
Tschechien will Kinder vor dem digitalen Sumpf schützen: Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige geplant
Während sich westeuropäische Regierungen seit Jahren in endlosen Debatten über Jugendschutz im Internet verlieren, macht Prag nun Nägel mit Köpfen. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš hat sich unmissverständlich für ein Verbot sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren ausgesprochen. Eine Entscheidung, die man sich auch hierzulande wünschen würde – doch dafür bräuchte es politischen Mut, der in Berlin bekanntlich Mangelware ist.
Babiš spricht Klartext: „Wir müssen unsere Kinder schützen"
In einem Video auf Facebook – ausgerechnet auf jener Plattform also, die er für Minderjährige sperren lassen will – erklärte der 71-jährige Milliardär und Regierungschef seine Position. Experten hätten ihm verdeutlicht, dass soziale Medien für Kinder „schrecklich schädlich" seien. Keine Überraschung für jeden, der mit offenen Augen durch die Welt geht und sieht, wie eine ganze Generation mit gesenktem Kopf durch das Leben scrollt.
Tschechiens Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček konkretisierte den Zeitplan: Noch vor Jahresende solle das Kabinett eine Entscheidung treffen. Sportminister Boris Šťastný brachte es auf den Punkt, als er auf der Plattform X schrieb, Kinder sollten lieber Sport treiben und auf den Spielplatz gehen, statt vor dem Handy oder Computer zu sitzen. Eine so simple wie wahre Erkenntnis, die man in Deutschland vermutlich erst durch drei Ministerien, fünf Arbeitsgruppen und ein Dutzend Expertengremien schleusen müsste, bevor sie in einem verwässerten Kompromisspapier versickert.
Ein internationaler Trend mit Substanz
Tschechien steht mit diesem Vorstoß keineswegs allein. Australien hat bereits 2025 als Vorreiter ein Verbot für unter 16-Jährige durchgesetzt. Kinder und Jugendliche dürfen dort keine eigenen Social-Media-Konten mehr besitzen. Frankreich zieht nach: Die Nationalversammlung stimmte kürzlich für ein Nutzungsverbot sozialer Netzwerke für unter 15-Jährige, wobei der Senat noch zustimmen muss.
Die Gründe liegen auf der Hand. Cybermobbing, problematischer Medienkonsum, psychische Belastungen durch verstörende Inhalte – die Liste der Gefahren, denen Minderjährige in den digitalen Weiten ausgesetzt sind, wird mit jedem Jahr länger. Studien belegen seit langem den Zusammenhang zwischen exzessiver Social-Media-Nutzung und Depressionen, Angststörungen sowie Schlafproblemen bei Jugendlichen. Dass es überhaupt einer politischen Debatte bedarf, um Kinder vor diesem digitalen Gift zu schützen, sagt viel über den Zustand unserer Gesellschaft aus.
Kritiker warnen – doch wer schützt die Kinder?
Natürlich fehlen auch die üblichen Bedenkenträger nicht. Kritiker warnen vor Einschränkungen der Grundrechte und einer Gefährdung der Privatsphäre. Man fragt sich unwillkürlich: Welche Grundrechte hat ein Zehnjähriger auf TikTok eigentlich auszuüben? Das Recht, sich von Algorithmen manipulieren zu lassen? Das Recht auf ungehinderten Zugang zu Inhalten, die selbst manchen Erwachsenen den Schlaf rauben würden?
Seit Dezember regiert in Tschechien eine Koalition aus Babišs rechtspopulistischer ANO und zwei weiteren Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums. Und siehe da – es braucht offenbar konservative Kräfte, um das Selbstverständliche durchzusetzen: den Schutz der eigenen Kinder. Während progressive Kräfte in ganz Europa lieber darüber debattieren, ob Kinder ihr Geschlecht frei wählen können sollten, kümmern sich andere um die tatsächlichen Bedrohungen für die jüngste Generation.
Deutschland täte gut daran, diesem Beispiel zu folgen. Statt immer neue Gender-Leitfäden für Schulen zu entwickeln, sollte die Große Koalition unter Friedrich Merz den Mut aufbringen, Kinder vor den nachweislich schädlichen Auswirkungen sozialer Medien zu bewahren. Traditionelle Werte wie gemeinsames Spielen, Sport und echte soziale Interaktion – nicht die digitale Karikatur davon – sind es, die unsere Kinder stark machen. Prag hat das offenbar verstanden. Berlin noch nicht.

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