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Silber-Beben: Minus 56 Prozent – kommt jetzt die Wende bei 50 Dollar?

Silber-Beben: Minus 56 Prozent – kommt jetzt die Wende bei 50 Dollar?
Symbolbild: KI-generiert

Der Ausverkauf bei den Edelmetallen geht weiter. Im frühen asiatischen Handel am Freitag, dem 23. Oktober, rutschte Silber bis auf 53,45 US-Dollar ab und ist damit so billig wie seit elf Monaten nicht mehr. Gold fiel kurzzeitig unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar. Gleichzeitig zieht in Frankreich ein Sturm auf, der die gesamte Eurozone treffen könnte.

Vom Rekordhoch in den Keller

Der Absturz ist gewaltig. Ende Januar notierte Silber noch bei 121,67 Dollar, seitdem hat das Metall rund 56 Prozent verloren. Seit dem Sommerhoch bei 71,17 Dollar ging es ab dem 28. August praktisch nur noch abwärts, nennenswerte Erholungen gab es kaum. Das sind rund 25 Prozent Minus in nur acht Wochen.

Allein am Donnerstag verlor Silber Berichten zufolge 5,1 Prozent, Gold 2,5 Prozent. Der Goldpreis durchbrach dabei seine Unterstützung bei 4.065 Dollar und fiel bis auf 3.986 Dollar. Die Stimmung ist am Boden. Wieder einmal wird Silber als „totes Geld“ abgeschrieben. Aber stimmt das wirklich?

Frankreich wird zum Pulverfass

Während die Edelmetalle fallen, schrillen an den Anleihemärkten die Alarmglocken. Zehnjährige französische Staatsanleihen bringen inzwischen rund 175 Basispunkte mehr Rendite als deutsche Bundesanleihen. Die französische Zehnjahresrendite stieg zuletzt über fünf Prozent. Solche Abstände kennt man sonst aus der Euro-Schuldenkrise von 2011/12.

Frankreich ist kein Randstaat wie damals Griechenland, sondern die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land kämpft mit hohen Schulden, großen Defiziten und politischer Lähmung, und vor der Präsidentschaftswahl 2027 wachsen die sozialen Spannungen. Analysten warnen, dass der Stress über Banken und Versicherer auf Italien, Belgien, Spanien und Portugal übergreifen könnte. Wenn es so weit kommt, wird erfahrungsgemäß schnell gefragt, wer am Ende haftet. Gefragt wird dann in Berlin.

Die EZB steht vor einem Dilemma

Eigentlich hat die Europäische Zentralbank mit dem „Transmission Protection Instrument“ (TPI) eine Feuerwehr. Sie darf aber nur ausrücken, wenn sich die Finanzierungsbedingungen „unberechtigt und unordentlich“ verschärfen. Genau das trifft auf Frankreich nicht ohne Weiteres zu, denn ein großer Teil des Risikoaufschlags gilt als selbst verschuldet.

Ein Research-Papier der Allianz kommt laut dem Bericht zu dem Schluss, dass das TPI wohl erst bei einem französischen Spread von über 200 und einem italienischen von über 175 Basispunkten infrage käme. Bis dahin straft der Markt Paris ab. Mehr Steuergeld fließt in den Zinsdienst, und Kredite für Unternehmen und Haushalte werden teurer.

Aktien feiern, Silber leidet: Wer liegt falsch?

Merkwürdig ist, dass die Aktienmärkte weiterhin Ruhe einpreisen, obwohl die Fundamentaldaten schlechter werden. Die Märkte erzählen zwei widersprüchliche Geschichten. Mittelfristig dürfte eine der beiden Seiten falsch liegen. Getragen wird die Börsenparty vor allem von Momentum und kurzfristigen Kapitalflüssen, ein stabiles Fundament sieht anders aus.

Warum 50 Dollar die Schicksalsmarke ist

Für Silber ist die 50-Dollar-Marke von historischer Bedeutung. Dort lagen die Rekordhochs von 1980 und 2011. Erst im Herbst 2025 überwand das Metall diese Hürde nachhaltig und stieg danach steil bis auf über 120 Dollar. Charttechniker sehen im aktuellen Rückgang den klassischen Test dieses Ausbruchsniveaus innerhalb eines jahrzehntelangen „Cup-and-Handle“-Musters.

Technisch gilt Silber inzwischen als stark überverkauft. Nach dem saisonalen Muster könnte die Wende Analysten zufolge bis etwa Mitte Dezember kommen, also bis zum letzten Zinsentscheid der US-Notenbank Fed in diesem Jahr. Laut Medienberichten sieht die UBS bei Silber weiterhin Potenzial bis 80 Dollar.

An den Ursachen des Bullenmarktes hat sich nichts geändert. Die Schuldenkrisen sind ungelöst, die Realzinsen unsicher und die Welt geopolitisch zersplittert. Hinzu kommt die wachsende industrielle Nachfrage nach dem „kritischen Zukunftsmetall“. Sollte sich die Frankreich-Krise ausweiten, würden höhere Risikoprämien, Notenbank-Eingriffe und ein schwächerer Euro historisch eher für Gold und Silber sprechen.

Fazit: Schmerzhaft, aber kein Weltuntergang

Wer nur auf die Tagescharts schaut, sieht zwei schwache Märkte. Wer die Schuldendynamik in Europa versteht, erkennt darin womöglich dieselbe Krise an zwei verschiedenen Stellen. Für langfristig denkende Sparer kann die Schwächephase eine Gelegenheit sein, physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen aufzustocken. Dafür sprechen die gesunkenen Preise ebenso wie die fragile Lage der Eurozone.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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