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Kettner Edelmetalle
03.08.2026
13:01 Uhr

Telefonate, die es nie gab: Wie Kanzleramt und Berliner Senatskanzlei gemeinsam an einer Legende bastelten

Telefonate, die es nie gab: Wie Kanzleramt und Berliner Senatskanzlei gemeinsam an einer Legende bastelten

Es gibt Affären, die um Milliarden kreisen – und es gibt solche, die um wenige Sätze kreisen und dennoch tiefer blicken lassen als jeder Haushaltsplan. Der Fall Kai Wegner gehört in die zweite Kategorie. Denn hier geht es nicht um einen verunglückten Halbsatz eines übermüdeten Landespolitikers, sondern womöglich um die Frage, ob zwei Regierungszentralen – die eine in der Berliner Wilhelmstraße, die andere am Willy-Brandt-Platz – gemeinsam daran gearbeitet haben könnten, eine öffentliche Unwahrheit am Leben zu halten.

Der Ursprung: ein Stromausfall und ein Telefonat, das niemand findet

Rückblick auf Anfang Januar. Berlin ohne Strom, Zehntausende im Dunkeln, und ein Regierender Bürgermeister, der Handlungsfähigkeit demonstrieren möchte. Am 5. Januar erklärte Wegner, er habe „gestern“ – also am 4. Januar – „einmal mehr“ mit Bundeskanzler Friedrich Merz telefoniert. Zwei kleine Wörter mit großer Wirkung: „einmal mehr“ setzt logisch zwingend ein vorheriges Gespräch voraus. Der Bürgermeister als jemand, der den Kanzler im Kurzwahlspeicher hat. Ein schönes Bild. Nur offenbar keines, das der Realität entspricht.

Denn nach Recherchen des Tagesspiegels ist bereits fraglich, ob es überhaupt jemals ein direktes Gespräch zwischen Wegner und Merz gab. Die Senatskanzlei beharrte auf einem Telefonat am Abend des 4. Januar. Das Kanzleramt widersprach: Ein persönliches Gespräch habe es nicht gegeben – weder von Angesicht zu Angesicht noch am Telefon. Ein solches Telefonat sei nicht „feststellbar“, und der Kanzler könne sich auch nicht daran erinnern. Für eine Regierungszentrale, die Gesprächsprotokolle führt wie ein Notar seine Urkunden, ist das eine bemerkenswert dürre Auskunft.

Wie aus „Gesprächen mit dem Kanzleramtschef“ plötzlich „Telefonate mit Merz“ wurden

Nun wird es interessant. Das Kanzleramt hielt zunächst eisern an der Version fest, es habe „mehrere Telefonate“ zwischen Wegner und Merz gegeben. In einer Antwort vom 8. Januar hieß es, am 3. Januar habe es mehrere Gespräche des Regierenden Bürgermeisters mit dem Bundeskanzler und dem Kanzleramtsminister über mögliche Bundesunterstützung für Berlin gegeben.

Der interne Antwortentwurf jedoch – dem Bericht zufolge von der Leiterin der Abteilung für Innen- und Rechtspolitik im Kanzleramt an die Senatskanzlei weitergeleitet – kannte den Kanzler an dieser Stelle gar nicht. Dort war lediglich von Gesprächen mit „ChefBK“ die Rede, dem damaligen Chef des Bundeskanzleramts Thorsten Frei. Von Merz: kein Wort.

Aus einem Gespräch mit dem Kanzleramtschef wird auf dem Weg zur Pressestelle ein Telefonat mit dem Kanzler. Ein Schreibfehler? Oder eine Gefälligkeit?

Die eigentliche Zumutung: die Weitergabe der Presseanfragen

Das eigentliche Skandalon liegt jedoch woanders. Presseanfragen an die Bundesregierung wurden nach dem Bericht widerrechtlich an die Berliner Senatsverwaltung durchgestellt – samt Antwortentwurf. Damit war Wegner vorgewarnt, dass Journalisten seinen Aussagen auf den Grund gehen. Wer so agiert, verwandelt journalistische Kontrolle in ein abgestimmtes Spiel zwischen Parteifreunden. Zwei CDU-geführte Amtsstuben, ein gemeinsames Interesse – und die Presse als Störfaktor, den man frühzeitig durchschaut.

Beide Seiten bestreiten Absprachen. Das Kanzleramt spricht von einem Missverständnis in der Kommunikation und betont, es habe keine Verabredung mit dem Chef der Senatskanzlei oder anderen Vertretern gegeben. Man mag das glauben. Man darf aber auch fragen, wie ein „Missverständnis“ ausgerechnet in jene Richtung ausschlägt, die dem Regierenden Bürgermeister aus der Bredouille hilft.

Warum das mehr ist als eine Berliner Provinzposse

Friedrich Merz ist mit dem Versprechen angetreten, Seriosität und Verlässlichkeit zurückzubringen. Nach der Selbstzerlegung der Ampel klang das nach einem Neuanfang. Doch was folgte, war ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, die Klimaneutralität im Grundgesetz und ein gebrochenes Schuldenversprechen. Wer beim Geld der Bürger flexibel mit Zusagen umgeht, sollte sich nicht wundern, wenn ihm auch bei der Frage, wer wann mit wem telefoniert hat, niemand mehr aufs Wort glaubt.

Vertrauen ist die härteste Währung der Politik – und sie wird, ähnlich wie Papiergeld, durch beliebige Vermehrung entwertet. Wer als Bürger diese Entwertung beobachtet, zieht daraus Schlüsse. Nicht nur an der Wahlurne, sondern auch bei der Frage, worin er seine Ersparnisse hält. Physische Edelmetalle kennen keine Antwortentwürfe, keine Missverständnisse und keine Erinnerungslücken. Ein Barren Gold liegt im Tresor und behauptet nichts.

Bleibt die Frage, die niemand beantworten will: Wie kamen Telefonate, die es offenbar nie gab, in eine offizielle Antwort der Bundesregierung? Solange darauf keine belastbare Erklärung folgt, bleibt der Verdacht im Raum stehen – und mit ihm der Eindruck, dass Parteibuchsolidarität in Deutschland immer noch schwerer wiegt als die Wahrheit gegenüber dem Bürger.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen dar. Er beinhaltet keine Anlageberatung, keine Rechtsberatung und keine Steuerberatung. Wer Vermögensentscheidungen trifft, sollte eigenständig recherchieren und im Zweifel qualifizierte Fachberatung einholen. Die Verantwortung für Anlageentscheidungen trägt jeder Anleger selbst.

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