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21.08.2026
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Uni Gent suspendiert Plagiatsjäger: Wird hier der Aufklärer bestraft?

Uni Gent suspendiert Plagiatsjäger: Wird hier der Aufklärer bestraft?
Symbolbild: KI-generiert

Belgien, Donnerstag: Die Universität Gent hat den amerikanischen Forscher Nathan Cofnas vorläufig vom Dienst suspendiert. Cofnas hatte die Plagiatsvorwürfe gegen den Cambridge-Soziologen Jason Arday öffentlich gemacht. Arday war vergangenen Freitag tot in seiner Wohnung in London aufgefunden worden – er wurde 41 Jahre alt.

Nun läuft ein Disziplinarverfahren. Nicht gegen den Beschuldigten. Sondern gegen denjenigen, der die Vorwürfe recherchiert hat.

„Vorsorgliche Maßnahme“ – mit klarer Botschaft

Die Hochschule teilte mit, sie prüfe in einem disziplinarrechtlichen Vorverfahren, ob genügend Gründe bestünden, den Fall an die zuständige Instanz weiterzureichen. Bis dahin sei der Mitarbeiter vorsorglich freigestellt. Details nenne man aus Gründen des Personaldatenschutzes nicht.

In derselben Erklärung bekennt sich die Universität zur Achtung der Menschenwürde und zur Ablehnung von Diskriminierung, Hass und Rassismus. Und zur akademischen Freiheit – aber eben nur bis zu einer Grenze, die sie selbst zieht, wie Kritiker des Vorgehens anmerken. Freiheit gehe mit Verantwortung einher und könne zum Schutz der Rechte anderer eingeschränkt werden, heißt es sinngemäß.

Cofnas selbst reagierte auf X trocken: Er sei suspendiert worden und werde „mit ziemlicher Sicherheit“ entlassen. Die Entscheidung, so schrieb er, sei von Rektorin Petra De Sutter getroffen worden – einer früheren Spitzenpolitikerin der flämischen Grünen, die bis 2025 auch stellvertretende Ministerpräsidentin Belgiens war.

Der Fall Arday: Karriere, Kritik, Katastrophe

Arday war 2023 in Cambridge zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Universität berufen worden. Seine Themen: Minderheitenförderung im Bildungswesen, „Intersektionalität“, Antidiskriminierung. Er beriet Medienberichten zufolge unter anderem den britischen Gesundheitsdienst NHS und den Privatsender ITV.

Im Juli 2026 veröffentlichte Cofnas auf seinem Blog Vorwürfe, wonach bereits Ardays Doktorarbeit an zahlreichen Stellen ohne Quellenangabe aus einer anderen Dissertation übernommen haben soll. Arday wies die Vorwürfe zurück. Eine Untersuchung der Liverpool John Moores University, an der Arday promoviert hatte, kam den Vorwürfen nach Medienberichten – unter anderem von LBC und Times Higher Education – nicht nach: Die Prüfung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Doktorarbeit Bestand habe. Die von Cofnas erhobenen Plagiatsvorwürfe zur Dissertation gelten demnach nach offizieller Prüfung als nicht bestätigt. Später gerieten unabhängig davon auch Teile seiner spektakulären Lebensgeschichte in die Kritik – etwa die Angabe, er habe bis zum 18. Lebensjahr nicht lesen und schreiben können und 30 Marathons in 35 Tagen absolviert.

Nach seinem Rücktritt in Cambridge folgte der Tod. Medienberichten zufolge soll es sich um Suizid gehandelt haben; offizielle Ermittlungsergebnisse liegen dazu bislang nicht vor. Ein Todesfall, der jeden erschüttern muss – und der die Debatte sofort in eine andere Richtung kippte.

Wenn der Bote zum Angeklagten wird

Auf einer Mahnwache am Londoner Trafalgar Square, organisiert von der Gruppe „Stand Up to Racism“, warfen Redner Cofnas eine erbarmungslose Kampagne vor. Der Vorsitzende der britischen Grünen, Zack Polanski, forderte auf X eine stärkere Regulierung der Presse und erklärte, dass wenige Milliardäre den Großteil der Presse besäßen, habe mit Pressefreiheit nichts zu tun.

Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der bemerkenswerte Punkt: Aus einem Fall möglicher wissenschaftlicher Unredlichkeit wird eine Debatte über Medienkontrolle. Kritiker sprechen von einer Umkehr der Beweislast – geprüft werde nicht mehr, ob eine Behauptung stimmt, sondern wer sie äußert.

Für Cofnas ist es der zweite Bruch dieser Art. Bereits in Cambridge geriet er wegen eines Textes über ethnische Quoten an US-Universitäten massiv unter Druck; sein Wechsel nach Gent hatte dort Proteste ausgelöst. Über 300 Beschäftigte und Studenten sollen laut Berichten schon im März gegen seine Berufung protestiert haben.

Die Universität betont, die Suspendierung sei keine Vorverurteilung. Wie glaubwürdig das ist, wird sich zeigen. Für die europäische Wissenschaftsfreiheit ist der Fall ein Testlauf – und die Zwischenbilanz fällt aus Sicht unserer Redaktion ernüchternd aus.

Hinweis der Redaktion: Einzelne in diesem Artikel wiedergegebene Vorwürfe und Einschätzungen beruhen auf Medienberichten und Aussagen Beteiligter, die nicht in allen Punkten unabhängig verifiziert werden konnten. Die gegen Jason Arday erhobenen Plagiatsvorwürfe zu seiner Doktorarbeit wurden nach Medienberichten von einer offiziellen Untersuchung der Liverpool John Moores University geprüft und nicht bestätigt.

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