
Traditionsbruch im Juristenstand: Der „Juristentag" soll seinen eigenen Namen opfern
Was sich anhört wie eine Realsatire, ist bitterer Ernst: Der Verein „Deutscher Juristentag" – eine Institution mit einer Tradition, die bis ins Jahr 1860 zurückreicht – plant eine Satzungsänderung, die nichts Geringeres vorsieht als die Abschaffung des eigenen Namens. Künftig soll nur noch vom „djt – Recht mitgestalten" die Rede sein. Auch die seit über 160 Jahren stattfindende Versammlung soll nicht mehr „Juristentag" heißen, sondern schlicht „die Tagung". Blutleerer, traditionsloser und unterwürfiger gegenüber dem Zeitgeist geht es kaum noch.
Wenn Sprachpolizei auf Rechtsgelehrte trifft
Die offizielle Begründung des Vereins klingt so harmlos wie durchsichtig: Die Abkürzung „djt" werde bereits seit Jahren in der internen und externen Kommunikation verwendet, eine Anpassung würde zu „Klarheit in der Außendarstellung" führen. Zugleich stelle die Abkürzung „eine zeitgemäße und praktikable Form des Vereinsnamens dar, ohne die Identität oder Tradition unseres Vereins in Frage zu stellen". Man muss kein Jurist sein, um die Hohlheit dieser Argumentation zu durchschauen. Denn wer seinen Namen abschafft, stellt sehr wohl seine Identität in Frage – er vernichtet sie geradezu.
Der Jurist Tim Drygala brachte es auf der Plattform X auf den Punkt: Man fahre zum „Juristentag" und nicht zum „DJT". Hinter der vermeintlich harmlosen Umbenennung vermutet er den eigentlichen Antrieb – die Angst vor dem Vorwurf, nicht gegendert zu haben. Das Wort „Juristentag" meine halt, so die Logik der Gender-Ideologen, nur die Männer. Und deshalb müsse man sich dem Zeitgeist anpassen, „auch wenn der sich gerade dreht", wie Drygala treffend bemerkte.
Vorauseilender Gehorsam als deutsches Kulturgut
Was hier geschieht, ist symptomatisch für einen Zustand, der weite Teile der deutschen Institutionenlandschaft befallen hat wie ein schleichendes Fieber. Statt Rückgrat zu zeigen und die eigene Tradition selbstbewusst zu verteidigen, knickt man ein – nicht etwa, weil es einen konkreten Anlass gäbe, sondern aus reiner Angst vor möglicher Kritik. Es ist jener typisch deutsche vorauseilende Gehorsam, der schon so manches Unheil über dieses Land gebracht hat.
Dabei sollte gerade der Juristenstand wissen, dass die deutsche Sprache das sogenannte generische Maskulinum kennt – eine grammatische Form, die alle Geschlechter einschließt und seit Jahrhunderten funktioniert. Wer „Juristen" sagt, meint selbstverständlich Männer und Frauen gleichermaßen. Das weiß jeder, der die deutsche Sprache beherrscht und nicht ideologisch verblendet ist. Doch offenbar reicht selbst ein Jurastudium nicht mehr aus, um diese simple linguistische Tatsache zu begreifen.
Die Gender-Landschaft der Juristenvereinigungen
Ein Blick auf andere juristische Organisationen zeigt, wohin die Reise geht. Die ehemals der DKP nahestehende „Vereinigung Demokratischer Jurist:innen e.V." arbeitet bereits mit dem Genderdoppelpunkt. SPD-nahe Organisationen wie der „Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein" setzen auf umständliche Doppelnennungen. Und dann gibt es noch den „Deutschen Juristinnenbund" – eine Organisation, der ausschließlich Frauen angehören dürfen. Man stelle sich den Aufschrei vor, würde jemand einen reinen Männerverein gründen wollen.
Die Ironie der Geschichte ist kaum zu übersehen: Ausgerechnet jene Berufsgruppe, die von der Präzision der Sprache lebt, die Urteile formuliert, Verträge aufsetzt und Gesetze interpretiert – ausgerechnet diese Zunft kapituliert vor einer ideologisch motivierten Sprachverstümmelung. Wenn selbst Juristen nicht mehr den Mut aufbringen, die Integrität der deutschen Sprache zu verteidigen, wer soll es dann noch tun?
Ein Symptom des kulturellen Verfalls
Der nächste Juristentag – oder sollte man schon sagen: „die Tagung"? – wird im September dieses Jahres stattfinden. Dort wird unter anderem über das Thema Sterbehilfe debattiert. Vielleicht sollte man auch gleich über die Sterbehilfe für traditionsreiche Institutionsnamen diskutieren, denn offenbar ist der Wille zur Selbstabschaffung in gewissen Kreisen grenzenlos.
Was wir hier beobachten, ist weit mehr als eine banale Namensänderung. Es ist ein Symptom des kulturellen Verfalls, der Deutschland seit Jahren erfasst hat. Traditionen werden nicht mehr als Fundament verstanden, auf dem eine Gesellschaft steht, sondern als lästiges Relikt, das es zu entsorgen gilt. Man erinnere sich nur an die Umbenennung der deutschen Fußballnationalmannschaft: Aus „Die Mannschaft" wurde ein gesichtsloses Marketingprodukt. Nun trifft es den Juristentag. Wer ist als Nächstes dran? Der Weihnachtsmann? Der Osterhase?
Es wäre an der Zeit, dass die Verantwortlichen in diesem Land – ob in der Politik, in der Justiz oder in der Gesellschaft – endlich wieder den Mut aufbringen, zu ihren Traditionen zu stehen. Denn eine Gesellschaft, die ihre eigene Geschichte und Sprache nicht mehr zu schätzen weiß, hat bereits verloren, bevor der Kampf überhaupt begonnen hat. Der Deutsche Juristentag sollte seinen Namen mit Stolz tragen – seit 1860 und hoffentlich noch viele Jahrzehnte darüber hinaus.

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