
Tödlicher Angriff auf UN-Blauhelme im Libanon: Waffenruhe nur auf dem Papier?

Wieder sterben Friedenssoldaten im SĂŒdlibanon â und die Weltgemeinschaft schaut zu. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hat den jĂŒngsten Angriff auf die UNIFIL-Mission, bei dem ein französischer Blauhelm-Soldat getötet und drei weitere verletzt wurden, mit scharfen Worten verurteilt. Doch was nĂŒtzen scharfe Worte, wenn Kugeln fliegen?
Ein französischer Soldat bezahlt mit seinem Leben
Der Vorfall ereignete sich am Samstag, als Friedenstruppen der Vereinten Nationen eine StraĂe zwischen zwei UN-Stellungen im Einsatzgebiet im SĂŒdlibanon untersuchten. Dort waren Berichten zufolge improvisierte SprengsĂ€tze platziert worden. WĂ€hrend dieser Inspektion gerieten die Blauhelme unter Beschuss. Nach einer vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung der UNIFIL seien die SchĂŒsse von nichtstaatlichen Akteuren abgefeuert worden â mutmaĂlich von der Hisbollah.
Besonders brisant: Es handelt sich bereits um den dritten tödlichen Vorfall innerhalb weniger Wochen, bei dem UNIFIL-Soldaten ums Leben kamen. Und das, obwohl erst am 16. April eine zehntĂ€gige Waffenruhe verkĂŒndet worden war. Man fragt sich unweigerlich: Was ist eine Waffenruhe wert, die niemand einhĂ€lt?
Guterres fordert â doch wer hört zu?
Der UN-GeneralsekretĂ€r rief alle Konfliktparteien dazu auf, die Einstellung der Feindseligkeiten zu respektieren und das Feuer einzustellen. DarĂŒber hinaus mĂŒssten sĂ€mtliche Akteure ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht nachkommen und die Sicherheit des UN-Personals sowie die Unverletzlichkeit von UN-Eigentum jederzeit gewĂ€hrleisten. Angriffe auf FriedenssicherungskrĂ€fte mĂŒssten aufhören, so der Sprecher von Guterres.
Man kennt diese Appelle. Sie klingen stets gleich, und sie verhallen stets gleich wirkungslos. Die Vereinten Nationen befinden sich in einer GlaubwĂŒrdigkeitskrise, die mit jedem toten Blauhelm-Soldaten tiefer wird. Seit Jahrzehnten ist die UNIFIL-Mission im SĂŒdlibanon stationiert, seit Jahrzehnten gelingt es nicht, die Region dauerhaft zu befrieden. Die Hisbollah, eine vom Iran finanzierte Miliz, agiert dort faktisch als Staat im Staate â und die internationale Gemeinschaft hat dem wenig entgegenzusetzen.
Europas Soldaten in der Schusslinie â und Berlin schweigt
Dass es diesmal einen französischen Soldaten traf, sollte Europa aufhorchen lassen. Frankreich stellt seit jeher einen bedeutenden Anteil der UNIFIL-Truppen. Doch wo bleibt die europĂ€ische SolidaritĂ€t? Wo bleibt eine klare Ansage aus Berlin, Paris oder BrĂŒssel? Stattdessen verliert man sich in diplomatischen Floskeln und Betroffenheitsrhetorik.
Die Eskalation im Nahen Osten â man denke nur an die dramatischen Entwicklungen zwischen Israel und dem Iran â zeigt ĂŒberdeutlich, dass die bisherige Sicherheitsarchitektur gescheitert ist. Europa, und insbesondere Deutschland, muss endlich begreifen, dass Sicherheitspolitik nicht mit Sonntagsreden zu machen ist. Wer seine Soldaten in Krisengebiete entsendet, muss auch bereit sein, sie zu schĂŒtzen â notfalls mit harten Konsequenzen fĂŒr diejenigen, die auf sie schieĂen.
Die Lage im Libanon ist ein Spiegelbild einer Welt, in der das Recht des StĂ€rkeren zunehmend das Völkerrecht ersetzt. Solange Organisationen wie die Hisbollah ungestraft Blauhelme angreifen können, bleibt jede Waffenruhe nichts weiter als ein StĂŒck Papier. Und jeder weitere tote Friedenssoldat ist ein Armutszeugnis fĂŒr eine internationale Ordnung, die ihren Namen nicht mehr verdient.
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