
Staatspreis für AfD-Konfrontation: Wie neutral ist der Blaue Panther?

Der Streamer Marcant hat am Mittwochabend in München den Medienpreis „Blauer Panther“ als „Beliebteste Social-Media-Persönlichkeit“ erhalten. Bekannt wurde er durch Straßenvideos, in denen er AfD-Anhänger vor laufender Kamera befragt. Gefördert wird die Auszeichnung von der Bayerischen Staatskanzlei, und das wirft unbequeme Fragen auf.
Millionen Klicks, ein Porzellan-Panther
Bei der Gala in der BMW Welt, die im Rahmen der Medientage München stattfand, gewann der YouTuber die öffentliche Abstimmung. Er setzte sich gegen die Influencerinnen Sophie Breuer und Denise Marko durch. Breuer beschäftigt sich vor allem mit psychischer Gesundheit, Marko mit der Inklusion von Menschen mit Behinderung.
Marcants Reichweite ist enorm. Allein auf Instagram folgen ihm mehr als zwei Millionen Menschen. Sein Konzept: Er spricht Anhänger und Vertreter der AfD bei Wahlkampfauftritten und Demonstrationen an. Die oft hitzigen Wortwechsel schneidet er anschließend zu kurzen Clips für Instagram, TikTok und YouTube zusammen. Manche Medien nennen ihn deshalb den „AfD-Jäger“.
Die Jury schwärmt von „Aufklärungsarbeit“
Nominiert wurde Marcant laut den Veranstaltern für seine „politische Aufklärungsarbeit“, für direkte Begegnungen und für kritische Einordnung. In der Begründung der Jury heißt es:
„Seine Methode basiert auf kluger, hartnäckiger Fragetechnik und einem hoch präsenten Gespür für die Dynamik der Straße. (…) Marcant baut damit ein reichweitenstarkes Gegengewicht zu Falschinformationen und demokratiefeindlichen Inhalten auf.“
Das ist ein großes Lob. Offen bleibt allerdings, wer festlegt, was als „demokratiefeindlich“ gilt. Und warum ist es ausgerechnet die Kamera auf der Straße, die darüber entscheidet? Zugeschnittene Kurzvideos zeigen immer eine Auswahl. Was im Schnitt bleibt und was wegfällt, entscheidet allein der Macher.
Über 1.000 Aussteiger? Niemand hat nachgezählt
Auf der Bühne widmete Marcant den Preis seinem Team. Seine Mitarbeiter könnten wegen der Bedrohungslage nicht neben ihm stehen, sagte er. Er werde im Netz regelmäßig angefeindet und bedroht. Drohungen gegen Journalisten oder Creator sind inakzeptabel, egal aus welchem politischen Lager sie kommen.
Bemerkenswert ist eine Zahl aus seiner Dankesrede. Nach eigenen Angaben hätten ihm inzwischen mehr als 1.000 Menschen geschrieben, dass sie wegen seiner Videos ihr Weltbild hinterfragt und rechtsextreme Strukturen verlassen hätten. Unabhängig überprüft ist diese Zahl nicht. Mit Selbstironie fügte er hinzu, ob er wirklich die beliebteste Social-Media-Persönlichkeit sei, wisse er nicht, wenn er in seine Instagram-DMs schaue.
Steuergeld, Gebühren und ein Hauch Haltung
Der „Blaue Panther“ hieß früher Bayerischer Fernsehpreis. Seit 2022 zeichnet er auch Streaming- und Social-Media-Produktionen aus. Getragen wird er von einer breiten Allianz. Dazu gehören:
- die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM)
- die öffentlich-rechtlichen Sender BR, ZDF und 3sat
- private Anbieter wie RTL Deutschland, ProSiebenSat.1, Sky, Netflix und Prime Video
Gefördert wird das Ganze vom Freistaat. Eine CSU-geführte Staatskanzlei finanziert also einen Preis mit, der einen Aktivisten gegen eine Oppositionspartei ehrt. Dass dafür auch Geld aus dem Rundfunkbeitrag fließt, finden Kritiker problematisch. Sie fragen, ob sich staatsnahe Institutionen im politischen Meinungskampf nicht deutlich mehr zurückhalten müssten.
Ein Signal, das hängen bleibt
Formal hat das Publikum gewählt, nicht die Politik. Die Vorauswahl traf aber die Jury, und ihre Begründung lässt wenig Spielraum für Zwischentöne. Für viele Bürger, die sich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohnehin kaum noch vertreten fühlen, dürfte der Abend ein Eindruck bestätigen: Belohnt wird, wer die richtige Haltung zeigt. Neutralität sieht anders aus.
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