
Söder schwört CDU-Parteitag auf Unions-Treue ein – doch wie viel Substanz steckt hinter der Harmonie?
Es war eine jener Reden, die man in der Politik als „Grußwort" verharmlost, die aber in Wahrheit weit mehr sind: ein strategisches Manöver, eine Machtdemonstration und zugleich ein Loyalitätsbekenntnis mit Verfallsdatum. Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, trat am 21. Februar 2026 beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart ans Rednerpult und lieferte genau das, was Friedrich Merz in diesen unruhigen Zeiten braucht – oder zumindest das, was danach aussieht.
Treueschwur mit doppeltem Boden
„Du kannst dich auf uns verlassen: Wir unterstützen dich als Kanzler – gerne auch länger, wenn du willst." So lautete Söders zentrale Botschaft an den CDU-Chef und amtierenden Bundeskanzler. Ein Satz, der auf den ersten Blick nach bedingungsloser Gefolgschaft klingt. Auf den zweiten Blick schwingt freilich die typisch södersche Doppelbödigkeit mit. Denn das „wenn du willst" ist keine bloße Höflichkeitsfloskel – es ist eine dezente Erinnerung daran, wer hier wen braucht. Söder spielte damit offenkundig auf Äußerungen von Merz an, die als Andeutung einer zweiten Amtszeit interpretiert worden waren.
Die Wiederwahl von Merz als CDU-Vorsitzender mit über 91 Prozent der Stimmen bezeichnete Söder als „Signal der Geschlossenheit, der Einheit, der Stärke". Man könnte auch sagen: ein Signal, das in seiner Deutlichkeit fast schon verdächtig wirkt. Denn wann immer in der Union derart ostentativ Harmonie zelebriert wird, brodelt es erfahrungsgemäß unter der Oberfläche.
Außenpolitisches Lob, innenpolitische Mahnung
Bemerkenswert war die klare Zweiteilung in Söders Rede. In der Außenpolitik überschüttete er Merz geradezu mit Anerkennung. Europa werde in unsicherer Zeit dadurch neu geordnet, „dass es einen gibt, der in Europa Führung übernimmt", so der CSU-Chef. Merz sei „ein Mann, der Europa neue Stärke gibt und unser Trumpf bei Trump ist" – ein Wortspiel, das angesichts der aggressiven Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump durchaus eine gewisse Brisanz besitzt. Die 20-Prozent-Zölle auf EU-Importe, die Washington verhängt hat, stellen die europäische Wirtschaft vor enorme Herausforderungen. Dass Merz hier als derjenige positioniert wird, der Europa zusammenhält, ist ebenso schmeichelhaft wie strategisch klug.
Ganz anders der Ton in der Innenpolitik. Hier mahnte Söder mutigere Reformen an und forderte eine klarere Handschrift der Union innerhalb der Großen Koalition mit der SPD. Der Kanzler müsse zwar „noch freundlicher" zur SPD sein, um den „Laden zusammenzuhalten" – das finde er „okay" und „auch richtig". Doch dann kam der entscheidende Nachsatz, der den Delegierten starken Beifall entlockte: „Wer hat die Wahl gewonnen? Wer ist die Nummer eins? Das ist die Union und nicht die SPD – und daraus leitet sich auch ein Führungsanspruch ab."
Steuerliche Entlastungen als Kernforderung
Konkret wurde Söder vor allem bei den Finanzen. Er forderte, die vereinbarte Unternehmenssteuer-Reform vorzuziehen, den Spitzensteuersatz erst ab einem höheren Einkommen greifen zu lassen und – eine alte Forderung der Union – den Solidaritätszuschlag endgültig abzuschaffen. Forderungen, die man nur begrüßen kann, wenn man bedenkt, wie sehr der deutsche Mittelstand unter der Steuerlast ächzt. Ob diese Vorhaben allerdings in einer Koalition mit der SPD durchsetzbar sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur, das die neue Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, dürfte den finanziellen Spielraum für Steuersenkungen erheblich einschränken – eine Tatsache, die Söder wohlweislich nicht erwähnte.
Scharfe Attacke gegen die AfD
Wenig überraschend, aber in der Schärfe durchaus beachtlich, fiel Söders Abrechnung mit der AfD aus. Diese sei schlicht „inkompetent", ihre Kader würden „immer radikaler" – es gebe mittlerweile „mehr Gerichtsverfahren als Kandidaten". Mit Blick auf die Affäre um die Beschäftigung von Familienangehörigen durch AfD-Politiker setzte Söder noch einen drauf: „So unverschämt hat noch keine Partei in Deutschland abkassiert."
Man mag von der AfD halten, was man will – doch die Frage drängt sich auf, ob die Union mit solch pauschalen Attacken nicht genau jene Wähler verprellt, die sie eigentlich zurückgewinnen müsste. Denn die Verunsicherung im Land, die Söder selbst ansprach – „Unser Land ist verunsichert, die Menschen sind zum Teil unruhig und wissen nicht, wie es weitergeht" –, diese Verunsicherung hat Ursachen, die weit über die AfD hinausreichen. Die zunehmende Kriminalität, die unkontrollierte Migration, die wirtschaftliche Stagnation: All das sind Probleme, die nicht dadurch verschwinden, dass man den politischen Gegner als inkompetent brandmarkt.
Unions-Harmonie als Inszenierung oder echte Stärke?
Merz selbst dankte Söder artig für dessen Rede und schwärmte vom Verhältnis der Schwesterparteien: „Es könnte nicht besser sein." Es habe „nicht viele Zeiten gegeben, in denen CDU und CSU und beide Parteivorsitzenden so eng, so gut, so harmonisch zusammengearbeitet haben." Wer die Geschichte der Union kennt – von Strauß gegen Kohl bis Seehofer gegen Merkel –, der weiß, dass solche Beteuerungen mit Vorsicht zu genießen sind. Die wahre Belastungsprobe kommt nicht auf Parteitagen, sondern in den Hinterzimmern, wenn es um Posten, Geld und Macht geht.
Söders Schlussappell klang dann fast schon pathetisch: „Lasst uns zusammenstehen, gemeinsam kämpfen für unsere Werte, für Glaube, Freiheit, Vaterland, Demokratie, Heimatsicherheit." Schöne Worte. Doch ob die Union den Mut aufbringt, diese Werte auch gegen den Widerstand des Koalitionspartners SPD durchzusetzen, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Bürger dieses Landes haben ein Recht darauf, dass ihren Sorgen nicht nur mit Sonntagsreden begegnet wird, sondern mit konkretem politischem Handeln. Steuerentlastungen, innere Sicherheit, eine kontrollierte Migrationspolitik – das sind die Themen, an denen sich die Glaubwürdigkeit der Union messen lassen muss. Nicht an der Lautstärke des Beifalls auf einem Parteitag.
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