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10.05.2026
08:46 Uhr

Stuttgarter Stern in Gefahr: Washington droht Mercedes mit Verkaufsverbot wegen Peking-Beteiligung

Stuttgarter Stern in Gefahr: Washington droht Mercedes mit Verkaufsverbot wegen Peking-Beteiligung

Was lange als symbiotische Geschäftsbeziehung galt, könnte sich für Mercedes-Benz nun zum strategischen Albtraum entwickeln. In den Vereinigten Staaten droht dem schwäbischen Traditionskonzern ein veritables Verkaufsverbot – und der Grund liegt ausgerechnet in jenen chinesischen Beteiligungen, die man in Stuttgart vor Jahren noch als visionären Schachzug feierte. Zwei US-Senatoren haben Ende April einen Gesetzentwurf eingebracht, der für die deutsche Automobilindustrie zur existenziellen Bedrohung werden könnte.

Der "Connected Vehicle Security Act" – ein Damoklesschwert

Der Gesetzentwurf trägt den klangvollen Namen "Connected Vehicle Security Act" und zielt offiziell auf Fahrzeuge ab, deren Software oder Hardware Verbindungen zu sogenannten "ausländischen Gegnern" aufweist. Als solche werden in dem Papier explizit China, Iran, Russland und Nordkorea aufgeführt. Doch der Teufel steckt – wie so oft – im Detail.

Eine entscheidende Passage des Entwurfs sieht vor, dass Einfuhr, Herstellung sowie Verkauf und Weiterverkauf von Fahrzeugen auch dann untersagt werden sollen, wenn der Hersteller "ein Gemeinschaftsunternehmen, eine Tochtergesellschaft oder eine sonstige Einheit" ist, bei der Kapitalanteile, Aufsichtsratsposten oder "sonstige Anzeichen für eine Beherrschung – sei es direkt oder indirekt" einer Gruppe gehören, die einem gegnerischen Staat zuzuordnen ist. Genau hier wird es für Mercedes brenzlig.

Knapp 20 Prozent in chinesischer Hand

Denn der einstige Stolz deutscher Ingenieurskunst befindet sich mittlerweile zu beachtlichen 19,67 Prozent in chinesischer Hand. Berichten der Wirtschaftswoche zufolge hält der chinesische Staatskonzern BAIC Group 9,98 Prozent der Anteile, weitere 9,69 Prozent gehören dem chinesischen Investor Li Shufu, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des chinesischen Autoherstellers Geely und größter Einzelaktionär von Mercedes. In einem begleitenden Informationsschreiben zum Gesetzentwurf wird Geely direkt ins Visier genommen: Das Unternehmen könne Daten von Fahrzeugen unmittelbar nach China übermitteln, heißt es dort. Zwar sitzen weder BAIC noch Li im Aufsichtsrat – doch das könnte den US-Gesetzgebern angesichts der schieren Höhe der Beteiligung kaum genügen.

Ein Markt, der über das Schicksal entscheidet

Wie schwer ein solches Verbot wiegen würde, zeigt ein Blick auf die nackten Zahlen. Mercedes betreibt in den USA zwei Produktionsstätten mit rund 7.500 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr wurden 303.200 Fahrzeuge auf dem nordamerikanischen Markt abgesetzt – das entspricht 16,8 Prozent aller weltweit verkauften Mercedes-Modelle. Da in den Staaten überproportional die hochpreisigen Modelle Käufer finden, kletterte der Umsatzanteil sogar auf rund 23,4 Prozent. Bei einem Gesamtumsatz von 132,2 Milliarden Dollar entfielen allein 30,9 Milliarden auf das US-Geschäft. Wer diese Zahlen verliert, verliert das Herzstück seiner Profitabilität. Hinzu kämen Strafen von bis zu 1,5 Millionen US-Dollar pro Verstoß, sollte das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden.

Die deutsche Naivität rächt sich

Der Vorgang ist ein Lehrstück darüber, wohin die jahrzehntelange strategische Sorglosigkeit der deutschen Wirtschaftselite führt. Während Washington unter Präsident Donald Trump systematisch und mit unmissverständlicher Härte die eigene Industrie vor geopolitischen Risiken abschirmt, hat sich Deutschland in einer Mischung aus Gier nach Kapital und politischer Blauäugigkeit immer tiefer in die Abhängigkeit von Peking begeben. Das Ergebnis liegt nun auf dem Tisch: Ein Konzern, der einst Inbegriff deutscher Wertarbeit war, gerät zwischen die Mühlsteine der neuen geopolitischen Realität.

Bemerkenswert ist auch das Schweigen aus Stuttgart. Auf Anfrage der Wirtschaftswoche wollte sich Mercedes nicht zu dem Gesetzentwurf äußern. Wer die Aktionärsstruktur des Konzerns genauer betrachtet, dürfte verstehen, warum: Lediglich knapp 7 Prozent der Anteile befinden sich noch in deutscher Hand. Etwa 16 Prozent gehören US-Investoren, über 21 Prozent asiatischen Anteilseignern. Von einem deutschen Unternehmen im klassischen Sinne kann längst keine Rede mehr sein.

Wo bleibt die Antwort aus Berlin?

Während die US-Regierung mit harter Hand die Interessen der eigenen Wirtschaft verteidigt, herrscht in Berlin – wie so oft in den vergangenen Jahren – betretenes Schweigen. Statt eine kohärente industriepolitische Strategie zu entwickeln, ergeht sich die Politik in moralischen Belehrungen und Klimaverordnungen, die der Industrie zusätzliche Lasten aufbürden, anstatt sie wettbewerbsfähig zu halten. Der Fall Mercedes zeigt exemplarisch, wie die deutsche Automobilindustrie zwischen Brüsseler Verbrenner-Aus, ideologisch motivierter Energiepolitik und nun amerikanischen Sicherheitsgesetzen aufgerieben wird. Ein Großteil der Bevölkerung dürfte längst erkannt haben, dass die politische Klasse in Berlin den Ernst der Lage nicht begriffen hat – oder schlicht nicht begreifen will.

Was bleibt dem Anleger?

Der Fall Mercedes ist ein eindrücklicher Beweis dafür, wie schnell vermeintlich solide Anlageklassen wie Aktien deutscher Großkonzerne durch geopolitische Entscheidungen ins Wanken geraten können. Wer sein Vermögen breit aufstellen und gegen derartige politische Risiken absichern möchte, sollte über eine sinnvolle Beimischung physischer Edelmetalle wie Gold und Silber nachdenken. Diese sind keinem Aufsichtsrat unterworfen, kennen keine Sanktionsregime und behaupten ihren Wert seit Jahrtausenden – unabhängig davon, welcher Senator gerade welchen Gesetzentwurf einbringt.

Hinweis: Der vorliegende Beitrag stellt ausdrücklich keine Anlageberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen selbst zu verantworten. Für etwaige Verluste oder sonstige Nachteile aus Anlageentscheidungen wird keine Haftung übernommen.

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