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Kettner Edelmetalle
16.04.2026
08:08 Uhr

Tegut vor dem Aus: Rewe und Edeka teilen traditionsreiche Supermarktkette unter sich auf

Tegut vor dem Aus: Rewe und Edeka teilen traditionsreiche Supermarktkette unter sich auf

Was 1947 im beschaulichen Fulda als bodenständiges Familienunternehmen begann, endet nun als nüchternes Übernahmegeschäft der Branchenriesen. Die Supermarktkette Tegut – einst ein Aushängeschild regionaler Lebensmittelkultur – wird zerschlagen. Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich, seit 2013 Eigentümerin der Kette, zieht sich aus dem deutschen Markt zurück und verscherbelt die über 300 Filialen an den Meistbietenden. Ein weiteres Stück Mittelstandsidentität geht verloren.

Rewe sichert sich bis zu 40 Standorte

Wie die Rewe-Gruppe mitteilte, sei bereits ein Vertrag über die Übernahme von bis zu 40 Tegut-Filialen unterzeichnet worden. Den Großteil dieser Märkte wolle der Kölner Handelskonzern selbst betreiben, die übrigen Standorte sollen an die hauseigene Discountertochter Penny übergehen. Über den Kaufpreis hüllt sich das Unternehmen in Schweigen – ebenso wie über die konkreten Standorte. Immerhin: Den bisherigen Tegut-Beschäftigten werde man ein Jobangebot unterbreiten. Ob die Konditionen vergleichbar sein werden, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Die Transaktion stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe durch das Bundeskartellamt. Und genau hier könnte es spannend werden.

Edeka schnappt sich den Löwenanteil

Denn Rewe ist bei weitem nicht der einzige Interessent. Der Branchenprimus Edeka hat sich bereits rund 200 der gut 300 Tegut-Märkte gesichert – auch dieses Geschäft bedürfe noch der Zustimmung der Kartellbehörde. Selbst Aldi Nord soll nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa Interesse an einzelnen Standorten bekundet haben. Was bleibt, ist ein regelrechtes Monopoly um die Filetstücke einer sterbenden Marke.

Die Marke Tegut selbst soll aufgegeben werden. Damit verschwindet ein Name, der für viele Kunden – insbesondere in Hessen, wo sich die meisten Filialen befinden – über Jahrzehnte hinweg für Qualität und regionale Verbundenheit stand. Im Jahresabschluss der Genossenschaft Migros Zürich heißt es lapidar, die Filialen würden „zu größten Teilen an andere Lebensmitteleinzelhändler verkauft". Nüchterner kann man das Ende einer Ära kaum formulieren.

Kartellrechtler schlagen Alarm

Nicht alle sehen dem Ausverkauf gelassen entgegen. Der renommierte Kartellrechtler Rupprecht Podszun von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf warnt vor einer weiter zunehmenden Marktkonzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Er erwarte eine besonders intensive Prüfung durch das Bundeskartellamt und halte es sogar für möglich, dass die Behörde die geplanten Übernahmen ganz oder teilweise untersage.

Und tatsächlich: Die Bedenken sind mehr als berechtigt. Schon heute dominieren vier Konzerne – Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi – den deutschen Lebensmittelmarkt nahezu vollständig. Rewe allein betreibt hierzulande rund 3.800 Filialen, Penny weitere 2.100. Wenn nun auch noch die letzten unabhängigen Ketten vom Markt verschwinden, dürfte der Wettbewerb weiter erodieren – mit absehbaren Folgen für die Verbraucher.

Ein Symptom des schleichenden Mittelstandssterbens

Der Fall Tegut ist symptomatisch für eine Entwicklung, die Deutschland seit Jahren prägt: Kleine und mittelständische Unternehmen werden von Großkonzernen geschluckt, regionale Identität weicht globaler Gleichförmigkeit. Dass ausgerechnet ein Schweizer Konzern die traditionsreiche hessische Kette erst aufkaufte und nun – offenbar ohne nachhaltiges Konzept – wieder abstößt, spricht Bände über die Kurzlebigkeit moderner Unternehmensstrategien.

Für die Beschäftigten in den betroffenen Filialen beginnt nun eine Phase der Unsicherheit. Zwar versprechen sowohl Rewe als auch Edeka Jobangebote, doch wie viele Arbeitsplätze tatsächlich erhalten bleiben, wird sich erst zeigen, wenn die kartellrechtlichen Prüfungen abgeschlossen sind – und wenn klar ist, welche Standorte überhaupt weitergeführt werden. Denn eines ist sicher: Nicht jeder Tegut-Markt wird diese Transformation überleben.

In Zeiten, in denen die Inflation die Geldbeutel der Bürger ohnehin strapaziert und die Lebensmittelpreise auf Rekordniveau verharren, wäre mehr Wettbewerb im Einzelhandel dringend nötig – nicht weniger. Doch die politischen Rahmenbedingungen scheinen eher die Großen zu begünstigen als die Kleinen zu schützen. Ein Trauerspiel, das sich in immer kürzeren Abständen wiederholt.

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