
Traditionsunternehmen aus dem Schwäbischen gerettet – doch der Preis ist hoch
Es ist eine Geschichte, die exemplarisch für den Zustand der deutschen Industrielandschaft steht: Die 1899 gegründete Dosenfabrik Müller & Bauer aus Metzingen – das älteste noch bestehende Industrieunternehmen der schwäbischen Mittelstadt – konnte zwar aus der Insolvenz befreit werden. Doch ein Drittel der Belegschaft verliert den Arbeitsplatz. Ein Rettungsmanöver mit bitterem Beigeschmack.
Vom Nachfrageeinbruch in die Zahlungsunfähigkeit
Metzingen, im Landkreis Reutlingen gelegen, kennt man gemeinhin als Heimat der Outletcity und des Modekonzerns Hugo Boss. Dass hier seit über 125 Jahren auch Metallverpackungen für Kunden in Deutschland, Europa und Übersee gefertigt werden, dürfte den wenigsten bekannt sein. Umso härter traf es die Region, als Müller & Bauer im Oktober 2025 am Amtsgericht Tübingen Insolvenz anmelden musste. Der Grund: ein drastischer Nachfragerückgang, ein damit verbundener Umsatzeinbruch und ein gescheiterter Sanierungsversuch durch den Hauptgesellschafter. Ein klassisches Muster, das man in diesen Tagen leider viel zu häufig beobachten muss.
Die deutsche Industrie – einst das Rückgrat unseres Wohlstands – ächzt unter einer erdrückenden Last aus Bürokratie, explodierenden Energiekosten und einer Wirtschaftspolitik, die den Mittelstand systematisch vernachlässigt. Müller & Bauer ist dabei nur ein weiteres Symptom einer tiefgreifenden Malaise, die sich durch das gesamte produzierende Gewerbe zieht.
Hessische Firmengruppe greift zu
Das Amtsgericht Tübingen ordnete ein Eigenverwaltungsverfahren an und berief den Rechtsanwalt Felix Melzer als Sachverwalter. Dessen erklärtes Ziel: eine Investorenlösung finden. Und tatsächlich gelang es ihm. Die Limburger Packaging Group mit Sitz in Limburg an der Lahn – eine Firmengruppe, deren Wurzeln bis zur 1872 gegründeten Blechwarenfabrik Limburg zurückreichen – übernahm das Metzinger Traditionsunternehmen im Rahmen einer sogenannten übertragenden Sanierung.
Seit Anfang Februar firmiert das Unternehmen nun unter dem nüchternen Namen MB Metallverpackung GmbH und ist ein Tochterunternehmen der hessischen Gruppe. CEO Hugo Trappmann erklärte, man stärke mit der Übernahme gezielt den Kernbereich chemisch-technischer Anwendungen und erweitere gleichzeitig das Angebot um Metallverpackungen für den Nahrungs- und Genussmittelbereich sowie den Kosmetiksektor. Klingt nach Aufbruch. Doch für 30 Menschen bedeutet diese Rettung das Ende.
30 Arbeitsplätze fallen dem Rotstift zum Opfer
Von den ursprünglich 91 Mitarbeitern werden nur 60 übernommen. Die komplette Druckabteilung wird nicht fortgeführt – 30 Angestellte erhielten ihre Kündigung. Für sie wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat ein Sozialplan erstellt. Man mag argumentieren, dass zwei Drittel der Arbeitsplätze immerhin erhalten blieben. Doch für die Betroffenen ist das ein schwacher Trost.
Dass bei Übernahmen aus der Insolvenz nicht alle Stellen gerettet werden können, ist freilich keine Seltenheit. Erst kürzlich übernahm ein Konzern aus Dubai einen deutschen Verpackungshersteller – dort fielen sogar 175 Arbeitsplätze weg. Dennoch muss man sich fragen: Wie lange kann sich Deutschland noch leisten, seine industrielle Substanz scheibchenweise zu verlieren? Jeder einzelne dieser Fälle steht für Familien, die um ihre Existenz bangen, für Regionen, die an Wirtschaftskraft einbüßen, und für ein Land, das seinen Wohlstand zunehmend auf Sand baut.
Ein Warnsignal, das die Politik nicht überhören darf
Die Rettung von Müller & Bauer ist zunächst eine gute Nachricht – keine Frage. Doch sie sollte niemanden darüber hinwegtäuschen, dass die Rahmenbedingungen für den deutschen Mittelstand nach wie vor katastrophal sind. Während die neue Große Koalition unter Friedrich Merz ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg bringt und damit kommende Generationen mit Schulden belastet, kämpfen Traditionsunternehmen im ganzen Land ums Überleben. Die Frage drängt sich auf: Wäre es nicht sinnvoller, die bestehende Industrie zu stärken, statt immer neue Schuldenberge aufzutürmen?
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und einer Industriepolitik, die mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert, erweist sich einmal mehr die Weisheit, auf bewährte Werte zu setzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg als verlässlicher Wertspeicher gedient – ganz im Gegensatz zu Unternehmensbeteiligungen, die über Nacht ihren Wert verlieren können. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, tut gut daran, Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit gestreuten Portfolios in Betracht zu ziehen.

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