
US-Dienstleister schwächeln, Preise explodieren: Was heißt das für Gold?

Amerikas Dienstleister haben im September an Schwung verloren, die Preise im Sektor ziehen dagegen so stark an wie seit über drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) fiel am Montag auf 54,9 Punkte. Gold reagierte gelassen und notierte zuletzt bei rund 4.141 US-Dollar je Unze.
Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Randnotiz. Tatsächlich steckt in den Zahlen ein Warnsignal, das Sparer auf beiden Seiten des Atlantiks ernst nehmen sollten.
Wachstum ja, aber mit angezogener Handbremse
Im August hatte der Index noch bei 55,4 Punkten gelegen. Ökonomen hatten mit 55 gerechnet, die Erwartungen wurden also knapp verfehlt. Werte über 50 bedeuten Wachstum. Der Dienstleistungssektor, das Rückgrat der US-Wirtschaft, wächst also weiter, nur eben langsamer.
Deutlicher war der Rückgang bei der Geschäftstätigkeit: Dieser Teilindex sackte von 61,7 auf 56,5 Punkte ab. Die Neuaufträge gaben leicht auf 59,8 nach. Ein kleiner Lichtblick kam vom Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsindex stieg mit 50,1 Punkten erstmals seit drei Monaten wieder knapp in den Wachstumsbereich.
Der eigentliche Paukenschlag: die Preise
Die brisanteste Zahl steht weiter unten im Bericht. Der Preisindex kletterte auf 74 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2022. Damals wütete in den USA die schlimmste Inflation seit vier Jahrzehnten. Seit 22 Monaten liegt dieser Wert ununterbrochen über 60 Prozent, im Jahresschnitt bei 69 Prozent.
Woher kommt der Druck? Laut ISM-Ausschusschef Steve Miller nannten die befragten Unternehmen Zölle und Treibstoffkosten als wichtigste Belastung ihrer Lieferketten. Spritkosten seien sogar doppelt so oft erwähnt worden wie jedes andere einzelne Problem. Auch der Auftragsrückstau erreichte mit 58,3 Punkten den höchsten Wert seit Juli 2022.
Stagflation lässt grüßen
Schwächeres Wachstum bei steigenden Preisen: Ökonomen nennen diese Mischung Stagflation. Notenbanker fürchten sie wie kaum etwas anderes, denn jedes Mittel gegen das eine Problem verschärft das andere. Dazu passt der US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag. Medienberichten zufolge entstanden im September nur 29.000 neue Stellen, erwartet worden waren rund 89.000. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent.
Gold zwischen Zinsangst und Krisenschutz
Warum steigt Gold dann nicht sofort steil an? Die Antwort liegt bei der US-Notenbank. Solange die Inflation hartnäckig bleibt, rechnen Marktteilnehmer eher mit hohen als mit sinkenden Zinsen. Hohe Renditen bei Anleihen bremsen kurzfristig das zinslose Edelmetall. Medienberichten zufolge verlor Gold in der vergangenen Woche mehr als drei Prozent, auf Monatssicht liegt das Minus bei gut fünf Prozent.
Der größere Rahmen sieht anders aus. Auf Jahressicht liegt Gold nach Marktdaten rund 7,7 Prozent im Plus. Umgerechnet kostet die Unze aktuell etwa 3.700 Euro. Schwächt sich die US-Wirtschaft weiter ab, könnte die Fed gezwungen sein, umzusteuern. Gold hat in solchen Phasen historisch oft profitiert.
Die Lehre für deutsche Sparer
Was in Washington passiert, landet früher oder später in Europa. Zölle verteuern den Handel, teure Energie treibt die Kosten, und eine Bundesregierung, die mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen auf neue Schulden setzt, schützt das Ersparte ihrer Bürger nicht vor Kaufkraftverlust. Wer auf Papierversprechen von Staaten und Notenbanken baut, trägt das Risiko am Ende selbst.
Physisches Gold und Silber sind keine Wunderwaffe gegen kurzfristige Kursschwankungen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen haben sie sich aber über Jahrzehnte als stabiler Anker in unruhigen Zeiten bewährt. Gerade jetzt, da Inflationssignale zurückkehren, ist das ein Argument, das Gewicht hat.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst umfassend informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.












