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Verfassungspreis für die Corona-Erklärerin: Hessen ehrt Nguyen-Kim!

Verfassungspreis für die Corona-Erklärerin: Hessen ehrt Nguyen-Kim!
Symbolbild: KI-generiert

Eine Premiere mit Beigeschmack in Wiesbaden: Am Mittwochabend hat Hessens Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) zum ersten Mal den Verfassungspreis des Landes verliehen. Ausgezeichnet wurden die Wissenschaftsjournalistin und TV-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim und der Künstler Gunter Demnig. Begründet wurde die Wahl mit dem Kampf gegen Desinformation, und das klingt fast schon wie das Glaubensbekenntnis unserer Zeit.

Großer Bahnhof im Kurhaus

Medienberichten zufolge kamen rund 250 Gäste in den Christian-Zais-Saal des Wiesbadener Kurhauses. ZDF-Gesicht Andrea Kiewel moderierte den Abend, die Sängerin Yvonne Catterfeld übernahm die Musik. Anlass ist das 80. Jubiläum der Hessischen Verfassung. Sie wurde am 29. Oktober 1946 beschlossen und ist die älteste Landesverfassung Deutschlands, die heute noch gilt.

Geld gibt es für den Preis keines. Die Geehrten bekommen eine Skulptur des Kasseler Bildhauers Stephan Balkenhol und eine Urkunde. Künftig soll der Preis alle fünf Jahre verliehen werden. Wer ihn bekommt, entscheidet die Landtagspräsidentin, und zwar im Benehmen mit ihren Stellvertretern.

Lob für die „Fakten-Verteidigerin“

Wallmann zeichnete in ihrer Laudatio ein düsteres Bild. Wegen Falschmeldungen, Desinformation und KI-generierter Bilder werde es immer schwerer, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Das gefährde „unsere Demokratie“. Nguyen-Kim wirke dieser Entwicklung mit wissenschaftlicher Expertise, gründlicher Recherche und verständlichen Erklärungen „wirkungsvoll entgegen“.

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte über beide Preisträger:

„Jede Generation braucht Menschen, die für die Werte der Verfassung eintreten, Fakten gegen Desinformation verteidigen und die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten.“

Vom YouTube-Kanal in die Tagesthemen

Die promovierte Chemikerin aus Heppenheim begann 2016 mit Wissenschaftsvideos auf YouTube. Bald wurde Funk auf sie aufmerksam, das beitragsfinanzierte Jugendangebot von ARD und ZDF. Ihren Durchbruch hatte sie Anfang April 2020 mit dem Video „Corona geht gerade erst los“, das millionenfach angeklickt wurde.

Im selben Monat sprach sie in den ARD-Tagesthemen einen Kommentar. Darin warnte sie vor „ungeduldigen Stimmen“, die einen „schnelleren Ausweg durch Herdenimmunität fordern“. Diese Debatte sei faul. Ihr Rezept lautete: die Infektionszahlen senken, Infektionsketten nachverfolgen, „gerne auch via App“, und durchhalten, „bis ein Impfstoff kommt“. Danach ging es steil bergauf, mit eigenen Sendungen und vielen Gastauftritten.

Wer entscheidet eigentlich, was Fakt ist?

Genau hier setzen Kritiker an. Die Corona-Jahre haben gezeigt, wie schnell scheinbar sichere Gewissheiten ins Wanken geraten können. Schulschließungen, Ausgangssperren und Impfdruck sehen heute viele deutlich kritischer als damals. Nicht ohne Grund arbeitet der Bundestag die Pandemie inzwischen in einer Enquete-Kommission auf.

Nun wird ausgerechnet eine prominente Stimme der damaligen Maßnahmen-Linie als Bollwerk gegen Desinformation geehrt. Für viele Bürger dürfte das ein Signal in die falsche Richtung sein. Wer legt fest, was „Fakt“ und was „Desinformation“ ist? Eine Landesregierung? Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, den die Bürger mit 18,36 Euro Rundfunkbeitrag im Monat bezahlen? In einer offenen Gesellschaft sollte das die freie Debatte klären und nicht ein Festakt mit Skulptur.

Demnig: Ein Preisträger ohne Fragezeichen

Die zweite Ehrung ist deutlich weniger umstritten. Gunter Demnig aus Alsfeld verlegt seit rund 30 Jahren Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Nach Angaben des Landtags liegen inzwischen etwa 116.000 dieser Messingsteine in fast 1.900 Kommunen. Damit ist es das größte dezentrale Mahnmal der Welt, ein Lebenswerk, das Respekt verdient.

Umso bedauerlicher ist, dass die erste Verleihung zu einem Streit darüber wird, wer die Deutungshoheit hat. Ein Verfassungspreis sollte die Bürger verbinden und nicht spalten. Bei dieser Premiere hat das nur zur Hälfte geklappt.

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