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Kettner Edelmetalle
18.02.2026
22:58 Uhr

Silberknappheit in Shanghai: Lagerbestände auf Zehnjahrestief – ein Weckruf für Anleger

Was sich derzeit am chinesischen Silbermarkt abspielt, gleicht einem Lehrstück über die Fragilität globaler Rohstoffmärkte. Die Lagerbestände an den großen Börsen in Shanghai sind auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt gefallen, während Produzenten und Händler verzweifelt versuchen, ihren Lieferverpflichtungen nachzukommen. Ein wachsender Auftragsrückstand bringt das System an seine Grenzen – und treibt die kurzfristigen Preise in die Höhe.

Backwardation auf Rekordniveau: Käufer wetteifern um sofortige Lieferungen

Die Situation hat zu einer starken Backwardation an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) geführt – ein Phänomen, das auftritt, wenn der Preis für sofortige Lieferung deutlich über dem Preis für spätere Liefertermine liegt. Der Frontmonatskontrakt sei auf einen Rekordaufschlag geklettert, da Käufer regelrecht um physisches Silber wetteifern würden. Für den Laien übersetzt: Wer das Metall jetzt braucht, muss tief in die Tasche greifen. Und wer es hat, sitzt am längeren Hebel.

Zhang Ting, Senior-Analyst bei der Sichuan Tianfu Bank Co., sieht die Ursache in schwindenden lieferbaren Vorräten und einer veritablen Lagerkrise. Gleichzeitig würden Marktinstitutionen weiterhin Kontrolle ausüben, um von den erheblichen Preisschwankungen zu profitieren. An der Shanghai Gold Exchange (SGE) seien Leerverkäufer, die auf fallende Silberpreise gesetzt hatten, gezwungen gewesen, Inhabern von Long-Positionen Aufschubgebühren zu zahlen, nur um eine physische Lieferung zu vermeiden. Ein deutlicheres Signal für die Knappheit des verfügbaren Metalls kann es kaum geben.

Nach der Rally kam der Ausverkauf – doch die Knappheit bleibt

Die aktuelle Volatilität folgt auf eine außergewöhnliche Rally zu Beginn des Jahres, als Silber innerhalb weniger Wochen um sagenhafte 61 Prozent zulegte. Dieser Anstieg wurde durch spekulative Käufe in China und anderen Märkten befeuert, angetrieben von Sorgen um den Dollar, geopolitischen Spannungen und wachsenden Zweifeln an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve. Ein historischer Ausverkauf seit Ende Januar habe zwar einen Großteil dieser Gewinne wieder zunichtegemacht – doch das fundamentale Problem bleibt bestehen: Die physischen Bestände sind erschöpft.

Da die chinesischen Lagerbestände bereits aufgebraucht gewesen seien, als die Investitionsnachfrage sprunghaft anstieg, befänden sich die Vorräte in den mit SHFE und SGE verbundenen Lagern nun auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Dies verschärfe die Versorgungsengpässe auf dem Markt zusätzlich.

Geopolitische Unsicherheit als Brandbeschleuniger

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Silberknappheit in Shanghai kein isoliertes Phänomen ist. Sie ist Symptom einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Die von US-Präsident Trump eingeführten massiven Zollerhöhungen – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren – haben die globalen Handelsströme durcheinandergewirbelt. Der anhaltende Ukraine-Krieg, die dramatische Eskalation im Nahen Osten und die wachsende Rivalität zwischen den Großmächten schaffen ein Umfeld, in dem physische Edelmetalle als sicherer Hafen gefragter denn je sind.

Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die nächste Schuldenorgie plant und damit die Inflation weiter anheizen dürfte, stellt sich für den deutschen Sparer eine ganz grundsätzliche Frage: Wie schütze ich mein Vermögen vor der schleichenden Entwertung?

Silber: Industriemetall und Wertspeicher zugleich

Was Silber von vielen anderen Anlageklassen unterscheidet, ist seine Doppelrolle. Es ist nicht nur ein monetäres Edelmetall mit jahrtausendealter Tradition als Wertspeicher, sondern auch ein unverzichtbarer Industrierohstoff – von der Solarindustrie über die Elektronik bis hin zur Medizintechnik. Die steigende industrielle Nachfrage bei gleichzeitig sinkendem Angebot schafft eine Konstellation, die langfristig nur eine Richtung kennen dürfte: nach oben.

Die Ereignisse in Shanghai sollten als Warnsignal verstanden werden. Wenn selbst in China – dem weltweit größten Verbraucher von Industriemetallen – die Silbervorräte zur Neige gehen, dann offenbart dies ein strukturelles Defizit, das sich nicht über Nacht beheben lässt. Neue Minen brauchen Jahre bis zur Produktion, und die Recyclingquoten können die wachsende Nachfrage nicht kompensieren.

Für vorausschauende Anleger könnte die aktuelle Marktlage eine Gelegenheit darstellen, physische Edelmetalle als Beimischung in ein breit gestreutes Portfolio aufzunehmen. In Zeiten, in denen Papiergeld durch politische Entscheidungen systematisch entwertet wird und die Schuldenberge ins Unermessliche wachsen, bieten Gold und Silber das, was kein Politiker der Welt garantieren kann: substanziellen Werterhalt ohne Gegenparteirisiko.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, gründlicher Recherche getroffen werden. Für etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung. Konsultieren Sie im Zweifelsfall einen qualifizierten Finanzberater.

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