
Tödliche Gewalt gegen Zugbegleiter: Wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann

Ein 36-jähriger Familienvater, zwei Kinder, die nun ohne ihren Vater aufwachsen müssen – weil er nichts weiter tat, als seinen Job zu erledigen. Der brutale Angriff auf einen Zugbegleiter in einem Regionalzug bei Kaiserslautern hat Deutschland erschüttert. Oder besser gesagt: Er hätte Deutschland erschüttern müssen. Denn was folgt, ist das übliche Ritual aus Betroffenheitsbekundungen, Krisengipfeln und vagen Versprechungen. Doch diesmal, so scheint es, ist der Druck auf die Verantwortlichen so groß, dass zumindest der Anschein von Handlungsfähigkeit gewahrt werden soll.
Ein Sicherheitsgipfel als Pflaster auf einer klaffenden Wunde
Am Freitag trafen sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Bahnchefin Evelyn Palla sowie Vertreter von Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern des öffentlichen Nahverkehrs zu einem sogenannten Sicherheitsgipfel. Es sollte um neue Konzepte gehen, um die Beschäftigten im Bahnverkehr besser vor Übergriffen zu schützen. Bodycams mit Tonaufnahme, eine flächendeckende Doppelbesetzung bei Zugbegleitern, mehr Präsenz der Bundespolizei – die Forderungsliste ist lang. Die entscheidende Frage aber lautet: Warum musste erst ein Mensch sterben, damit überhaupt darüber gesprochen wird?
Der Fall ist schnell erzählt und doch kaum zu ertragen. Serkan C., so der Name des getöteten Zugbegleiters, wollte einen Fahrgast ohne gültiges Ticket des Zuges verweisen. Eine alltägliche Situation, tausendfach erlebt in deutschen Regionalzügen. Doch diesmal endete sie tödlich. Der Fahrgast schlug zu – mit solcher Brutalität, dass der 36-Jährige an seinen Kopfverletzungen verstarb. Der mutmaßliche Täter, ein 26-jähriger Grieche, sitzt in Untersuchungshaft.
3.000 Übergriffe pro Jahr – und das sind nur die gemeldeten Fälle
Was viele Bürger nicht wissen: Dieser Fall ist kein Einzelfall. Er ist lediglich die grausame Spitze eines Eisbergs, der seit Jahren immer größer wird. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Deutsche Bahn rund 3.000 körperliche Übergriffe auf ihre Beschäftigten. Dreitausend. Man lasse sich diese Zahl auf der Zunge zergehen. Das sind mehr als acht Angriffe pro Tag – und dabei handelt es sich wohlgemerkt nur um die Fälle innerhalb des DB-Konzerns, nicht um die Vorfälle bei den zahlreichen Wettbewerbsbahnen im Regionalverkehr.
Eine Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) unter rund 4.000 Mitarbeitenden zeichnet ein noch düstereres Bild: Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben an, bereits einen verbalen oder körperlichen Übergriff im Arbeitskontext erlebt zu haben. Fast zehn Prozent berichteten von sexueller Belästigung. Knapp zwei Drittel erklärten, ihr Sicherheitsempfinden habe sich in den vergangenen fünf Jahren teils dramatisch verschlechtert. Diese Zahlen sind nicht nur alarmierend – sie sind ein Armutszeugnis für den Zustand unserer Gesellschaft.
Die Forderungen der Gewerkschaften
Sowohl die EVG als auch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordern seit langem konkrete Maßnahmen. Im Zentrum steht die Forderung nach einer flächendeckenden Doppelbesetzung: Mindestens zwei Zugbegleiter sollen künftig in jedem Regionalzug Dienst tun. Bei Zügen ab neun Wagen sei sogar eine Dreierbesetzung – ein Zugchef und zwei Zugbegleiter – zwingend erforderlich, wie die GDL-Betriebsräte in einem offenen Brief an die Bahnchefin formulierten. Denn wer allein in einem Zug mit hunderten Fahrgästen unterwegs ist, steht im Ernstfall schutzlos da.
Darüber hinaus drängt die EVG auf den flächendeckenden Einsatz von Bodycams mit Tonaufnahme. Im Regionalverkehr der Deutschen Bahn stünden diese zwar bereits allen Mitarbeitenden zur Verfügung, doch im Fernverkehr, an Bahnhöfen und bei den Wettbewerbsbahnen sei dies noch längst nicht der Fall. Die Kameras könnten insbesondere dazu beitragen, verbale Übergriffe zu dokumentieren und Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Die unbequeme Wahrheit: Wer soll das bezahlen?
Natürlich – und das überrascht niemanden – steht hinter all diesen Forderungen die alles entscheidende Frage: Wer trägt die Kosten? Eine ausnahmslose Doppelbesetzung aller Regionalzüge könnte Schätzungen zufolge Hunderte Millionen Euro zusätzlich verschlingen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat bereits vorsorglich darauf hingewiesen, dass eine „flächendeckende Präsenz von Sicherheitspersonal in allen Fahrzeugen und in allen Bahnhöfen" aus finanziellen und personellen Gründen ebenso wenig umsetzbar sei wie „ein Polizist an jeder Straßenecke".
Eine bemerkenswerte Aussage. Denn sie offenbart das eigentliche Problem: Der Staat hat offenbar weder die Mittel noch den Willen, seine Bürger – und in diesem Fall seine Beschäftigten im öffentlichen Dienst – angemessen zu schützen. Milliarden fließen in ideologische Prestigeprojekte, in ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, dessen Zinslast kommende Generationen erdrücken wird, doch für die Sicherheit derjenigen, die tagtäglich das Land am Laufen halten, fehlt angeblich das Geld.
Ein Symptom einer tiefgreifenden Krise
Man muss den Blick weiten, um zu verstehen, was hier eigentlich geschieht. Die zunehmende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter ist kein isoliertes Phänomen. Sie ist Ausdruck einer allgemeinen Verrohung der Gesellschaft, die sich in steigenden Kriminalitätszahlen, in Messerangriffen auf offener Straße und in einer wachsenden Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten und Regeln manifestiert. Die Kriminalität in Deutschland befindet sich auf einem Rekordniveau – und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Fehlpolitik, die Sicherheit und Ordnung zugunsten ideologischer Experimente geopfert hat.
Es ist nicht nur die Meinung unserer Redaktion, sondern die eines Großteils der deutschen Bevölkerung: Wir brauchen Politiker, die wieder für Deutschland regieren und nicht gegen die Interessen der eigenen Bürger. Politiker, die verstehen, dass Sicherheit kein Luxus ist, sondern ein Grundrecht. Dass ein Zugbegleiter, der morgens zur Arbeit fährt, abends lebend nach Hause kommen muss. Dass ein Vater von zwei Kindern nicht sterben darf, weil er einen Schwarzfahrer kontrolliert.
Bodycams und Doppelbesetzung – notwendig, aber nicht hinreichend
Selbstverständlich sind Bodycams und mehr Personal sinnvolle Maßnahmen. Sie können abschrecken, dokumentieren und im Ernstfall Hilfe ermöglichen. Doch sie bekämpfen lediglich Symptome. Die eigentliche Krankheit – eine Gesellschaft, in der Gewalt gegen Bedienstete des öffentlichen Lebens zur Normalität geworden ist – lässt sich nicht mit Kameras und Personalaufstockungen heilen. Dafür braucht es einen grundlegenden Wandel: härtere Strafen für Gewalttäter, konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze und eine Politik, die den Schutz der eigenen Bevölkerung wieder zur obersten Priorität erklärt.
Ob der Sicherheitsgipfel bei der Bahn tatsächlich zu spürbaren Verbesserungen führen wird, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt Skepsis. Zu oft schon wurden nach aufsehenerregenden Vorfällen Maßnahmenpakete geschnürt, die sich im bürokratischen Dickicht verloren oder an der Finanzierungsfrage scheiterten. Serkan C. jedenfalls kann von all den Versprechungen nichts mehr hören. Seine beiden Kinder werden ohne ihren Vater aufwachsen. Das ist die bittere Realität hinter den Sonntagsreden – und sie sollte uns alle wachrütteln.
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