
Silber-Poker an der COMEX: GroĂanleger wetten schon auf 2027!

Der Silberpreis stĂŒrzt auf ein Elf-Monats-Tief, aber an der New Yorker Terminbörse COMEX verschwindet das Interesse nicht. Laut dem aktuellen Clearing-Report der CME Group verlagern HĂ€ndler ihre Positionen immer stĂ€rker in Liefermonate des Jahres 2027. Die LagerbestĂ€nde, aus denen tatsĂ€chlich geliefert werden kann, bleiben dabei auffĂ€llig knapp.
Weniger Lieferungen, aber kein RĂŒckzug
Bis zum 28. Oktober 2026 wurden an der COMEX 3.886 Silber-Kontrakte zur Lieferung gestellt und angenommen. Ein Kontrakt umfasst 5.000 Unzen, damit stehen fĂŒr Oktober bislang 19,4 Millionen Unzen in den BĂŒchern. Im September waren es noch 6.773 Kontrakte und damit 33,9 Millionen Unzen.
Ist das ein RĂŒckzug? Eher nicht. Der Oktober ist traditionell ein schwĂ€cherer Liefermonat. Wer sich Silber in groĂen Mengen sichern will, schaut ohnehin auf den Dezember.
Dezember dominiert, 2027 holt auf
Das Open Interest, also die Zahl der offenen Terminkontrakte, liegt insgesamt bei 117.161 Kontrakten. Davon entfallen allein 85.140 auf den Dezember-Termin. Das sind rund drei Viertel aller Positionen. Zuletzt gab der Dezember leicht nach, gleichzeitig wuchsen die spĂ€teren Termine: Der MĂ€rz 2027 zĂ€hlt inzwischen 18.715 Kontrakte, der Mai 2027 kommt auf 5.070. FĂŒr November sind nur noch 1.560 Positionen offen.
Das Muster ist eindeutig. Die Marktteilnehmer flĂŒchten nicht, sie rollen ihre Positionen nach vorn. Wer auf MĂ€rz und Mai 2027 setzt, rechnet offenbar nicht damit, dass Silber dauerhaft billig bleibt.
Papier gegen Metall: Die unbequeme Rechnung
In den COMEX-zertifizierten LagerhĂ€usern liegen derzeit rund 336,5 Millionen Unzen Silber. Davon sind aber nur 99,8 Millionen Unzen als âregisteredâ eingestuft, nur diese Menge steht unmittelbar fĂŒr die Bedienung von Futures zur VerfĂŒgung. Die ĂŒbrigen 236,7 Millionen Unzen sind âeligibleâ. Sie erfĂŒllen zwar die Standards der Börse, sind aber nicht direkt fĂŒr Lieferungen freigegeben.
GegenĂŒber Ende September, als die lieferbaren BestĂ€nde bei etwa 96,3 Millionen Unzen lagen, ist das ein Plus von rund 3,5 Millionen Unzen. Von den HöchststĂ€nden frĂŒherer Jahre sind die Lager aber weit entfernt.
Eine einfache Rechnung zeigt, warum das wichtig ist. Allein der Dezember-Kontrakt steht rechnerisch fĂŒr rund 425 Millionen Unzen. Das ist mehr als das Vierfache der lieferbaren BestĂ€nde. NatĂŒrlich wird der GroĂteil der Kontrakte nie physisch beliefert, sondern verlĂ€ngert oder finanziell glattgestellt. Aber sollte nur ein kleiner Teil der KĂ€ufer echtes Metall verlangen, wĂŒrde es eng.
Fed bremst, Silber leidet
Gegenwind kommt aus Washington. Die US-Notenbank lieĂ den Leitzins am 28. Oktober bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Medienberichten zufolge stimmten jedoch zwei Notenbanker fĂŒr eine weitere Erhöhung. Der Markt rechnet nun mit einem Zinsschritt im Dezember. Kassa-Silber fiel daraufhin am 29. Oktober zeitweise auf knapp 52 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit November 2025. Ende Januar hatte der Rekord noch bei ĂŒber 121 Dollar gelegen.
Die lĂ€ngerfristigen Daten sehen anders aus. Nach Prognosen des Silver Institute steuert der Silbermarkt 2026 auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu. Die Industrie, die fĂŒr mehr als die HĂ€lfte der Nachfrage steht, braucht das Metall weiterhin.
Fazit
Die Börse zeigt derzeit zwei Seiten: fallende Kurse auf dem Bildschirm, aber hohe Positionierung und knappe lieferbare BestĂ€nde in den Tresoren. Wer langfristig denkt, fĂŒr den kann physisches Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle ErgĂ€nzung sein. Anders als ein Terminkontrakt hĂ€ngt es nicht davon ab, ob eine Börse am Ende liefern kann.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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