
Trumps Zinsdeckel für Kreditkarten: Warum die Wall Street aufatmen kann

Die Finanzmärkte reagierten am Freitag mit spürbarer Nervosität auf eine Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Über seine Plattform Truth Social verkündete er, ab dem 20. Januar 2026 eine einjährige Obergrenze von zehn Prozent für Kreditkartenzinsen einführen zu wollen. Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten – doch Analysten der UBS dämpfen die Erwartungen erheblich.
Kursrutsch bei Finanzwerten auf beiden Seiten des Atlantiks
Die Ankündigung traf die Finanzbranche wie ein kalter Schauer. Capital One stürzte im vorbörslichen Handel um satte 8,7 Prozent ab, während American Express 4,4 Prozent einbüßte. Auch die Kreditkartenriesen Mastercard und Visa mussten Federn lassen. Selbst europäische Institute mit US-Kreditkartengeschäft wie Barclays, Santander und HSBC gerieten unter Druck.
Trump bezeichnete die aktuellen Zinssätze von 20 bis 30 Prozent als regelrechte Abzocke der amerikanischen Verbraucher. Seine Botschaft war unmissverständlich: Die Ära der Wucherzinsen soll ein Ende haben. Das Datum der geplanten Einführung fällt nicht zufällig auf den Jahrestag seiner zweiten Amtseinführung – ein symbolträchtiger Zeitpunkt, der sein Wahlkampfversprechen von 2024 einlösen soll.
UBS-Analysten sehen erhebliche Hürden
Die UBS-Analysten Erika Najarian und Tim Chiodo erteilten den Plänen jedoch eine deutliche Absage. Ihre Einschätzung: Die Umsetzung sei "unwahrscheinlich". Die Begründung liegt im amerikanischen Rechtssystem selbst. Für eine solche Zinsobergrenze wäre ein Kongressbeschluss erforderlich, da eine Durchsetzung per Exekutivorder vor überwältigenden rechtlichen Herausforderungen stehen würde.
Als warnendes Beispiel führen die Analysten die gescheiterte Gebührenregel des Consumer Financial Protection Bureau an, die mittlerweile als "tot im Wasser" gilt. Zudem berichten Medien, dass Kreditkartenzinsobergrenzen zwar im Rahmen des Genius Act 2025 diskutiert wurden, letztlich aber nicht aufgenommen wurden – ein deutlicher Hinweis auf den Einfluss der Finanzlobby.
Die paradoxe Wirkung gut gemeinter Regulierung
Besonders bemerkenswert ist die Warnung der Analysten vor den unbeabsichtigten Folgen einer solchen Maßnahme. Eine Zinsobergrenze von zehn Prozent würde ausgerechnet jene treffen, denen sie helfen soll: die arbeitende Bevölkerung. Rund 26 Prozent der Kreditkartenausgaben wären demnach "ernsthaft gefährdet", was eine Abschwächung der Konsumwirtschaft nach sich ziehen könnte.
JPMorgan-Analyst Vivek Juneja brachte es auf den Punkt: Die Zinsobergrenze würde das eigentliche Problem nicht lösen. Die Wurzel des Übels liege in den steigenden Leitzinsen der Federal Reserve. Stattdessen könnten Verbraucher in noch teurere Schuldenformen gedrängt werden – ein klassisches Beispiel für den Weg zur Hölle, der mit guten Absichten gepflastert ist.
Die Macht der Finanzlobby
Bloomberg Intelligence-Analyst Philip Richards verwies auf die Stärke der amerikanischen Bankenlobby, die eine vollständige Durchsetzung verhindern dürfte. Die Geschichte gibt ihm Recht: Selbst progressive Senatoren wie Bernie Sanders haben in der Vergangenheit ähnliche Gesetzesentwürfe eingebracht, ohne dass diese jemals zu geltendem Recht wurden.
Für konservative Beobachter zeigt dieser Vorgang einmal mehr die Grenzen staatlicher Eingriffe in freie Märkte. Während der Schutz der Verbraucher ein legitimes Anliegen darstellt, führen planwirtschaftliche Preiskontrollen selten zum gewünschten Ergebnis. Die Finanzmärkte haben diese Lektion offenbar bereits verinnerlicht – die anfängliche Panik dürfte sich als übertrieben erweisen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor finanziellen Entscheidungen eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.
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