
Trump plant Pharma-Strafzölle bis 250 Prozent: Ein gefährlicher Protektionismus-Kurs
Die Drohgebärden aus Washington nehmen kein Ende. US-Präsident Donald Trump hat der internationalen Pharmaindustrie nun mit drakonischen Strafzöllen von bis zu 250 Prozent gedroht, sollten die Konzerne ihre Medikamentenpreise in den USA nicht drastisch senken. Was als vermeintlicher Schutz amerikanischer Verbraucher daherkommt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als gefährlicher protektionistischer Irrweg, der die globalen Lieferketten zu zerstören droht.
Eskalation im Handelsstreit
„Wir wollen, dass Arzneimittel in unserem Land hergestellt werden", polterte Trump bei seiner jüngsten Ankündigung. Der Stufenplan sieht zunächst „kleine" Zölle vor, die dann binnen anderthalb Jahren auf schwindelerregende 250 Prozent ansteigen sollen. Besonders im Visier des Republikaners: die Schweiz, die nach Trumps Worten „ein Vermögen mit Arzneimitteln" mache. Aber auch deutsche Unternehmen wie Boehringer Ingelheim geraten ins Fadenkreuz des präsidialen Zorns.
Die Rhetorik des US-Präsidenten offenbart dabei eine bemerkenswerte Unkenntnis internationaler Wirtschaftszusammenhänge. Trump wirft den Pharmakonzernen vor, ihre Produkte in Europa zu „rabattieren", um dann die entgangenen Erlöse durch „extrem hohe Preise" in den USA wieder hereinzuholen. Dass die Preisunterschiede möglicherweise auch mit den unterschiedlichen Gesundheitssystemen und Regulierungen zu tun haben könnten, scheint in Trumps simplifizierter Weltsicht keinen Platz zu finden.
Das „sozialistische" Deutschland als Feindbild
Besonders pikant: Trump kritisierte erneut das „sozialistische Gesundheitssystem in Deutschland", das angeblich zur schwierigen Lage in den USA beigetragen habe. Eine Aussage, die nicht nur faktisch fragwürdig ist, sondern auch die fundamentalen Unterschiede zwischen dem deutschen Sozialversicherungssystem und dem amerikanischen Marktmodell ignoriert. Während deutsche Patienten durch regulierte Preise vor Wucher geschützt werden, zahlen Amerikaner oft horrende Summen für lebensnotwendige Medikamente – ein hausgemachtes Problem, das Trump nun auf ausländische Sündenböcke abwälzen möchte.
Märkte in Aufruhr
Die Finanzmärkte reagierten bereits nervös auf Trumps Drohgebärden. Der europäische Pharmaindex gab deutlich nach – ein Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Verwerfungen, die solche Strafzölle nach sich ziehen würden. Die Branche warnt seit langem, dass drastische Preissenkungen die Entwicklung neuer Medikamente hemmen würden. Ein Argument, das durchaus Gewicht hat: Die Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe verschlingt Milliarden und dauert oft Jahrzehnte.
Trumps 60-Tage-Ultimatum an Konzerne wie Pfizer, Novartis und Boehringer Ingelheim erinnert dabei fatal an die gescheiterten Fristen vom Mai. Schon damals war eine 30-Tage-Frist ergebnislos verstrichen – ein Zeichen dafür, dass sich internationale Konzerne nicht einfach per präsidialem Dekret erpressen lassen.
Halbleiter als nächstes Ziel
Als wäre die Eskalation im Pharmabereich nicht genug, kündigte Trump auch noch Zölle auf Halbleiter und Chips an – „in der nächsten Woche oder so", wie er nebulös mitteilte. Ein Schritt, der die ohnehin angespannten globalen Lieferketten weiter belasten und die Technologiebranche in Turbulenzen stürzen könnte.
Was Trump als „America First"-Politik verkauft, könnte sich schnell als Bumerang erweisen. Strafzölle von 250 Prozent würden Medikamente für amerikanische Patienten nicht billiger, sondern im Zweifel unbezahlbar machen. Die Kosten würden am Ende die Verbraucher tragen – jene Menschen, die Trump angeblich schützen will.
Ein gefährlicher Präzedenzfall
Trumps Vorgehen setzt einen gefährlichen Präzedenzfall für den internationalen Handel. Wenn jedes Land beginnt, mit astronomischen Strafzöllen um sich zu werfen, um heimische Industrien zu schützen, steht das gesamte System des freien Welthandels auf dem Spiel. Die Leidtragenden wären nicht nur die Konzerne, sondern vor allem die Patienten weltweit, die auf bezahlbare Medikamente angewiesen sind.
Es bleibt zu hoffen, dass sich in Washington noch vernünftige Stimmen durchsetzen, bevor dieser protektionistische Amoklauf irreparable Schäden anrichtet. Die Geschichte lehrt uns: Handelskriege kennen keine Gewinner – nur Verlierer auf allen Seiten.
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