten für Jahrzehnte schafft, braucht ein unangreifbares Fundament. Je länger die Klärung dauert, desto mehr Bürger dürften sich fragen, warum ausgerechnet bei der Kernfrage der Demokratie so viel Zeit vergeht.

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