
Ungarns Opposition kopiert Orbán: Wenn der Herausforderer zum Spiegelbild wird
Was sich derzeit in Ungarn abspielt, dürfte so manchen Brüsseler Bürokraten die Zornesröte ins Gesicht treiben. Zwei Monate vor der Parlamentswahl am 12. April 2026 liegt die oppositionelle Tisza-Partei unter Péter Magyar in den Umfragen acht bis zehn Prozentpunkte vor Viktor Orbáns Fidesz. Eigentlich ein Grund zum Jubeln für all jene, die seit Jahren auf einen „proeuropäischen Kurswechsel" in Budapest hoffen. Doch wer genauer hinschaut, erlebt eine bittere Überraschung.
Der Herausforderer als Orbán-Kopie
Péter Magyar, von der Brüsseler Blase bereits als eine Art demokratischer Heilsbringer stilisiert, übernimmt in den entscheidenden politischen Fragen zunehmend die Argumentationslinien ausgerechnet jenes Mannes, den er ablösen will. Ob Ukraine-Politik oder Migration – der vermeintliche Gegenentwurf zu Orbán klingt verdächtig nach dem Original. Ein Treppenwitz der Geschichte? Oder schlicht politischer Realismus?
Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz positionierte sich Magyar unmissverständlich gegen einen beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine. Die ungarische Opposition unterstütze dies nicht, erklärte er vor Journalisten. Alle Beitrittskandidaten müssten die Kopenhagener Kriterien erfüllen – eine Aussage, die wortgleich aus dem Munde Orbáns hätte stammen können. Proukrainische Stimmen in den sozialen Medien reagierten entsprechend konsterniert.
Wahltaktik schlägt Ideologie
Die Erklärung für dieses scheinbare Paradoxon ist so simpel wie ernüchternd: Magyar will gewinnen. Und wer in Ungarn landesweit die Mehrheit erringen möchte, kann sich nicht allein auf das weltoffene, EU-freundliche Milieu der Hauptstadt Budapest stützen. In den ländlichen Regionen, wo Fidesz traditionell dominiert, herrscht eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Waffenlieferungen an die Ukraine und einer forcierten EU-Integration Kiews. Eine allzu deutliche Abkehr von Orbáns außenpolitischer Linie würde Magyar genau jene Wechselwähler kosten, die er für einen Machtwechsel dringend benötigt.
Auch im Europäischen Parlament stimmen Tisza-Abgeordnete auffällig häufig mit Fidesz überein oder enthalten sich, wenn es um eine stärkere Unterstützung der Ukraine oder eine schärfere Verurteilung Russlands geht. Die Beteiligungsquote der Tisza-Parlamentarier liegt zudem deutlich unter dem Durchschnitt – ein Detail, das Orbán-nahe Medien genüsslich ausschlachten.
Migration: Sicherheit statt Brüsseler Wunschdenken
Besonders aufschlussreich ist Magyars Haltung in der Migrationsfrage. Die Tisza-Partei lehnt – ebenso wie Fidesz – den EU-Migrations- und Asylpakt ab und propagiert eine „Security first"-Migrationspolitik. Statt Orbáns Kurs frontal anzugreifen, wählt Magyar eine vorsichtige, teils nahezu identische Wortwahl und betont nationale Interessen ebenso wie europäische Verpflichtungen. Man könnte fast meinen, der Apfel falle nicht weit vom Stamm – zumal Magyar selbst jahrelang Mitglied der Fidesz-Partei war.
Diese Strategie ist durchaus clever. Orbán versucht seinen Herausforderer als „Brüsseler Marionette" und verlängerten Arm ausländischer Interessen zu brandmarken. In seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation warnte der 63-jährige Ministerpräsident vor einer angeblichen „Tisza-Brüssel-Großkapital-Koalition", die Ungarn in den Krieg hineinziehen wolle. Die „wahren Gegner" seien „deren Herren in Brüssel" – gemeint sind vor allem EVP-Chef Manfred Weber und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Ein Lehrstück für ganz Europa
Was sich in Ungarn abspielt, ist weit mehr als ein lokales Wahlkampfphänomen. Es ist ein Lehrstück darüber, wie die politische Realität ideologische Wunschvorstellungen pulverisiert. Die Brüsseler Hoffnung, mit einem Regierungswechsel in Budapest automatisch einen gefügigen Partner zu bekommen, erweist sich als naiv. Magyar verspricht zwar einen „Regimewechsel" und tritt mit einem Anti-Korruptionskurs an, doch in den substanziellen Politikfeldern signalisiert er Kontinuität.
Analysten des European Policy Centre sehen darin eine bewusste Strategie: Indem Magyar in sensiblen Fragen keine scharfen Gegenpositionen formuliere, nehme er Orbáns zentralem Wahlkampfnarrativ die Grundlage. Er signalisiere Wählern außerhalb des liberalen Großstadtmilieus, dass auch er nationale Souveränität nicht leichtfertig preisgeben würde.
Für die EU ergibt sich daraus ein höchst ambivalentes Bild. Orbáns mögliche Abwahl wäre für die liberale Brüssel-Blase zweifellos ein symbolisch großer Sieg. Doch ein einfacher „Reset" der Beziehungen zu Budapest? Davon sollte niemand träumen. Die ungarische Bevölkerung hat offenkundig klare Vorstellungen davon, welche Politik sie wünscht – und diese deckt sich in vielen Punkten eher mit Orbáns Kurs als mit den Phantasien Brüsseler Technokraten. Dass ein Herausforderer dies anerkennt, statt gegen die eigene Wählerschaft zu arbeiten, zeugt von politischem Instinkt. Man könnte es auch Demokratie nennen.
Die ungarischen Wahlen am 12. April werden zeigen, ob Magyars Strategie aufgeht. Eines steht jedoch bereits fest: Wer geglaubt hat, mit einem neuen Gesicht in Budapest würde sich die ungarische Außen- und Migrationspolitik grundlegend ändern, der hat die Stimmung im Land gründlich missverstanden. Vielleicht sollten sich manche Politiker in Berlin und Brüssel fragen, warum konservative und souveränitätsorientierte Positionen in so vielen europäischen Ländern auf derart breite Zustimmung stoßen – statt reflexhaft jeden als Populisten abzustempeln, der sie vertritt.
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