
Stahl-Schock aus Brüssel: Zollmauer treibt die Preise nach oben!

Europas Stahl wird teurer, und das hat Brüssel selbst mitverursacht. Seit die EU im Juli ein deutlich strengeres Zollregime für Stahlimporte eingeführt hat, ist der Preis für Warmband in Nordeuropa um sechs Prozent gestiegen. Das geht aus Berechnungen der Boston Consulting Group (BCG) hervor, über die das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet.
Die neue Zollmauer im Detail
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen nur noch 18,3 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr zollfrei aus Drittstaaten in die EU gelangen. Die Mengen sind auf einzelne Länder verteilt. Wer darüber hinaus liefert, zahlt 50 Prozent Zoll. Unter den alten Schutzmaßnahmen, die seit 2019 galten und Ende Juni ausliefen, lag der Zusatzzoll noch bei 25 Prozent.
Die zollfreien Mengen hat Brüssel dabei massiv gekürzt. Nach Angaben von Rat und EU-Parlament liegen sie rund 47 Prozent unter dem bisherigen Niveau. Seit Oktober müssen Importeure außerdem nachweisen, in welchem Land der Stahl ursprünglich geschmolzen und gegossen wurde. Ohne diesen Nachweis wird die Ware nicht verzollt. Ein weiteres Bürokratie-Monster für den Mittelstand, könnte man meinen.
Ein Preisanstieg gegen jede Gewohnheit
Warmband ist kein Nischenprodukt. Aus dem Zwischenprodukt entstehen unter anderem Autoteile und Profile, es steckt also in unzähligen Produkten des Alltags. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: In den dritten Quartalen früherer Jahre war der Preis meist gesunken. Diesmal ging er nach oben.
Allein am Zoll liegt das allerdings nicht. Auch höhere Energie- und Transportkosten könnten laut BCG eine Rolle spielen, etwa wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein. Die zentrale Wasserstraße der deutschen Industrie wird in trockenen Monaten immer wieder zum Nadelöhr.
„Das neue Handelsregime erhöht die Auslastung der europäischen Stahlindustrie, sofern die Nachfrage nicht noch stärker zurückgeht als die zollfreien Importkontingente.“
So ordnet BCG-Expertin Nicole Voigt die Entwicklung ein.
Kontingente bleiben ungenutzt
Ein Detail fällt auf: Im vergangenen Quartal haben Importeure die zollfreien Mengen nur zu 83 Prozent ausgeschöpft. Voigt hält es für möglich, dass viele Händler ihre Lager vor dem Start der neuen Zölle noch kräftig aufgefüllt hätten. Es sei womöglich auch schwierig, die einzelnen Länderkontingente genau zu treffen. Für manche Handelspartner lohne es sich vielleicht gar nicht, ihr Kontingent voll auszuschöpfen, etwa wegen bestehender Antidumping-Maßnahmen.
Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Das System ist so kompliziert, dass selbst erlaubte Mengen auf der Strecke bleiben. Bezahlen müssen das am Ende die Abnehmer.
Das Dilemma der deutschen Industrie
Für Autobauer und Maschinenbauer, die ohnehin unter hohen Energiepreisen, Bürokratie und Trumps Zollpolitik ächzen, ist teurerer Stahl eine zusätzliche Last. Trotzdem warnt Voigt, ein Zusammenbruch der heimischen Stahlindustrie würde noch größeren Schaden anrichten. Man brauche einen Großteil der Grundstoffproduktion vor Ort, um eine weitere Deindustrialisierung zu vermeiden.
Das klingt plausibel. Kritiker dürften trotzdem fragen, warum Europas Stahlwerke überhaupt eine Schutzmauer brauchen. Die Überkapazitäten in China sind real. Teure Energie, ein ausufernder Klimaschutz-Apparat und eine lähmende Regulierung haben die Wettbewerbsfähigkeit aber hausgemacht geschwächt. Zölle behandeln das Symptom, die Ursachen bleiben.
Brüssel plant schon die nächsten Schutzwälle
Die EU-Kommission bereitet bereits weitere Schutzklauseln vor. So soll die Zahl der Hybridautos, die in die EU eingeführt werden dürfen, deutlich begrenzt werden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat zudem angekündigt, auch die Chemie- und Pharmabranche sowie den Maschinenbau schützen zu wollen.
Die Richtung ist klar: Europa zieht die Zugbrücke hoch. Ob das die Industrie rettet oder Verbraucher und Weiterverarbeiter dauerhaft mehr zahlen lässt, wird sich zeigen. Die ersten Preisschilder sprechen eine deutliche Sprache.
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