
Terrorverdacht: Jugendliche planten Anschläge auf Asylunterkünfte – Generalbundesanwalt erhebt Anklage
Die Generalbundesanwaltschaft hat Anklage gegen acht mutmaßliche Mitglieder einer rechtsextremen Zelle erhoben, die sich selbst als „Letzte Verteidigungswelle" bezeichnet. Die Beschuldigten, zum Zeitpunkt ihrer Festnahme zwischen 14 und 21 Jahren alt, müssen sich wegen versuchten Mordes sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Sieben der acht Angeklagten sitzen bereits seit Monaten in Untersuchungshaft.
Radikalisierung im Jugendalter: Ein besorgniserregendes Phänomen
Was diese Fälle besonders erschreckend macht, ist das jugendliche Alter der Beschuldigten. Minderjährige, die sich zu terroristischen Akten hinreißen lassen – das wirft fundamentale Fragen auf. Wie konnte es so weit kommen? Wo waren die Eltern, die Schulen, die Behörden? Die Radikalisierung junger Menschen geschieht offenbar nicht im luftleeren Raum, sondern in einer Gesellschaft, die zunehmend polarisiert erscheint.
Die Gruppierung verstand sich nach Angaben der Ermittler als „letzte Instanz zur Verteidigung der Deutschen Nation". Ihr erklärtes Ziel: durch Gewalttaten gegen Migranten und politische Gegner einen Zusammenbruch des demokratischen Systems herbeizuführen. Eine Ideologie, die nicht nur verfassungsfeindlich, sondern schlichtweg menschenverachtend ist.
Konkrete Anschläge bereits verübt
Die Anklage stützt sich auf handfeste Taten. Am 23. Oktober 2024 legten zwei Beschuldigte ein Feuer in einem Kulturhaus im brandenburgischen Altdöbern. Dass die dort lebenden Menschen nicht verletzt wurden, war laut Generalbundesanwaltschaft „lediglich Zufall". Ein weiterer Anschlagsversuch ereignete sich am 5. Januar 2025 in Schmölln, Thüringen. Dort schlugen zwei Angeklagte ein Fenster einer Asylbewerberunterkunft ein und versuchten, brennende Pyrotechnik ins Gebäudeinnere zu schießen. Das Feuer brach glücklicherweise nicht aus.
Ein geplanter Brandanschlag auf eine Unterkunft im brandenburgischen Senftenberg konnte durch die rechtzeitige Festnahme der. Zusätzlich werden vier Angeklagten mehrfache Körperverletzungen zur Last gelegt – sie sollen zwischen August 2024 und Mai 2025 Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten.
Gewalt ist niemals eine Lösung
Eines muss unmissverständlich klargestellt werden: Terroristische Gewalt, gleich welcher politischen Couleur, ist durch nichts zu rechtfertigen. Wer Asylunterkünfte anzündet, wer Menschen aufgrund ihrer Herkunft angreift, der stellt sich außerhalb jeder zivilisierten Gesellschaft. Solche Taten schaden nicht nur den unmittelbaren Opfern, sondern vergiften das gesamte gesellschaftliche Klima.
Die berechtigte Kritik an der Migrationspolitik der vergangenen Jahre – und davon gibt es reichlich – darf niemals als Rechtfertigung für Gewalt missbraucht werden. Wer echte Veränderung will, muss den demokratischen Weg gehen: durch Wahlen, durch politisches Engagement, durch sachliche Argumentation. Brandstiftung und Körperverletzung sind keine politischen Instrumente, sondern Verbrechen.
Die Frage nach den Ursachen bleibt
Dennoch wäre es zu einfach, diese Fälle als isolierte Verirrungen abzutun. Die Radikalisierung von Jugendlichen geschieht nicht grundlos. Sie ist auch ein Symptom einer Gesellschaft, in der viele Menschen das Gefühl haben, nicht mehr gehört zu werden. Wenn etablierte Politik über Jahre hinweg legitime Sorgen der Bevölkerung ignoriert oder als „rechts" diffamiert, dann entstehen Vakuen, die von Extremisten gefüllt werden.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, sowohl konsequent gegen Extremismus vorzugehen als auch die gesellschaftlichen Spannungen zu entschärfen, die solchen Extremismus erst ermöglichen. Das eine ohne das andere wird nicht funktionieren.
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