
Tank-Frust zur Mittagszeit: ADAC will die 12-Uhr-Regel kippen!

Der ADAC fordert, die umstrittene 12-Uhr-Regel an deutschen Tankstellen abzuschaffen. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar punktgenau um zwölf Uhr mittags. Nach knapp sechs Monaten fällt die Bilanz aus Sicht des Automobilclubs verheerend aus: Günstiger ist Sprit dadurch nicht geworden, die Preise schwanken innerhalb eines Tages sogar stärker als vorher.
Gut gemeint, schlecht gemacht
Eigentlich klang die Idee vernünftig. Die Politik wollte das ständige Hin und Her an der Zapfsäule beenden und Autofahrern mehr Planungssicherheit geben. Die Zahl der Preisänderungen ist tatsächlich deutlich gesunken. Der Zeitpunkt der Erhöhung ist jetzt vorhersehbar. Nur beim Preis selbst hat sich nichts zum Besseren gewendet.
Laut ADAC sei die Spanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Preis eines Tages deutlich gewachsen. Wer nach zwölf Uhr tanken müsse, trage „erhebliche Zusatzkosten, die sich in keiner Weise rechtfertigen lassen“. ADAC-Verkehrspräsident Peter König bringt es auf den Punkt:
„Deshalb sollte sie abgeschafft werden.“
Besonders bitter ist das Timing. Am 17. September erreichte der Dieselpreis mit 2,471 Euro je Liter ein neues Allzeithoch. Für Pendler, Handwerker und Familien auf dem Land, die aufs Auto angewiesen sind, wird jeder Tankstopp zur Belastungsprobe.
Forscher und Kartellamt bestätigen den Befund
Mit seiner Kritik steht der ADAC nicht allein. Schon Ende April 2026 kam das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu dem Schluss, dass die Regel zu höheren Durchschnittspreisen führe. Von der Mittagszeit bis in die Abendstunden lägen die Preise systematisch über dem Tagesdurchschnitt, morgens darunter. Vor der Reform habe es über den Tag verteilt viele Gelegenheiten zum günstigen Tanken gegeben. Auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung beurteilte die Maßnahme negativ.
Selbst das Bundeskartellamt räumt die Schwächen ein. Präsident Andreas Mundt sagte, ob die Regel die Preise dämpfe, lasse sich erst langfristig beurteilen. Kurzfristig sei ein solcher Effekt „offensichtlich nicht eingetreten“. Nach Angaben der Behörde springen die Preise um zwölf Uhr teils um bis zu zehn Cent nach oben. Bis zum frühen Abend schmelzen dann 70 bis 80 Prozent dieses Aufschlags wieder ab.
Was das Kartellamt Autofahrern rät
- Die Mittagszeit meiden: Direkt nach zwölf Uhr ist Sprit besonders teuer.
- Am günstigsten tankt man laut Kartellamt vormittags.
- Abends ist es meist etwas teurer, mit Preisvergleich aber trotzdem eine brauchbare Option.
Als positiven Effekt verbucht Mundt immerhin, dass Verbraucher die Preise nun besser vergleichen könnten. Ein schwacher Trost: Der Bürger soll seinen Alltag nach dem Takt der Mineralölkonzerne ausrichten, weil eine staatliche Regel nicht so funktioniert wie versprochen.
Berlin dreht an der Steuerschraube – diesmal nach unten
Parallel dazu hat die Bundesregierung ein Entlastungspaket beschlossen. Ab dem 1. Oktober sollen die Spritpreise um 17 Cent pro Liter sinken: 14 Cent durch eine niedrigere Energiesteuer, drei Cent durch die damit verbundene geringere Mehrwertsteuer. Spätestens bis zum 1. Januar 2027 soll außerdem ein Tankpreisdeckel kommen. Die erwarteten Steuerausfälle von rund 2,5 Milliarden Euro wollen Bund und Länder unter sich aufteilen.
Die Grünen laufen dagegen Sturm. Ihr stellvertretender Fraktionschef Andreas Audretsch sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Der Tankrabatt ist zurück. Was für ein Wahnsinn.“ Das Geld müsse bei den Menschen ankommen und nicht bei den Ölkonzernen. Der ADAC hält die Steuersenkung hingegen für die derzeit realistischste Entlastung. Den Preisdeckel will der Club konstruktiv begleiten. Entscheidend seien aber die konkrete Höhe und die Frage, wie der zulässige Preis berechnet wird.
Die eigentliche Lehre
Der Fall zeigt einmal mehr, wie schnell staatliche Eingriffe in Märkte ungewollte Folgen haben. Die Mittagsregel sollte Autofahrer schützen, belastet aber am Ende vor allem die, die sich ihre Tankzeit nicht aussuchen können. Aus Sicht vieler Beobachter ist das Problem ohnehin größer als die Uhrzeit: Ein erheblicher Teil des Literpreises besteht aus Steuern und Abgaben. Wer Autofahrer dauerhaft entlasten will, muss dort ansetzen und nicht an der Uhr der Zapfsäule.
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