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23.10.2026
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Strom-Desaster: 5.000 Kilometer fehlen – und Sie zahlen die Zeche!

Strom-Desaster: 5.000 Kilometer fehlen – und Sie zahlen die Zeche!
Symbolbild: KI-generiert

Deutschlands Stromautobahnen sind weit hinter dem Plan. Von 7.970 Kilometern Höchstspannungsleitungen, die nach Plan längst stehen müssten, waren Mitte Oktober laut Daten der Bundesnetzagentur erst 2.929 Kilometer fertig. Einzelne Großprojekte hängen neun, manche sogar mehr als zehn Jahre hinterher. Die Rechnung landet bei Bürgern und Betrieben.

Nur gut ein Drittel geschafft

Die Quote ist dürftig: Gerade einmal 37 Prozent der bis heute vorgesehenen Strecken sind gebaut. Und selbst das klingt besser, als es ist. Viele Leitungen gehen nämlich erst in Betrieb, wenn alle Teilstücke fertig sind. Ein fertiger Bauabschnitt heißt also noch lange nicht, dass dort Strom fließt.

Insgesamt umfasst das gesetzliche Ausbauprogramm mehr als 100 Einzelprojekte und knapp 17.000 Kilometer. Die meisten wurden zu spät fertig oder hängen noch immer hinterher. Abgeschlossen sein dürfte das Gesamtwerk frühestens in den 2030er-Jahren.

Versprochen für 2017, geliefert vielleicht 2028

Am deutlichsten zeigt sich das Versagen bei den vier großen Nord-Süd-Trassen. 2013 beschloss die Bundesregierung diese Leitungen. Bis spätestens 2022 sollten sie zehn Gigawatt Leistung in den Süden bringen. Vollständig genehmigt waren sie aber erst 2025. Die Bilanz liest sich wie ein Mahnschreiben:

  • Ultranet: geplant für 2017, Betrieb frühestens Ende 2026
  • A-Nord: von 2020 auf Mitte 2027 verschoben
  • SuedLink: statt 2019 bzw. 2022 voraussichtlich Ende 2028
  • SuedOstLink: statt 2022 erst 2027, eine Verlängerung sogar erst 2032

Immerhin gibt es Fortschritte. Medienberichten zufolge hat TransnetBW den Leitungsbau für Ultranet inzwischen abgeschlossen. Fließen soll der Strom dort aber erst später.

Erst abschalten, dann nachdenken?

Im April 2023 gingen die letzten deutschen Atomkraftwerke vom Netz. Damit fiel vor allem im Süden zuverlässige Erzeugung weg, obwohl die Ersatzleitungen aus dem Norden noch gar nicht da waren. Bayern, Baden-Württemberg und Hessen brauchen seitdem noch mehr Strom aus anderen Regionen. Das europäische Verbundnetz hält die Versorgung zwar aufrecht. Der Netzbetrieb wird aber deutlich aufwendiger.

Man hat also den Umbau der Stromerzeugung gestartet, bevor die Leitungen dafür standen. Kritiker halten genau diese Reihenfolge für den Kern des Problems.

Der teure Erdkabel-Schwenk

Technik allein erklärt die Verzögerung nicht. 2015 änderte die Bundesregierung die Planung grundlegend: Statt Freileitungen sollten verstärkt Erdkabel verlegt werden. So wollte man den Protest gegen neue Strommasten dämpfen. Die Folge waren umfangreiche Neuplanungen und deutlich höhere Baukosten. Dazu kamen lange Genehmigungsverfahren und fehlende Fachkräfte und Bauteile. Die Politik hat Verfahren inzwischen beschleunigt, die alten Termine bleiben trotzdem unerreichbar.

Windräder stehen still – die Kosten laufen weiter

Der Schaden ist längst messbar. 2025 mussten Netzbetreiber wegen Engpässen rund 9,4 Terawattstunden Ökostrom abregeln, also etwa vier Prozent der erneuerbaren Erzeugung. Gleichzeitig mussten andere Kraftwerke ihre Leistung anpassen, damit das Netz stabil blieb. Die abgeregelten Anlagen bekommen außerdem Entschädigungen. Den Großteil davon zahlen Stromkunden und Staat.

Das Energiewirtschaftliche Institut der Universität zu Köln schätzt, dass pünktlich fertige Nord-Süd-Leitungen mindestens 1,4 Milliarden Euro pro Jahr sparen könnten. Über drei Jahre wären das mehr als vier Milliarden Euro. Allein im zweiten Quartal 2026 kostete das Engpassmanagement 673 Millionen Euro. Diese Summe betrifft allerdings alle Netzengpässe, nicht nur die verspäteten Großprojekte.

Ein Lichtblick, aber kein Grund zum Jubeln

Am 15. Oktober haben TenneT und TransnetBW die verstärkte 380-Kilovolt-Verbindung zwischen Grafenrheinfeld und Großgartach offiziell in Betrieb genommen. Laut Berichten ist sie rund 150 Kilometer lang und verdoppelt die Transportkapazität. Das ist ein Fortschritt. Die wichtigsten neuen Nord-Süd-Trassen fehlen aber noch jahrelang.

Bis dahin zahlen Bürger und Wirtschaft weiter für eine Planung, die mit dem Tempo der Energiewende nicht mitgekommen ist. Die neue Bundesregierung hat ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für die Infrastruktur aufgelegt. Ob das Geld schnell genug in Leitungen fließt oder wieder in Genehmigungsverfahren versickert, ist offen. Strom aus dem Norden kommt erst im Süden an, wenn die Leitungen tatsächlich gebaut sind.

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